Daredevil #29: Unmasked

Marvel

Matts Beschluss steht fest: Er will endlich um Karens Hand anhalten! Die Frage ist nur: Wie? Als Matt Murdock oder als falscher Zwillingsbruder Mike? Manche würden behaupten, die Rolle mit Mike war von Anfang an eine dumme Idee und sollte auf keinen Fall gespielt werden, wenn es darum geht, einen Bund fürs Leben zu schließen. Aber Matt ist sich trotzdem unsicher. (Immerhin fühlt er sich wohl in der Rolle.) Und er ist nervös.

Um die Verspannung zu lösen, macht er ein bisschen Workout im Daredevil-Kostüm, was ihm bekanntlich das Zweitliebste im Leben ist (nach Karen). Natürlich könnte er auch ein paar Atemübungen machen, schreibt Stan Lee, aber Daredevil ist nun mal ein Superheld und als solcher ein Angeber. (Gene Colan widmet dem Workout eine ganze Seite und hat Stan angeblich auf den Tod verboten, sie mit Soundeffekten und Gedankenblasen zu verschandeln.)

Daredevil trifft Stan Lee.

In der Zwischenzeit beschließen die führungslosen Schergen des Masked Marauder, das Werk ihres Chefs zu vollenden. Gleichzeitig hat die Gang von „The Boss“ dieselbe Idee, vorher übernehmen sie aber die Kontrolle über die Masked Marauders.

Daredevil, der Übermensch

Matt schwingt sich ins Büro, trifft unterwegs sogar Stan Lee höchstselbst, doch da findet er Foggy gefesselt und geknebelt am Boden liegen. Karen wurde entführt, um Daredevil anzulocken. Matt folgt der Spur zu einem alten Haus, wo schon die Gang auf ihn wartet. Und da kommt Matt eine Idee: Er steigt zwar ins Daredevilkostüm, tut aber so, als wäre er blind, hält eine Waffe hoch. Da wird er gefangen genommen und demaskiert, ist aber halb so wild, denn keiner hält ihn für den echten Daredevil.

Doch kaum ist Karen im Nebenzimmer, kann er die beiden Banden aufmischen. Zuerst verlieren sie nacheinander ihre Schusswaffen, dann gehen sie mit Holzbrettern und Möbeln auf ihn los, alle auf einmal, sodass Daredevil nur einmal zu springen braucht, bis sich die Gauner gegenseitig von selbst erledigen. So was könne gar kein Mensch sein!, heißt es am Ende.

Und was ist mit dem Heiratsantrag? Daredevil überlegt es sich anders. Da ihr Leben seinetwegen gefährdet war, kann sie nicht seine Frau werden, ohne dass er ständig Angst um sie haben müsse. „I love her .. too much .. to take such a risk! Even if it means … my own life will be .. eternally empty!“

Nächstes Mal: Thor!

Daredevil #28: Thou Shalt Not Covet Thy Neighbor’s Planet

Marvel

In seiner Rolle als falscher Zwillingsbruder Mike Murdock flirtet Matt eigentlich ziemlich heftig mit Karen. Doch aus irgendeinem Grund geht sie nicht mit ihm, sondern mit Foggy aus – sogar ziemlich romantisch in einer Pferdekutsche. Na ja, denkt sich Matt, wenn ich sie nicht daten kann, mache ich eben das Nächstbeste: mich als Daredevil durch New York schwingen. Zufällig kommt er dabei Karen und Foggy in die Quere, die gerade in der Kutsche nebeneinander sitzen. Während Foggy seinen Arm um sie legt, redet sie nur über Matt. Sie ist immer noch sauer auf ihn, dass er seinen eigenen Bruder an den Masked Marauder verraten hat (Daredevil #27).

Daredevil fährt eine Runde mit und erzählt Karen, Matt halte einen Vortrag an der Uni über den juristischen Umgang mit Außerirdischen. Und tatsächlich fliegt er dann dorthin. Und kaum ist er da, tauchen auch schon Aliens auf. Große grüne Männchen versuchen, mit einem Strahl die Menschheit zu blenden und ihnen ihre „Mineralien“ zu stehlen. Welche Mineralien genau, das bleibt offen, aber Daredevil befürchtet, dass es die halbe Weltbevölkerung das Leben kosten wird.

