Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Moon Knight: Legacy Vol. 2: Phases

Marvel

Woher hat Marc Spector eigentlich seine dissoziative Persönlichkeitsstörung? Das geht – wie so oft – auf ein traumatisches Erlebnis aus der Kindheit zurück. Marc (ein jüdischer Junge) entdeckte, dass sein Onkel Yitz ein Hochstapler ist: kein orthodoxer Rabbi, wie es schien, sondern ein Nazi namens Ernst. Nach dem Zweiten Weltkrieg entging Ernst der Strafverfolgung durch die Alliierten, indem er Marcs Großvater benutzte, um sich als Jude auszugeben und fliehen zu können. Ernst kann sein Leben verlängern, indem er sein Lustzentrum im Hirn stimuliert – indem er das tut, was er am liebsten tut: Juden zu töten. Was er in dem Moment der Erklärung auch unter Beweis stellt.

So lernt Marc auch auf die harte Tour, was die Shoah war, nachdem sein Vater ihm dieses Wissen vorenthalten hat. Nach der Enthüllung floh Ernst. Marc entwickelte seine Störung. Damit hat Moon Knight erneut einen neuen Origin verpasst bekommen. Allerdings bleiben da viele Fragen offen, ohne dass sie geklärt werden. Danach geht es in diesem zweiten Band von Max Bemis zunächst wild mit etwas anderem weiter: Fünf Menschen verbinden sich zu einer Einheit und ziehen dann als Monster, das weitere absorbiert, durch die Gegend, bis sich Moon Knight mit ihnen verbindet und in einer gemeinsamen geistigen Sphäre das Übel bekämpft. Das Ganze gleicht einem wilden psychedelischen Trip.

Experimentierfeld Moon Knight

Später sprengt der Held einen geheimen Sadisten-Club, dem besagter Ernst vorsteht (der angeblich gar kein richtiger Antisemit sei, wie er sagt). Dann wird er zur Teilnahme an einem Aufnahmetest gezwungen – wie schon in Band 1 wird Marcs Tochter bedroht, das ist etwas repetitiv. Und ganz ernst nehmen kann man es nicht, denn die Prüfungen werden eher leichtfüßig und humoristisch abgehandelt. Schließlich taucht wieder der Sun King auf, der psychopathische Schurke und Mörder aus Band 1, um gemeinsam mit Moon Knight gegen Ernst und Co. zu kämpfen. Der Sun King hat einen plötzlichen Sinneswandel durchgemacht und der Held vertraut ihm ohne große Bedenken. Das wäre normalerweise seltsam, aber auch hier wird alles so locker inszeniert, dass man es nicht ernst nehmen kann. Und genau das ist das Problem. Autor Max Bemis schafft es nicht, ein Gleichgewicht zwischen Ernsthaftigkeit und Komik herzustellen. In der (konstruierten) „Jubiläumsausgabe“ 200 soll ein großes Finale stattfinden, aber ohne dass man emotional involviert wäre. Große Kämpfe werden in belanglosen Wimmelbildern abgehandelt und der Endkampf endet (wie so oft) etwas zu einfach. Außerdem redet der Sun King zu viel, sodass die Hauptfigur aus dem Fokus gerät.

So bleibt die Frage zurück: Wer ist eigentlich dieser Moon Knight? Was macht ihn aus? Irgendwie zwar vieles auf einmal, aber nichts richtig. Nach diesem Band verstärkt sich der Eindruck, dass Moon Knight mehr ein Experimentierfeld als ein Superheld ist. Mit ihm wurde in den letzten Jahren so ziemlich alles getrieben, was den Autoren einfiel – und das war zunächst erfrischend, aber im Vergleich auch so inkonsistent, dass man diesen Titelhelden kaum noch festlegen kann. Zuerst war Marc Spector nur ein Söldner mit mehreren Tarnidentitäten. Dann wurde aus ihm ein Held, der von einem ägyptischen Gott von den Toten auferweckt wurde, dann wurde alles für eine Einbildung und Geisteskrankheit wegerklärt. Nun kommt auch noch eine Hintergrundgeschichte hinzu, die zwar die Persönlichkeitsstörung erklären soll, aber wenig zum Charakter beiträgt.

Einerseits ist es interessant, mit Superheldencomics Neues zu versuchen, und wie hier auch psychische Probleme zu behandeln, doch dabei sollte man seinen Hauptcharakter nicht vergessen und das, was ihn ausmacht. Moon Knight sollte mehr sein als nur eine „gespaltene Persönlichkeit“. Und auch vier Persönlichkeiten machen aus ihm noch längst keinen Charakter. Es wäre Zeit, wieder einer zu werden.

