Daredevil: Woman Without Fear

Marvel

Inmitten der Unruhen von Devil’s Reign kriegt es Elektra (alias Daredevil) mit Kraven the Hunter zu tun. Doch statt dass der Jäger sich auf seine Beute stürzt, läuft alles viel komplizierter: Elektras Anwerberin und Trainerin der Ninja-Organisation The Hand, Aka, lockt sie mit einer Botschaft heraus, die sie von Bürgermeister Wilson Fisk übergeben lässt. Elektra soll den Ort aufsuchen, an dem sie Matt Murdock kennengelernt hat: die Columbia University. Dort trifft sie zunächst einen alten Kommilitonen, Goldy, und redet mit ihm über alte Zeiten.

Elektra steigt dann in einen schicken Sportwagen und braust durch die Landschaft. Als Aka dann auf einer Klippe auftaucht, verschwindet diese wieder. Erst als Elektra zufällig einen Hirsch auf der Straße stehen sieht und von der Straße abkommt und dann zufällig in die richtige Richtung läuft, steht Kraven vor ihr. Nach einem kurzen Kampf entführt er Goldy (der Schurke ist jetzt Mitglied von Fisks „Thunderbolts“). Es kommt zum Showdown in einem Kino. Dann taucht noch mal Aka fürs Schlusswort auf – und verschwindet wieder in alter Ninja-Manier.

Wenn man das so nacherzählt, erscheint es seltsam bis sinnlos. Aber Autor Chip Zdarsky und Zeichner Rafael de Latorre schaffen es, ihre Story aufregend zu verpacken und davon abzulenken. Eine Prise Nostalgie hier (siehe Daredevil #168), ein bisschen Action da, und schon fällt gar nicht auf, dass die Handlung weit hergeholt ist. Überhaupt ist der Dreiteiler Woman Without Fear bloß ein typischer Tie-in, den man nicht unbedingt lesen muss. Hier wird ohnehin nur die nächste Storyline vorbereitet – mit dem Punisher.

Nicht viel sinnvoller erscheint der Kampf in Elektra #100, den die Titelheldin mit Typhoid Mary führt. Immerhin erfahren wir, dass Mary nicht unbedingt aus Liebe mit Fisk zusammen ist, sondern sich davon eine stabilere Psyche verspricht.

Der Band dient vor allem den Lesern, die Elektra nicht kennen oder sich ihre Erinnerungen auffrischen lassen wollen, wie damals alles begann. Somit ist Woman Without Fear eigentlich nur eine verkappte Origin-Story. Aber, was das angeht, eine intensive.

Devil’s Reign (Herrschaft des Teufels)

Marvel

Bürgermeister Wilson Fisk hat Wind davon gekriegt, dass er mal wusste, wer Daredevil ist (siehe Daredevil Vol. 7: Lockdown). Doch die Akte, die er über ihn hat, ist leer bzw. unverständlich. Irgendwas stimmt hier nicht … Also startet er eine Großoffensive, um die Geheimidentität seines Erzfeindes herauszukriegen. Erstens: Er erlässt ein Gesetz, das alle Superhelden in New York für illegal erklärt. Stattdessen patrouillieren die Thunderbolts, andere Superhelden bzw. -Schurken wie U.S. Agent, Rhino, Crossbones und Shocker. Nach und nach schalten sie die etablierten Helden mit Halsbändern aus, die ihre Kräfte blockieren. Reed und Sue Richards langen etwa im Knast.

Zweitens: Fisk verbündet sich mit Doctor Octopus und hält mit ihm Killgrave (the Purple Man) gefangen. Mit dessen telepathischen Kräften will er die nächste Bürgermeisterwahl für sich entscheiden. Außerdem will er Killgraves Kinder finden, damit sie ihm helfen sich zu erinnern. Doch „Doc Ock“ hat andere Pläne – mit weiteren Ocks aus Parallelwelten.

Daredevil und Daredevil (Elektra) verbünden sich mit den Spider-Men, Luke Cage, Jessica Jones und anderen Helden, um sich gegen Fisk zu wehren. Außerdem stellen sie Cage als Gegenkandidaten für die Wahl auf.

Chip Zdarsky hat mit seinem bisherigen Daredevil-Run nicht nur storymäßig den Weg für dieses Event geebnet, sondern auch qualitativ. Auch hier überrascht er mit einigen Wendungen, in denen die vielen Handlungsstränge zusammenlaufen.