Deshalb tut er sein Bestes, um das zu verhindern. Gegen den Blindenstrahl ist er immun. Den Rest erledigt er mit Hieben und Tritten. Die Aliens wollen ihn zunächst umbringen, aber dann sind sie so beeindruckt von ihm, dass sie ihn schockfrosten, ihn ins Raumschiff schleppen und ihm ein Angebot machen: Wenn er sich ihnen anschließt, geben sie ihm sein Augenlicht zurück.

Ihr könnt euch denken, wie die Antwort ausfällt. Kurz werden alle Menschen der Welt geblendet, aber Daredevil kann den Strahl mit der Frostkanone aufhalten, sodass die Aliens – beschämt über ihre erste Niederlage – das Weite suchen. Kurz darauf hat Karen ihren Groll gegen Matt vergessen und hält ihn fest umschlungen …

Nächstes Mal: Daredevil wird demaskiert!

Daredevil #26-27 (1967): Stilt-Man Strikes Again/Mike Murdock Must Die

DC Comics

Matt Murdock findet langsam Gefallen an seiner Rolle als Zwillingsbruder Mike Murdock. Er fühlt sich so wohl darin, dass er überlegt, Schauspieler zu werden. Leider hindert ihn seine Rolle daran, seinen Job als Anwalt von Leap Frog zu machen, sodass Foggy den Schurken vor Gericht verteidigen muss. Doch kaum hat dieser seine alten Springschuhe angezogen, um zu überprüfen, ob sie passen, hopst er schon durchs Fenster auf die Straße und bringt sich dabei fast um.

Da kommt die Rettung: Zufällig hatte Stilt-Man dieselbe Idee. Er wollte Leap Frog befreien, um sich mit ihm zu verbünden. Daredevil kann das zwar verhindern und hält Stilt-Man auf, doch kaum hat der sich umgedreht, liest der Masked Marauder (in seiner Zivilidentität) den gepanzerten Schurken von der Straße auf, packt ihn ins Auto und fährt mit ihm davon. Das alles unbemerkt bei Tag, mitten in New York, wo zig Menschen zusehen dürften – und was ist eigentlich mit Daredevils Scharfsinn los?

Wer ist der Masked Marauder?

Wie dem auch sei: Jetzt wissen wir, dass der Masked Marauder Frank Farnum ist, der Vermieter von Nelson & Murdock , der schon in den vergangenen Ausgaben immer mal wieder vorbeikam, ohne dass man recht wusste, was er wollte. Und der Masked Marauder weiß auch, dass Daredevil jemand ist, den er kennt. Also heckt er mit Stilt-Man den genialen Plan aus, herauszufinden, wer der Held ist, um sich seiner zu entledigen.

Er entführt dazu Foggy, Karen und Matt im Hubschrauber. Matt sagt ohne Umschweife, sein Bruder Mike sei Daredevil. Daraufhin steigt Stilt-Man auf die Straße, um im Telefonbuch nachzusehen, wo dieser wohnt. Einfacher wäre es gewesen, Matt selbst zu fragen, immerhin war er eben noch bereit, seinen eigenen Bruder zu verraten, da wäre die Adresse sicher auch kein Problem gewesen.

Wo wohnt Mike Murdock?

Aber selbst als Stilt-Man Mike im Telefonbuch nicht findet, kommt er nicht auf diese Idee, sondern raubt stattdessen einen Juwelier aus, in der Hoffnung, dass das zufällig Daredevil anlockt. Dass dadurch der ganze Entführungsplan ad absurdum geführt wird, fällt ihm nicht auf. Dadurch macht Stilt-Man aber Spider-Man auf sich aufmerksam und es kommt zu ihrem ersten Kampf. In der Zwischenzeit befreit sich Matt, fällt aus dem Helikopter, zieht sich draußen schnell um, schwingt sich wieder rein und rettet Karen und Foggy. Der Masked Marauder stürzt hinaus und fällt seinem eigenen Kraftfeld zum Opfer.