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Moon Knight: Legacy Vol. 1: Crazy Runs in the Family

Marvel

Im Ravencroft Asylum behandelt Dr. Emmett einen unbekannten Patienten („86“), der Feuerkräfte hat und damit Menschen verbrannt hat. Die Psychiaterin überlegt sich eine ungewöhnliche Therapie für ihn: Analog zu Marc Spector, dem der Glaube an den ägyptischen Mondgott Khonshu Halt gibt, trägt sie dem Namenlosen den Glauben an den ägyptischen Sonnengott Ra zu. Keine gute Idee, denn wie sie selbst zugibt, steht der Gott für die Souveränität des Maskulinen, Logik und roher Kraft. Bald schon dreht er völlig durch, setzt das Krankenhaus in Flammen, verbrennt Dr. Emmett und haut ab.

Dann verbündet er sich mit dem Bushman, um Moon Knight zu besiegen, entführt Marc Spectors alte Liebe Marlene und ihre Tochter, die – wie Marc erfährt – auch seine ist. Schließlich kommt es zum Endkampf auf einer Insel, die der selbsternannte Sonnengott zu seinem Paradies auf Erden machen will.

Nach Jeff Lemires und Greg Smallwoods grandiosem Moon-Knight-Run wirkt der von Max Bemis nicht ganz so spannend. Er lässt sich viel Zeit, um die Story in Gang zu setzen, ein ganzes Kapitel ist dem Schurken gewidmet, ein weiteres lässt den Helden gegen einen Schurken namens Truth kämpfen, der Menschen zwingt, die Wahrheit zu sagen. Dann erst setzt die eigentliche Handlung ein. Dieser „Sun King“ bleibt jedoch ein oberflächlicher und damit uninteressanter Schurke.

Marc Spector muss weiterhin mit seiner Persönlichkeitsstörung zurecht kommen und seine Identitäten als Khonshu, Steve Grant und Jack Lockley akzeptieren, als Lockley hat er sogar ein Kind gezeugt, am Ende kann er mit den vereinten Kräften seiner „Verrücktheit“ den Superschurken auch ohne Superkräfte besiegen – denn Wahnsinn ist eben seine Superkraft. Man kann auch sagen: Der Glaube an sich selbst kann Berge versetzen. Das ist etwas naiv, aber immerhin sendet die Story eine Botschaft.

Das wahre Problem sind jedoch die allzu glatten Zeichnungen von Jacen Burrows. Seine Ligne claire kennt kaum Schatten, seine Figuren wirken alle brav und sauber, fast schon steril. Die flächigen Farben tragen das Ihre dazu bei. Einige beeindruckende Splash Pages oder Cover können diesen Eindruck auch nicht retten.

>> Bemis/Burrows: Moon Knight: Legacy Vol. 1: Crazy Runs in the Family, Marvel 2018.

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Moon Knight by Lemire & Smallwood

Marvel

Marc Spector ist in einer psychiatrischen Anstalt gefangen. Diagnose: Dissoziative Persönlichkeitsstörung. Doch der ägyptische Mondgott Khonshu sieht es anders. Er erscheint Marc und sagt ihm, es sei alles eine Verschwörung gegen ihn. Tatsächlich scheint mit der Anstalt etwas nicht zu stimmen: Marc wird von zwei sadistischen Pflegern misshandelt und mit Elektroschocks traktiert. In Wahrheit soll hier ein Kampf der ägyptischen Götter ausgefochten werden. Marc beschließt, auszubrechen und findet dabei alte Bekannte, wie etwa Frenchie, Crawley, Gena und Marlene. Doch damit geht der Wahnsinn erst richtig los.

Autor Jeff Lemire (Gideon Falls, Black Hammer, Joker: Killer Smile, Sweet Tooth) versetzt Moon Knight auf einen Horrortrip in einem surrealen Szenario in einem retrofuturistischen „Neo-Egypt“ und lässt ihn unter anderem gegen Mumien-Zombies kämpfen. Im Mittelteil wird es dann besonders bizarr: Dann erleben wir rasante Wechsel zwischen dem Taxifahrer Jake Lockley, dem Millionär und Filmproduzenten Steven Grant und einer neuen Persönlichkeit, die in einem Science-Fiction-Szenario eine Mondbasis gegen einfallende Wolfsmenschenaliens verteidigt. Die Erzählebenen greifen ineinander und je mehr der Wahnsinn zunimmt, desto mehr stellt sich die Frage: Was passiert „wirklich“ und was ist nur Einbildung?