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Marvels (1994)

Marvel

Wären Superhelden echt, würden die Menschen sie bewundern oder sich vor ihnen fürchten? In Marvels tun sie beides. Der Protagonist Phil Sheldon, ein New Yorker Zeitungsfotograf, beobachtet und dokumentiert das Aufkommen der Superhelden von Anfang an und über die Jahrzehnte hinweg: Human Torch und Namor, the Submariner, die mal feindlich, dann wieder freundlich erscheinen, sich bekriegen und wieder versöhnen, und dabei New York verwüsten. Sheldon steht für die schwankende Meinung des Volkes. Als er bei dem Krieg der Übermenschen ein Auge verliert, bleibt er zunächst ein Befürworter der „Marvels“, während ein Chefredakteur wie J. Jonah Jameson zunehmend gegen die Helden hetzt, weil er fürchtet, dass normale Menschen mit den Übermenschen nicht mithalten können: „How could we meet that standard?“

Die Geschichte scheint zunächst Sheldon Recht zu geben. Im Zweiten Weltkrieg kämpfen Captain America und Co. als gute Patrioten. In den 60ern (dem Silver Age) jubeln die Menschen einerseits den Avengers und den Fantastic Four zu und fürchten zugleich die Mutanten der X-Men. Von der Xenophobie lässt sich auch der Held anstecken und schließt sich einem wütenden Mob an, dann nimmt er selbst ein hilfloses Mutantenmädchen bei sich auf. Die Bedrohungen, die von den Marvels ausgehen, nehmen bald apokalyptische Ausmaße an, doch die Dankbarkeit für die Abwendung der Katastrophe hält sich in Grenzen. Die Rede ist von Betrug. In den 70ern veröffentlicht Sheldon schließlich ein Buch mit seinen Fotos über die Marvels, in dem er für sie Partei ergreift, doch der Tod von Gwen Stacy, den Spider-Man zulässt, erschüttert erneut seinen Glauben … Die Welt der Marvels ist für die Menschen unfassbar.

Wie Menschen auf Übermenschen reagieren

Dieser Klassiker, geschrieben von Kurt Busiek und gemalt von Alex Ross, ist ein Versuch, Superhelden nicht bloß ernst zu nehmen, sondern auch dem Comic eine Aura von höherer Kunst zu verleihen. Durch die aufwendig gestalteten Seiten wirken die Menschen lebensnah und die Helden überlebensgroß. Ross bedient sich zum Teil der Ikonografie, sodass sie die Marvels wie Heilige, Engel und Dämonen aus der barocken Malerei wirken.

Dabei ist Marvels auch inhaltlich kein Superheldencomic im klassischen Sinn, weil er nicht den Kampf zwischen Gut und Böse beschreibt, sondern den inneren Konflikt gewöhnlicher Menschen, die mit dem Kulturschock umgehen müssen und sie zwischen Angst und Bewunderung schwanken lässt. In diesem Hin und Her der Stimmung ist Marvels für die Leser vor allem eine Hommage an die Comicgeschichte. Insofern spiegelt die Story auch die Rezeptionsgeschichte: Die einen sind fasziniert, die anderen abgestoßen von dem Medium und dem Genre.

Zwei Jahre später brachte DC Comics mit Kingdom Come ein weiteres Alex Ross-Comic heraus, das nicht weniger episch einen ähnlichen Konflikt beschrieb. Dort fragen sich die Helden, ob sie mehr Fluch oder Segen für die Menschen sind, die sie beschützen sollen.

>> Kurt Busiek/Alex Ross: Marvels (#1-4), 1994.

The Amazing Spider-Man Annual #1 (1964)

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Erster Auftritt der Sinister Six: The Amazing Spider-Man Annual #1 (Marvel)

Doctor Octopus! The Vulture! Electro! Sandman! Mysterio! Und Kraven the Hunter! Alle großen Schurken in einem Heft, zum ersten Mal als Sinister Six – das alles und noch viel mehr bietet das erste Spider-Man-Annual. Ein Jahr habe es gedauert, diese 41 Seiten herzustellen, schreibt Stan Lee. Gelohnt hat sich die Arbeit auf jeden Fall.

Es beginnt mit Doc Ocs Ausbruch aus dem Knast. Seine mechanischen Arme wurden ihm abgenommen, aber er kann sie per Gedanken steuern. Dann trommelt er die übrigen fünf Schurken zusammen, um Spider-Man endlich zu besiegen. Manche wollen ihn gemeinsam schlagen, andere denken, sie werden auch allein mit ihm fertig, immerhin hätten sie es schon mal fast geschafft. Doch Octopus hat einen angeblich idiotensicheren Plan: Jeder zieht eine Nummer und dann darf jeder Mal der Reihe nach drankommen, jeweils an einem Ort, der zu den persönlichen Talenten passt. Damit wird die Idee der Gruppenbildung natürlich ad absurdum geführt. Aber es scheint nach dem Motto zu laufen: Einer muss mal Glück haben.