Da Spider-Man mit Stilt-Man nicht fertig wurde, bleibt das Finale auch Daredevil überlassen. Doch dann löst sich das Problem von selbst. Der Schurke will eine Strahlenkanone auf ihn abfeuern, aber da die Stelzen im Wasser stehen, kommt es zum Kurzschluss und der Stilt-Man versinkt …

Wenn ihr euch fragt, wie der es überhaupt zu seiner Rückkehr geschafft hat, das wissenschaftlich zu erklären, würde ganze Bände füllen, schreibt Stan Lee, daher sagen wir einfach: Die Wirkung des Schrumpfstrahls hat nachgelassen.

Nächstes Mal: Invasion!

Daredevil #25: Enter: The Leap-Frog

Marvel Comics

Wenn ihr dachtet, der Stilt-Man wäre der Daredevil-Schurke mit dem dämlichsten Gimmick, dann macht euch auf was gefasst, denn hier kommt Leap-Frog! Der Name ist Programm. Kaum entsteigt Matt Murdock dem Flieger aus England (siehe Daredevil #24), sieht er vor sich einen maskierten Kerl im Anzug auf Sprungfedern durch die Gegend hüpfen. Was er will, wird selbst dann nicht klar, als er kurz Matt als Geisel zu nehmen scheint, dann wieder befreit und abhaut.

All das ist nur die Probe gewesen für eine glorreiche Verbrecherkarriere eines Erfinders, der einst für Spielwarenhersteller gearbeitet hat. Jetzt hält er sich mit seinen Sprungfedern für unbesiegbar und will Karriere machen als Dieb im Froschkostüm. So hopst er also eines Nachts durch die Straßen, um total unauffällig den nächsten Juwelier zu plündern. Inwiefern die Sprungfedern dabei behilflich sein sollen, wird nicht klar. Denn das Erfindergenie kommt nicht mal auf die Idee, vorher die Alarmanlage auszuschalten. Erst als Daredevil dazukommt, kann ihm Leap-Frog dank seiner Federn entwischen. Das Gadget ist also nur nützlich, wenn man die Aufmerksamkeit von Ordnungshütern auf sich lenkt.

Zwillingsbruder Mike Murdock

Im Büro von Nelson und Murdock ist Matt als Daredevil aufgeflogen. Ein Brief von Spider-Man, den Karen geöffnet hat, da Matt seit Tagen vermisst war, hat ihn entlarvt. Da tischt Matt Karen und Foggy ein Garn von einem geheimen Zwillingsbruder auf: Mike Murdock soll Daredevil sein. Foggy glaubt ihm natürlich kein Wort, bis er diesen Mike kennenlernen darf. Also spielt Matt bei der nächsten Gelegenheit Theater, zieht sich um und tritt als großspuriger Zwillingsbruder auf. Natürlich mit Sonnenbrille. Niemand schöpft Verdacht, dass Matt selbst nicht im Raum ist. Aber da muss Mike auch schon los, um sich Leap-Frog zu schnappen.

Beim zweiten Duell ist der Frosch wieder nur schwer zu fassen. Aber dank des Hakens in seinem Stab kann Daredevil ihn einwickeln und vermöbeln. Damit ist der Fall erledigt, zumindest für den Superhelden. Denn kurz darauf stellt sich heraus, dass Matt Murdock Leap-Frog vor Gericht verteidigen soll …

Fortsetzung folgt … nächstes Mal wieder mit Stilt-Man!

Daredevil #24: The Mystery of the Midnight Stalker

Marvel Comics

Nach seinem Kampf gegen den Gladiator (Daredevil #23) ist Daredevil „irgendwo in Europa“ gestrandet. Wo genau, erfahren wir nicht, nur eins ist klar: in Feindesland, was sich daran bemerkbar macht, dass er von einer bewaffneten Bande bedroht wird. Eine Abreibung später schnappt sich der Held ein Flugzeug und steuert es nach England.

Moment mal! Aber Daredevil ist doch blind! Na und? Wenn ich daran erinnern darf: Dardevil hat bereits in Ausgabe #2 eine Rakete aus dem Weltall zurück nach New York gesteuert – und das nur dank seines Tast- und Radarsinns … Also ist ein Flugzeug dagegen ein Kinderspiel. Viel schwieriger dagegen ist es, von England aus ein Flugticket zurück in die Staaten zu bekommen.