Jüdischer Superheld

In einer Rückblende erfahren wir nicht nur, dass Marc Spector aus einer jüdischen Familie stammt, sondern schon als Kind einen imaginären Freund namens Steven hatte und von Khonshu halluzinierte. Am Ende akzeptiert Marc seine Krankheit als ein Teil von ihm und er beschließt, Khonshu zu töten.

Hauptzeichner Greg Smallwood zeigt sich auf der Höhe seiner Kunst: Er inszeniert die Story in einem schmutzig-organisch wirkenden Strich, er experimentiert mit Panelformen, die mal Blasen und mal Ausrufezeichen bilden, in anderen Sequenzen verneigt er sich vor dem Vorbild Bill Sienkiewicz, dem Zeichner der ersten Moon-Knight-Serie. Gastzeichner wie Francesco Francavilla, Wilfredo Torres und James Stokoe sorgen für stilistische Abwechslung, um die Sprünge zwischen den Persönlichkeiten zu unterstreichen.

Damit sind diese 14 Ausgaben Moon Knight wohl das Aufrgendste, was diesem Charakter in den letzten Jahren passiert ist. Neueinsteiger bekommen eine gute Einführung und eine abgeschlossene Story, die Lust macht auf mehr.

>> Moon Knight By Lemire & Smallwood: The Complete Collection, Marvel 2022.

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Moon Knight: From the Dead/Dead Will Rise/In the Night (2014-2015)

Marvel

Moon Knight trägt einen Dreiteiler, nennt sich „Mr. Knight“ und berät die Polizei bei kniffligen Mordfällen. In seinem ersten Fall jagt er einen Slasher, der Menschen tötet und ihnen Organe entnimmt. Mr. Knight steigt dafür tief in den Untergrund ab. „Mr. Knight“ ist eine von vier Persönlichkeiten, die Marc Spector in sich vereint, analog zu den vier Aspekten des altägyptischen Mondgottes Khonshu: Embracer, Defender, Watcher of overnight travellers, The One Who Lives On Hearts. Khonshu, eigentlich ein Außerirdischer, soll Marc einst von den Toten auferweckt haben. Seine Psychiaterin erklärt ihm, dass er nicht krank ist, sondern sein Gehirn von Khonshu besiedelt wurde.

Im Weiteren erzählen Warren Ellis und Declan Shalvey in From the Dead kurze abgeschlossene Geschichten. Einmal jagt Moon Knight einen Sniper, der Menschen auf offener Straße erschießt. Eindrücklich wird das visualisiert: Mit jedem Toten verschwindet auch ein Panel und es entsteht ein Weißraum auf der Seite. Dann prügelt sich der Held in einer Khonshu-Rüstung mit Geisterpunks, macht einen psychdelischen Trip in eine Welt der Pilze und befreit ein entführtes Mädchen aus einem verfallenen Haus, indem er nach The-Raid-Manier einen Schläger nach dem anderen vermöbelt. Es klingt banal, aber die Storys bestechen durch die Schönheit des Schlichten, was vor allem an Shalveys dynamischen Zeichnungen liegt.

Experimentierfreudige Comics

Im zweiten Band (Dead Will Rise) von Brian Wood und Greg Smallwood geht es ähnlich experimentierfreudig weiter: Da wird zum Beispiel eine Geiselnahme im One World Trade Center nur aus der Perspektive von Fernseh-, Handy-, Drohnen- und Überwachungskameras geschildert. Smallwood benutzt auch oft ein Raster mit 15 fast quadratischen Panels, in denen er komplex verschiedene Zeitebenen miteinander verschränkt.

Erzählt wird eine zusammenhängende Handlung: Es geht um einen afrikanischen Kriegsverbrecher, der vor den Vereinten Nationen spricht. Khonshu will ihn ermorden lassen, sucht sich einen neuen Handlanger, eine Wachfrau des UN-Gebäudes, Marc verhindert den Mord, schließlich gerät Spectors Psychiaterin in Versuchung. Es stellt sich wieder die Frage, ob das System funktioniert und ob Selbstjustiz legitim sein kann.

Auch wenn der dritte Band, In the Night, von Cullen Bunn und Ron Ackins und German Peralta auf dem Niveau weder narrativ noch graphisch mithalten kann, ist die Reihe als Trilogie eine interessante Lektüre, wenn man niedrigschwellig Moon Knight entdecken will und sich für neue Formen von Comics begeistert.