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Daredevil by Frank Miller & Klaus Janson Vol. 2

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Der Gladiator scheint wieder zurück zu sein. Er greift nachts ein Paar auf der Straße an. Daredevil ist zur Stelle, um Hilfe zu holen. Als kurz darauf Melvin Potter in der Nähe des Tatorts gefunden wird, scheint die Polizei ihren Schuldigen gefunden zu haben. Doch Potter wird verteidigt von Matt Murdock – und der ist nicht überzeugt von der Schuld.

Als Matt jedoch Melvin mit seiner Assistentin Becky Blake aufsucht, bricht sie zusammen, denn der Gladiator hat sie einst so verprügelt, dass sie seitdem im Rollstuhl sitzt. Melvin droht tatsächlich, rückfällig zu werden. Matt kan ihn davon abhalten. Schließlich kann Daredevil den Gladiator aufspüren und überwältigen. Es handelt sich um einen Doppelgänger: Michael Reese. Er ist für Beckys Zustand verantwortlich.

The Hand gegen Murdock

Als der Prozess um Melvin Potter läuft, findet Elektra heraus, dass die Ninja-Organisation The Hand Matt Murdock umbringen will. Matt kann sich gut alleine gegen vier Ninjas wehren, dann lösen die sich in Rauch auf. Hinter dem Auftrag steckt der Kingpin, der dadurch Daredevil aus der Reserve locken und loswerden will. Beim zweiten Mal rettet ihn Elektra, doch durch eine Bombenexplosion verliert er seinen Radarsinn, was ihn aber nicht daran hindert, weiterhin den Helden zu spielen – und das sogar ohne größere Einbußen.

Elektra befreit Melvin Potter aus einem Gefangenentransport, gibt ihm seine Rüstung und bekämpft mit ihm und Daredevil die Ninjas. Da schickt The Hand seinen Elite-Killer, um Elektra zu töten: den angeblich unsterblichen Jonin. Um an sie heranzukommen, versuchen sich die Ninjas zunächst an Attentaten an Foggy Nelson, die aber Daredevil vereitelt. Gemeinsam mit Elektra bekämpft er die Schurken.

Daredevils Lehrer: Stick

Als DD aber mit ihr anzubandeln versucht, wirft sie ihn aus dem Fenster. Mit seiner Heather scheint er es nicht mehr ernst zu meinen. Er interessiert sich mehr dafür, wieder seinen Radarsinn zu erlangen. Dabei soll ihm sein alter Lehrer, Stick, behilflich sein. Auf einmal suchen alle drei nach Stick: Daredevil, Elektra und sogar Heather.

Als er gefunden ist, lässt sich Matt erneut von ihm trainieren. Während Matt blind mit Pfeil und Bogen auf eine Zielscheibe schießen soll, konfrontiert er sich mit seinen inneren Dämonen, die in der Vergangenheit liegen, sodass alle neuen Leser eine kleine Einführung in Daredevils Anfänge bekommen. Obwohl Stick ein strenger Lehrer ist, der Matt misshandelt, findet dieser auf den rechten Pfad und zu seinem Radarsinn zurück.

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Doch dann rekrutiert Kingpin Elektra und hetzt sie zunächst auf einen Informanten, der den Bürgermeisterkandidaten Cherryh der Korruption bezichtigt sowie auf Daily-Bugle-Reporter Ben Urich. Schließlich wird Daredevil in eine Falle gelockt und es kommt zum Showdown mit Elektra. Sie verletzt ihn am Fuß mit einer Bärenfalle und begräbt ihn unter einer einstürzenden Mauer, doch er kommt mit dem Leben davon und macht mit Gips am Fuß weiter, sodass er mit größter Mühe in der Kanalisation Wilson Fisks totgeglaubte Frau Vanessa aufspürt und zu ihm zurückbringt. Dafür darf DD weiterleben, aber weil irgendjemand sterben muss (Kingpin-Logik), soll Elektra Foggy erledigen. Sie traut sich aber nicht und da zufällig Bullseye aus dem Knast ausbricht, wird er auf sie angesetzt.