Doch zuvor liest Daredevil in der Zeitung (auch dank Tastsinn, und das trotz seiner Handschuhe!), dass Ka-Zar, Lord Kevin Plunder, mal wieder zum Wilden Mann mutiert sein soll. Ihm wird vorgeworfen, als Midnight Stalker gemordet zu haben. Die Polizei hat Plunder Castle umstellt, um ihn zu verhaften. Also macht sich unser Held auf dem Weg zum Schloss, um die Sache aufzuklären und dem Verbündeten aus der Patsche zu helfen.

Plunderer im U-Boot

Daredevil schwingt sich an den Soldaten vorbei, weicht Kugeln aus, aber nur um von Ka-Zar völlig missverstanden zu werden. Es kommt zum üblichen Kampf, bevor der Wilde einsieht, dass Daredevil sein Freund ist, sonst wär’s ja langweilig und irgendwie muss man die 20 Seiten ja füllen. Ka-Zar schmeißt ihn ins Meer, Daredevil reißt ihn mit sich und unter Wasser entdecken sie ein U-Boot, in dem Ka-Zars böser Stiefbruder, der Plunderer, mit seiner Bagage steckt. Die beiden prügeln sich also durch die Gegend, als der Plunderer plötzlich seine neueste Waffe zückt, den Nerve Bolt Ray. Damit will er Ka-Zar töten, um das Schloss zu erben – von Anfang an war das der Plan. Davon ist er aber zum Glück leicht abzubringen, der Wurf eines Stabs genügt.

Schließlich löst sich auch Daredevils ursprüngliches Problem: Ka-Zar spendiert ihm zum Dank einen Flug nach Hause. Doch was geschieht derweil in New York? Karen öffnet einen Brief, der an Matt adressiert ist, der von Spider-Man stammen soll. Darin steht, dass Matt Daredevil sei, aber sich keine Sorgen machen müsse, Spider-Man werde es nicht verraten. Na, das ist wohl nach hinten losgegangen. Und nicht nur dass Karen das Briefgeheimnis verletzt hat, sie erzählt es auch noch brühwarm Foggy! Wenn das kein Grund für eine fristlose Kündigung ist …

Nächstes Mal: Leap-Frog!

Daredevil #22-23 (1966): The Tri-Man Lives/DD Goes Wild

Marvel Comics

Bevor die eigentliche Geschichte losgeht, erzählt Stan Lee noch das Ende der vorangegangenen aus Daredevil #21, wo der Held einen Richter auf einer mechanischen Eule rettet, denn da Zeichner Gene Colan zu viele Splash Pages verwendet hat, blieb dafür kein Platz mehr zu erzählen, wie Daredevil trotz Blindheit das Ding aufs Festland navigiert, wo es hochgeht, weil der Schurke Owl eine Bombe zündet.

So, das wär erledigt. Jetzt weiter im Text. Jetzt geht es mal wieder um die unheilige Allianz von Masked Marauder und Gladiator. Die sind sich immer noch nicht grün, wollen aber gemeinsam die führerlose Bande der Maggia übernehmen, und um sich dafür zu qualifizieren, wollen sie Daredevil fangen. (Ja, wirklich nur fangen, nicht töten.) Der Maskierte Marodeur hat sich dazu was Geniales einfallen lassen: den Tri-Android, der die Fähigkeiten dreier Menschen aufnehmen soll, um Daredevil im Kampf zu schlagen. Mittels eines Strahls entführt der Schurke einen Wrestler, einen flinken Dieb und einen einen superschlauen Gauner, fertig ist der Superschurke, der Daredevil besiegen kann.

Daredevil gegen Tri-Man und Gladiator

Das Ganze soll publikumswirksam im Madison Square Garden stattfinden. Der Tri-Man taucht auf, fordert DD zum Kampf heraus, ansonsten, so droht er, bringt er jeden der Zuschauer um. Matt hört es per Radio, kann aber nicht fort, weil er von Karen beobachtet bzw. angeschmachtet wird. Also lässt er sich etwas einfallen: Er zieht sich Foggys Daredevil-Fake-Kostüm an und fährt mit Karen zur Arena. Für den Fall, dass der echte Daredevil verhindert sei, sagt er. Wie ein Blinder dabei helfen kann, die Antwort bleibt er ihr schuldig. Ist auch gar nicht so wichtig, denn bald darauf ist Matt in der Menge verschwunden und DD duelliert sich schon mit Tri-Man. Karen schafft es wieder nicht, eins und eins zusammenzuzählen.