ACHTUNG SPOILER!

Im Showdown tötet Bullseye Elektra. Außerdem findet er heraus, dass Daredevil Murdock ist. Nach einem Kampf mit Daredevil wird Bullseye schwer verletzt und landet im Krankenhaus.

Frank Miller probiert für sein Erzählen neue Perspektiven aus: Mal erzählt er aus der Sicht von Ben Urich, mal aus der von Bullseye (Benjamin Poindexter). Visuell macht er ausgiebig Gebrauch von vielen kleinen schmalen Panels, die besonders dramatische Momente wie in Zeitlupe inszenieren. Dabei kommt er völlig ohne Worte aus. Beim letzten Kampf mit Daredevil wird Bullseye nur als schwarze Silhouette mit weißen Kreisen und Handschuhen gezeigt.

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Zwischendurch lässt Miller den Helden auch auf Iron Fist und Power Man (Luke Cage) treffen, die als Bodyguards für Matt Murdock engagiert werden. Schließlich wird Daredevil auch erstmals mit dem Punisher konfrontiert. Dessen Methoden (Mord) kommen bei Hornhead nicht so gut an. Schließlich schafft er es, den Punisher hinter Gitter zu bringen.

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Daredevil #170-172 (1981): Kingpin & Bullseye

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Der Kingpin ist eigentlich ein Spider-Man-Schurke, der seinen ersten Auftritt in The Amazing Spider-Man #50 (1967) hatte und sich 1981 in Ruhestand befand. Dann hat ihn Frank Miller zurückgeholt und mit Daredevil konfrontiert – was den Kingpin bis heute zum Erzfeind des Helden machte.

Wilson Fisk hat also dem Verbrechen abgeschworen und sich mit seiner Frau Vanessa nach Japan zurückgezogen, wo er sich die Zeit damit vertreibt, acht Leute gleichzeitig zu verprügeln. Da kommen ein paar alte Weggefährten auf die Idee, den Kingpin endgültig zu erledigen. Zuerst entführen sie seine Frau und verlangen die Beweise, die er über sie gesammelt hat, dann soll Bullseye Fisk töten.

Bullseye wurde nach einer Hirn-OP freigelassen, da er wegen seines Tumors als unzurechnungsfähig eingestuft wurde. Daredevil wird beinahe von ihm getötet (und kann sich dank einer USA-Flagge vor einem tödlichen Sturz retten), dann vom Kingpin. Sobald er herausfindet, dass der Held ihm seine Akten stehlen will, setzt er Killer auf ihn an. Aber einfach nur erschießen und ins Wasser werfen hat keinen Stil, sie stecken ihn lieber ins Wasserrohr, was ihm Gelegenheit gibt, lebend rauszukommen.

Der Kingpin übernimmt daraufhin wieder die Unterwelt, rekrutiert Bullseye, bevor dieser ihn töten kann. Wieder kommt es zum Duell mit Daredevil. Diesmal ohne Waffen, wünscht sich der Held, doch dann verwendet Bullseye den „billy club“ gegen ihn. In einem beeindruckenden Würgeduell (neun schmale Panels) schließlich triumphiert DD. Am Ende taucht Kingpin auf, lässt ihn am Leben, übergibt ihm die Beweise gegen seine Feinde und auch Bullseye.

Das ist der Beginn einer wunderbaren Feindschaft.

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Vor 60 Jahren: Spider-Man in Amazing Fantasy #15

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Ein Mann im Tierkostüm schwingt sich an einem Arm durch die Stadt, im anderen hält er einen Ganoven fest – ganz klar, das legendäre Cover kennt jeder: Das kann nur Batman sein. Sein erster Auftritt in Detective Comics #27 von 1939. Doch was ist das? 23 Jahre später sieht man das gleiche Motiv: diesmal keine Fledermaus, sondern eine Spinne in Rot, Blau und Schwarz. Das Gesicht ganz verdeckt von einer Maske, aber die toten weißen Schlitzaugen sehen ganz ähnlich aus. Nur das Cape fehlt.

So sprang am 5. Juni 1962 Spider-Man in die Welt. Geschaffen von Stan Lee und Steve Ditko, nicht mal ein Jahr nachdem Lee und Jack Kirby mit den Fantastic Four das Marvel Age of Comics begründet haben. Es folgte Hulk, der Versuch, das Monsterprinzip, das erfolgreich bei The Thing funktioniert hatte, auf einen weiteren Helden zu übertragen. Doch das Konzept hatte noch Startschwierigkeiten. Dann kam Spider-Man – und der schlug ein wie die Fantastic Four.

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Daredevil #169 (1981): Devils

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Bullseye ist wieder da! – Und das ausgerechnet kurz vor Weihnachten … Als er von einem Hirntumor befreit werden sollte, hat er sich während der Operation befreit und irrt nun durch die Stadt. Der Tumor lässt ihn halluzinieren: Überall und in jedem sieht er seinen Erzfeind Daredevil. Also läuft er Amok und tötet wahllos Unschuldige.

Dann setzt sich Bullseye in ein Kino, wo gerade The Maltese Falcon (dt. Die Spur des Falken) läuft, der Film-Noir-Klassiker von 1941 mit Humphrey Bogart, der auf einem Roman von Dashiell Hammett basiert. Und hier findet der eigentliche Höhepunkt der Story statt, denn während Bullseye auf Zuschauer losgeht, sind zwei Filmfreaks mit Fachsimpeleien über die historische Bedeutung des Films beschäftigt. Hier erweist sich Frank Miller als verspielter Erzähler, der gerne einem Amoklauf einen cineastischen Mini-Essay gegenüberstellt.

Als Bullseye die beiden Nerds entführt, legt er dar, dass nur in Filmen die Guten gewinnen: „In real life, if he’s quick and smart and nasty enough — the bad guy wins!“ Diese Beobachtung scheint auf Comics nicht zuzutreffen, denn bisher hat Daredevil immer gesiegt (genauso wie alle seine Kollegen) und Bullseye hat auch noch keinen Triumph erlangt, aber vielleicht muss er halt noch schneller, smarter und fieser werden. Vielleicht denkt er, man muss es nur oft genug versuchen, bis man Erfolg hat.

Spoiler: Auch hier wird nix draus.

Nach dem Endkampf ist Daredevil zu erschöpft, um den bewusstlosen Bullseye vor der einfahrenden U-Bahn zu retten. Er verdiene zu sterben, denkt sich der Held, Bullseye würde sonst wieder töten. Er hasst ihn – und ringt sich dann doch dazu durch, seinen Todfeind nicht sterben zu lassen. Diese Entscheidung verteidigt er am Ende auch im Disput mit dem Polizisten Nick Manolis, der Daredevil die Schuld an Bullseyes nächsten Opfern gibt. Daredevil antwortet nicht – er weiß, er hat das Richtige getan.

Übrigens: Elektra findet heraus, dass Matt Murdock bereits eine andere hat … Dazu später mehr.

Mehr Bullseye:

>> Daredevil-Comics

Moon Knight Vol. 1: The Midnight Mission

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Nach dem kurzen Age of Khonshu (siehe Avengers Vol. 7), in dem der Mondgott versucht hat, die Weltherrschaft an sich zu reißen, hat Moon Knight sich wieder eingekriegt. Er hat als Mr. Knight eine Agentur gegründet, an die man sich wenden kann, wenn man den Helden braucht: die Midnight Mission. So etwa gegen Vampire in der Nachbarschaft. Moon Knight macht die Untoten endgültig kalt, außer wenn sie unfreiwillig zu Vampiren gemacht worden sind. Eine von diesen Opfern darf dann für ihn als Sekretärin arbeiten.

Obwohl sich Marc Spector mittlerweile als Priester in Khonshus Diensten versteht (trotz seines Judentums), sucht sich der Mondgott einen weiteren Handlanger, denn Fäuste kann man ja mindestens zwei haben. So kämpft also Moon Knight gegen eine böse Variante seiner selbst: Hunter’s Moon, was aber schneller erledigt ist als gedacht, nur um dann gegen einen Schurken mit dem einfallslosen Namen Zodiac zu kämpfen, der ebenfalls schneller erledigt ist als man irgendein Interesse für ihn entwickeln kann – auch dank Hunter’s Moon, der plötzlich einer von den Guten ist, denn Konversion geht in Comics bekanntlich sehr schnell.

Außerdem taucht auch noch die Katzenlady Tigra auf, zwischendurch erklärt Marc Spector mal wieder einer Psychiaterin lang und breit Motivation und Handlung – wie schon bei Jeff Lemire und zuvor.

Zeichner Alessandro Cappuccio lässt all diese Mittelmäßigkeit überdurchschnittlich dynamisch und spektakulär erscheinen.