Der Rest ist wilde Prügelei, bis DD den Tri-Man mit einem Tritt zu Boden bringt. Alle Kraft, Geschicklichkeit und Hirnmasse haben nichts genützt. Dann meldet sich der Marauder über den Lautsprecher: Ergib dich, sonst sterben Foggy und Karen. Daredevil klemmt sich daraufhin an Tri-Mans Fersen, als dieser abhaut und mischt dann das Versteck der Schurken auf. Schließlich kommt es zum Kampf gegen den Gladiator in einer Arena, die für einen Film dem Kolosseum nachempfunden ist.

Zufällig wird dabei ein Löwe aus einem Käfig befreit, Daredevil rettet Gladiator vor der Bestie (ohne abzuwarten, ob dieser selbst mit ihr fertigwird), dann erweist sich der Schurke als dankbar und will nicht mehr kämpfen. Die Pläne des Marauders sind verteitelt, die Führerschaft kann er vergessen. Dafür malt sich Gladiator nun Chancen aus. Daredevil zieht von Dannen, ohne sich darum zu kümmern, seine Gegner zur Rechenschaft zu ziehen.

Nächstes Mal: ein Wiedersehen mit Ka-Zar!

Daredevil #20-21 (1966): The Owl

Daredevil vs The Owl

Marvel Comics

The Owl ist zurück! Und diesmal will er Rache. Nicht etwa an Daredevil, sondern an dem Richter, der ihn verknackt hat. Dass Richter nur ihren Job machen – spielt keine Rolle. Die Eule will ihn selbst richten, aber nicht einfach umbringen, das wäre zu einfach, wo wäre da der Spaß. Also lässt er den Richter namens Lewis auf eine Insel in seine Eulenfestung bringen und macht ihm dort den Schauprozess.

Damit das Unternehmen nicht nach banaler Hinrichtung aussieht, lässt der Schurke einen der besten Anwälte einfliegen. Und wie immer fällt die Wahl ganz zufällig auf Matt Murdock, als wäre er der einzige im Marvel-Universum. Zuerst brechen die Handlanger bei Matt im Büro ein, wo sie von Daredevil überrascht werden, dann fahren sie zu Matt nach Hause. Statt einfach die Polizei zu verjagen, auszufragen oder die Polizei zu rufen, zieht sich Daredevil um und lässt sich als Matt entführen. Auch hier läuft es nach dem Motto: Wo wäre sonst der Spaß?

Duell mit mechanischer Eule

Kaum kommt er auf Owls Insel an, soll er zu seiner Verteidigung einen Zeugen finden. Er hat nur fünf Minuten Zeit. Matt geht zur Tür raus und kommt als Daredevil zurück. Wo kommt der denn her? Und wie konnte das so schnell gehen? Niemand kommt auf die naheliegendste Lösung. Und der Held hat auch keine Lust, das Spiel mitzuspielen, sondern teilt lieber mit Fäusten aus. Doch aller wortgewandten Keilerei zum Trotz wird Daredevil von ein paar rollenden Billardkugeln umgeworfen und gefangen genommen. Also: Zurück in den Käfig! (Wie schon in Daredevil #3.)

Die Gelegenheit will Owl nutzen, um sich auch an seinem Erzfeind zu rächen. Der soll in ein Loch ohne Boden geworfen werden. Aber zum Glück kann sich der Held befreien. Dann geht es drunter und drüber: Das alte Eulenschloss zerfällt, ein Vulkan auf der Insel bricht aus, Owl sucht seine „forbidden chamber“ , seine geheime Kammer auf, in der eine riesige mechanische Eule auf ihn wartet. Zuerst lässt er das Ungetüm seinen Verfolger angreifen, dann will er auf dem Fluggerät abhauen, es kommt zum Duell in der Luft, das Spektakel ist atemberaubend. Owl entkommt schließlich per Gleitflug und Daredevil rettet Richter Lewis vor dem Vulkan.

Zeichner Gene Colan inszeniert den Zweiteiler mit viel Dramatik und ungewöhnlich großen Panels, darunter Splash Pages. Seitenschinderei? Ganz und gar nicht. Dadurch kommt die Action voll zum Tragen.