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Moon Knight: Legacy Vol. 2: Phases

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Woher hat Marc Spector eigentlich seine dissoziative Persönlichkeitsstörung? Das geht – wie so oft – auf ein traumatisches Erlebnis aus der Kindheit zurück. Marc (ein jüdischer Junge) entdeckte, dass sein Onkel Yitz ein Hochstapler ist: kein orthodoxer Rabbi, wie es schien, sondern ein Nazi namens Ernst. Nach dem Zweiten Weltkrieg entging Ernst der Strafverfolgung durch die Alliierten, indem er Marcs Großvater benutzte, um sich als Jude auszugeben und fliehen zu können. Ernst kann sein Leben verlängern, indem er sein Lustzentrum im Hirn stimuliert – indem er das tut, was er am liebsten tut: Juden zu töten. Was er in dem Moment der Erklärung auch unter Beweis stellt.

So lernt Marc auch auf die harte Tour, was die Shoah war, nachdem sein Vater ihm dieses Wissen vorenthalten hat. Nach der Enthüllung floh Ernst. Marc entwickelte seine Störung. Damit hat Moon Knight erneut einen neuen Origin verpasst bekommen. Allerdings bleiben da viele Fragen offen, ohne dass sie geklärt werden. Danach geht es in diesem zweiten Band von Max Bemis zunächst wild mit etwas anderem weiter: Fünf Menschen verbinden sich zu einer Einheit und ziehen dann als Monster, das weitere absorbiert, durch die Gegend, bis sich Moon Knight mit ihnen verbindet und in einer gemeinsamen geistigen Sphäre das Übel bekämpft. Das Ganze gleicht einem wilden psychedelischen Trip.

Experimentierfeld Moon Knight

Später sprengt der Held einen geheimen Sadisten-Club, dem besagter Ernst vorsteht (der angeblich gar kein richtiger Antisemit sei, wie er sagt). Dann wird er zur Teilnahme an einem Aufnahmetest gezwungen – wie schon in Band 1 wird Marcs Tochter bedroht, das ist etwas repetitiv. Und ganz ernst nehmen kann man es nicht, denn die Prüfungen werden eher leichtfüßig und humoristisch abgehandelt. Schließlich taucht wieder der Sun King auf, der psychopathische Schurke und Mörder aus Band 1, um gemeinsam mit Moon Knight gegen Ernst und Co. zu kämpfen. Der Sun King hat einen plötzlichen Sinneswandel durchgemacht und der Held vertraut ihm ohne große Bedenken. Das wäre normalerweise seltsam, aber auch hier wird alles so locker inszeniert, dass man es nicht ernst nehmen kann. Und genau das ist das Problem. Autor Max Bemis schafft es nicht, ein Gleichgewicht zwischen Ernsthaftigkeit und Komik herzustellen. In der (konstruierten) „Jubiläumsausgabe“ 200 soll ein großes Finale stattfinden, aber ohne dass man emotional involviert wäre. Große Kämpfe werden in belanglosen Wimmelbildern abgehandelt und der Endkampf endet (wie so oft) etwas zu einfach. Außerdem redet der Sun King zu viel, sodass die Hauptfigur aus dem Fokus gerät.

So bleibt die Frage zurück: Wer ist eigentlich dieser Moon Knight? Was macht ihn aus? Irgendwie zwar vieles auf einmal, aber nichts richtig. Nach diesem Band verstärkt sich der Eindruck, dass Moon Knight mehr ein Experimentierfeld als ein Superheld ist. Mit ihm wurde in den letzten Jahren so ziemlich alles getrieben, was den Autoren einfiel – und das war zunächst erfrischend, aber im Vergleich auch so inkonsistent, dass man diesen Titelhelden kaum noch festlegen kann. Zuerst war Marc Spector nur ein Söldner mit mehreren Tarnidentitäten. Dann wurde aus ihm ein Held, der von einem ägyptischen Gott von den Toten auferweckt wurde, dann wurde alles für eine Einbildung und Geisteskrankheit wegerklärt. Nun kommt auch noch eine Hintergrundgeschichte hinzu, die zwar die Persönlichkeitsstörung erklären soll, aber wenig zum Charakter beiträgt.

Einerseits ist es interessant, mit Superheldencomics Neues zu versuchen, und wie hier auch psychische Probleme zu behandeln, doch dabei sollte man seinen Hauptcharakter nicht vergessen und das, was ihn ausmacht. Moon Knight sollte mehr sein als nur eine „gespaltene Persönlichkeit“. Und auch vier Persönlichkeiten machen aus ihm noch längst keinen Charakter. Es wäre Zeit, wieder einer zu werden.

>> Moon Knight Comics