Nächstes Mal: Tri-Man und die Rückkehr von Gladiator und Masked Marauder!

Daredevil #18-19 (1966): Gladiator

Daredevil vs. Gladiator

Marvel Comics

Von allen Ideen ist das wohl die dümmste: Da Karen aus irgendeinem Grund glaubt, Foggy Nelson sei Daredevil, will er sie davon endgültig überzeugen, damit sie ihn endlich heiratet. (Keine Ahnung, wie so einer das Jura-Examen geschafft hat, aber der Mensch kann Kompetenzen eben nur schwer auf andere Felder übertragen.) Also sucht Foggy einen Kostümladen mit Superheldenschwerpunkt auf, um sich wie Daredevil zu kleiden. Der Inhaber ist ein etwas seltsamer Glatzkopf, dem zufriedene Kunden nicht wichtig zu sein scheinen. Trotzdem passt er ein Daredevil-Kostüm an Foggys Leibesfülle an.

Doch kaum hat der Kunde den Laden verlassen, offenbart sich der Inhaber als Schurke mit sinistrem Plan: Da er Superhelden für Blender hält, die ohne ihre Kostüme gar nichts wären, will er seine These beweisen, indem er selbst zum kostümierten Schurken wird: dem Gladiator! Viel Arbeit hat er in seinen Anzug gesteckt, er trägt einen superharten Helm mit Sauerstoffversorgung und rotierende Sägeblättern an den Handgelenken (mit denen er sogar ein wenig fliegen kann). Warum die Arme als Schwachstellen frei bleiben, muss man nicht verstehen.

Foggy Nelson als Daredevil

Der Gladiator überzeugt Foggy davon, eine Show als Daredevil abziehen zu können, indem er gegen einen würdigen Schurken kämpft, allerdings nur inszeniert. Foggy bringt also Karen bei Nacht und Nebel in eine zwielichtige Gegend und als er den Gladiator sieht, zieht er sich um. Das dauert nicht nur länger als gedacht, er weiß am Ende auch nicht, wohin mit seinem teuren Anzug. Und kaum rennt Foggy, gepresst in seinen roten Strampelanzug, auf den Gladiator zu, wird er durch einen Hieb ausgeknockt. Selbst der Gegner ist enttäuscht von dieser miesen Performance. Andererseits: Was hat er anderes von diesem Trampel erwartet?

Aber wie gut, dass der echte Daredevil den Freunden gefolgt ist. Er ist ein würdiger Gegner für den Gladiator. Der Kampf endet im Wasser: Daredevil scheint zu ertrinken. Aber seit seiner Begegnung mit Namor, dem Sub-Mariner, hat er Yoga-Atemtechniken erlernt, die ihm jetzt das Leben retten. Schließlich kann er aus dem Wasser hopsen und den Gladiator besiegen.

Doch was muss er dann mitansehen: Nachdem Foggy wieder zu sich kommt, hält er vor eintreffenden Polizisten immer noch die Lüge aufrecht, er selbst sei Daredevil! Wie kann man nur so bescheuert sein? Und wie kann das irgendjemand ernsthaft glauben? Aber in der Marvel-Welt läuft alles nach eigenen Gesetzen – daher glauben es alle …

Der Masked Marauder kehrt zurück

Die Folge ist klar: Foggys Enthüllung macht Schlagzeilen und damit bringt er sich in Gefahr, denn naturgemäß können jetzt alle Schurken mit ihm abrechnen. Als Daredevil seinen Freund zur Vernunft bringen will, sieht der es immer noch nicht ein. Offenbar würde er lieber sterben, als vor Karen gedemütigt zu werden.

Die Feinde lassen nicht lange auf sich warten: Kein Geringerer als der Masked Marauder lässt den Gladiator aus der Haft befreien, um gemeinsam Foggy zu töten. Hier wird es völlig absurd, denn der Gladiator weiß doch, dass Foggy nicht Daredevil sein kann. Aber Logik ist hier völlig fehl am Platze, denn das Team-up der beiden Schurken wirkt auch ziemlich weit hergeholt. Der Gladiator hat gar keine Lust, dem Masked Marauder zu dienen, der will ihn aber zwingen. Aber wozu? Egal, es kommt zum Kampf.

Währenddessen rettet Daredevil Foggy vor den mörderischen Handlangern. Dabei kann sich Foggy sogar nützlich machen, indem er Daredevil vor Kugeln bewahrt. Ja, liebe Kinder, man muss kein Superheld sein, um Mut zu beweisen. So die Moral der Geschichte.

Superhelden als Show von Neurotikern

Am Ende erklärt Daredevil Foggy das Geheimnis seines Erfolges so: „That’s part of the superhero mystique, fella! You’ve got to put on a good show, or you might lose your audience to some other costumed clown!“ Aus Lesersicht hat er auf jeden Fall Recht. Kein Wunder, dass später Foggy Superhelden als einen Haufen Neurotiker bezeichnet.

Und was ist mit Karen, nachdem sie erfährt, dass Foggy nicht Daredevil ist? Kein Problem, sie ist sogar froh drum, will auch gar nicht wissen, warum er das getan hat, er werde schon seine Gründe haben, sagt sie. Ein Küsschen auf die Wange gibt’s obendrauf. Wieder macht sich Foggy Hoffnungen, er habe noch eine Chance bei ihr … Aber nur bis sie ihm sagt, dass Matt der wunderbarste Mann auf Erden ist. Und wie gut, dass in solchen Momenten immer Matt in der Nähe ist, damit er lauschen kann.

Wie Stan Lee selbst zugibt, ist das allerbestes B-Movie-Material …

Nächstes Mal: The Owl kehrt zurück!

(Übrigens: In Daredevil #18 durfte erstmals Dennis O’Neil Stan Lee als Autor vertreten.)

Daredevil #16-17 (1966): Spider-Man

Marvel Comics

Nach ihrem Kampf in der Zirkusmanage (The Amazing Spider-Man #16) kommen Daredevil und Spider-Man zum zweiten Mal zusammen, diesmal gegen den Masked Marauder, dem Mann mit dem Vorhang im Gesicht. Der plant nämlich, irgendein Dingsbums zu stehlen und um das in Ruhe machen zu können, hetzt er die beiden Helden gegeneinander auf. Er steckt seine Handlanger in Daredevil-Kostüme und lässt sie harmlose kleine Attacken auf Spider-Man ausführen.

Die Spinne denkt sich: Was soll das denn? Und stellt bald darauf den Teufelskerl zur Rede. Was hier bedeutet: Er duelliert sich mit ihm. Denn statt die Sache zu klären, werden erst einmal Kräfte gemessen. So will es das Superhelden-Gesetz der Team-ups, so ist es in der Literaturgeschichte Brauch seit Gilgamesch gegen Enkidu kämpfte. Doch ganz sinnlos ist das Duell nicht, denn die beiden werfen sich gegenseitig vor, mit dem Masked Marauder unter einer Decke zu stecken. Daredevil fesselt Spider-Man und versucht, den wahren Schurken zu schnappen.

Falsche Verdächtigungen

J. Jonah Jameson, Chefredakteur des Daily Bugle, denkt natürlich dasselbe, nachdem er die Schlagzeile liest, der Maskierte Marodeur habe eine wertvolle Maschine gestohlen. Foggy Nelson hingegen verdächtigt Daredevil – obwohl er einst mit ihm zusammen gekämpft hat. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.

Doch dann kommt es noch doller: Auf seiner Patrouille wittert Spider-Man mit seinem Spinnensinn Daredevil im Büro von Nelson and Murdock. Ein Blick ins Fenster zeigt ihm: Der Blinde kann es nicht sein, also kommt nur der Dicke infrage! Spider-Man bricht durchs Fenster und schnappt sich Foggy – und Stan Lee entschuldigt sich für diesen Cliffhanger am Ende des ersten Teils der Geschichte.

Die Sache ist aber schnell geklärt und Spidey sucht das Weite. Allerdings fragt sich daraufhin Karen, ob Foggy doch Daredevil sein könnte. Als sie ihn fragt, weicht er aus. Er erhofft sich, dadurch für sie interessanter zu werden. Dass sein Körper nicht in den roten Anzug passen kann, scheint niemandem aufzufallen.

Der Vorteil des Blinden

Der echte Daredevil macht sich derweil nützlich, indem er Jameson dazu bringt, zu verkünden, dass die Vorhangmaske nicht die ganzen Pläne für die begehrte Maschine geklaut hat. Also auf ein Neues. Und auch Spider-Man bekommt eine Revanche gegen Daredevil. Diesmal gewinnt er, damit es fair ist. Spielt aber keine Rolle, denn dann verbündet man sich, um gemeinsam den Räuber aufzuhalten. Spoiler: Es klappt. Nenneswert ist aber, wie es klappt. Denn während der MM Spidey mit seinen Strahlen temporär blendet, kann er gegen Daredevil bekanntlich nichts ausrichten.

Trotzdem entkommt der Schurke und hört, verkleidet als Polizist, zufällig, wie Foggy und Karen wieder über Daredevils Geheimidentität sprechen. Wieder weicht Foggy aus – und der Masked Marauder hat einen Verdächtigen, an dem er sich schon bald rächen will …

Nächstes Mal: der Gladiator!

Daredevil #15 (1966): And Men Shall Call Him… Ox!

Marvel Comics

Erinnert ihr euch noch an die Fellowship of Fear? Eines ihrer Mitglieder, The Ox, kehrt nun zurück. Zusammen mit seinem Zellenkumpel Karl Stragg bricht er aus dem Knast aus. Stragg, der sich als eine Art Zauberer im Labor bezeichnet, verspricht ihm, ihn intelligenter zu machen, denn Ox ist zwar superstark, aber eben keine Leuchte.

Im alten Labor von Mr. Fear ist in kürzester Zeit ein Apparat aufgebaut, der das Wunder vollbringen soll. Beide legen sich auf je einen Tisch mit Schüssel auf dem Kopf, damit Stragg seine Intelligenz auf Ox übertragen kann, aber das stellt sich Betrug heraus, denn Stragg lässt bloß ihre Körper tauschen. Ox ist immer noch … sagen wir mal: ein Ochse von sehr geringem Verstand, während der kleine Stragg jetzt nicht nur gewieft, sondern auch stark ist.

Das Prozedere hat noch eine Nebenwirkung: Im Körper des Ox ist Stragg auch leicht cholerisch und neigt zur sinnloser Zerstörungswut. Als er gerade in der Stadt randaliert, kommt ihm Karen Page in die Quere. King Kong lässt grüßen.

Daredevil im Gefängnis

Und da kommt unser Held ins Spiel. Doch kaum hat sich Daredevil mit Ox angelegt, schlägt ihn der Schurke K.o. Und nicht nur das: Er zieht ihm auch noch seine Wechselklamotten an, sodass es aussehen soll, als wäre Daredevil in Wahrheit Ox. Aber wer würde denn so einen Schwachsinn glauben? Antwort: die Polizei.

Obwohl die Klamotten etwa fünf Nummern zu groß sind, stecken sie Daredevil in den Knast. Die Maske ziehen sie ihm nicht aus, wegen juristischer Unstimmigkeit darüber, ob sie das Recht dazu haben oder nicht. Ich bin zwar kein Jurist, aber: Gehört die Identifikation von Verdächtigen nicht zum Allerersten, was Polizisten so tun? Und ist es dabei nicht hilfreich, sich das Gesicht anzusehen? Gibt es in den USA kein Vermummungsverbot?

Fragen über Fragen, die uns aber nicht kümmern müssen, denn Foggy haut Daredevil aus dem Knast raus, noch ehe die Demaskierung erfolgen kann. In der Zwischenzeit hat Ox-Stragg Karen entführt und ins Labor gebracht. Dort verpasst ihm Stragg-Ox einen schweren Schlag auf die Rübe, um mit Karen abzuhauen. Der Schurke tut dann das, was auch King Kong am Ende getan hat: Er steigt auf ein Hochhaus und von hier aus kann man sich denken, wie das Problem gelöst wird. Nach einem kurzen Kampf mit Daredevil stürzt er vom Dach.

Der wahre Ox überlebt in Straggs Körper und fühlt sich plötzlich um einiges klüger als zuvor. Mit dieser Einsicht will er in den Knast zurückkehren – und sieht es als zweite Chance im Leben, etwas Anständiges aus sich zu machen.

Das nenne ich mal eine wirklich überraschende Wendung.

Nächstes Mal: ein Wiedersehen mit Spider-Man!