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Daredevil #168 (1980): Elektra

Marvel

Frank Miller beginnt als Autor für Daredevil mit dem Auftritt einer neuen Frauenfigur, die sofort zum festen Repertoire wird: Elektra. Daredevil jagt einen Dieb namens Alarich Wallenquist, der Zeuge in einem Mordfall ist, aber nun vom Gangster Eric Slaughter beschützt wird. Daredevil will Wallenquist finden, um einen Mann zu retten, der zu Unrecht für den Mord beschuldigt wird. Als er gerade einen Verdächtigen ausfragen will, kommt ihm Elektra dazwischen, eine leicht in Rot bekleidete Kopfgeldjägerin mit einer japanischen Saigabel und tritt ihn k.o. Ihre Ansage ist klar: Entweder DD hilft ihr, das Kopfgeld für Wallenquist einzusammeln oder sie tötet ihn.

Für Daredevil ist Elektra eine alte Bekannte. Als Matt Murdock hat er sie an der Uni kennengelernt. Zuerst wollte sie nichts mit ihm zu tun haben, da er blind war, doch dann beeindruckte er sie mit seiner Akrobatik und kriegte sie doch noch rum. Eine zweifelhafte Frau, aber für eine Weile waren Matt und Elektra zusammen. Doch dann wurde sie mit ihrem Vater entführt und als Geisel genommen.

Matts erster Auftritt in roter Maske

Matt bindet sich einen roten Schal um den Kopf, den er Elektra schenken wollte, und spielt den Helden. Er dringt ins Gebäude ein, schaltet die Geiselnehmer aus, doch Elektras Vater wird unglücklicherweise von der Polizei erschossen. Elektra verliert ihren Glauben ans Gesetz und verlässt die Uni und Matt, weil er Teil dieser Welt ist, mit der sie nichts mehr zu tun haben will.

Bei der finalen Konfrontation mit Slaughter und Wallenquist am Hafen wird Elektra im Alleingang mit den Gangstern fertig, doch dann erweist sich ihre leichte Bekleidung als fatal: ein Giftpfeil trifft sie und Slaughter will sie im Fluss ertränken. Man hätte sie auch erschießen können, auch schon vorher, aber … na ja, so sind Comicschurken halt. Tief in ihren Herzen wollen sie ihren Gegnern stets eine zweite Chance geben. Da eilt Daredevil zur Hilfe, rast mit einem Wasserflugzeug in die Bande rein, mit einem Stockwurf ist Wallenquist erledigt und Elektra gerettet. Ein Küsschen noch und das war’s dann. Elektra bleibt weinend zurück. Fürs Erste.

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Peter Parker, the Spectacular Spider-Man #27-28: Daredevil

Marvel

Spider-Man ist erblindet. Schuld ist der Masked Marauder. Wer wäre da ein besserer Blindenführer als Daredevil? Doch in dem Fall spielt er eher einen Babysitter, denn trotz seiner Beeinträchtigung schwingt sich Spidey von Gebäude zu Gebäude und bringt sich dabei fast um. DD muss ihm das Leben retten. Dabei verstaucht sich Spidey einen Knöchel. Zum Dank will er DD dann auch noch eine verpassen.

Doch das ist nur der Frust, der aus seinen Fäusten spricht. Spidey wäre lieber tot als blind zu sein, er badet in Selbstmitleid. DD bringt ihn wieder zur Vernunft und zu einem Augenarzt, Dr. Orlock. Der gibt ihm wieder Hoffnung, dass sich seine Augen wieder regenerieren könnten. Er müsse sich nur ausruhen. Doch Spidey will sich nicht ausruhen, er will den Masked Marauder schnappen. Und so schwingen sich die beiden Blinden weiter durch die Gegend. Spidey lernt in Windeseile, sich wie Daredevil zu orientieren.

Spider-Man reitet auf der Atombombe

Der Masked Marauder hat inzwischen einen neuen Tri-Man geschaffen, der sich als „Bombdroid“ in eine fliegende Atombombe verwandeln kann. Die beiden Helden folgen einem Ortungssignal in das Versteck des Schurken – da fliegt der Tri-Man auch schon los. Während DD allein gegen den Marauder und dessen Handlanger kämpft, hängt sich Spider-Man an die Bombe, entschärft sie mit bloßen Händen und versenkt die Hülle im Central Park, ohne dass New York in die Luft fliegt oder irgendjemand zu Schaden kommt.

Und zur Belohnung kann der Spinnenheld am Ende wieder sehen. Da platzt schon der nächste Störenfried in Peter Parkers Leben: Carrion – aber das ist eine andere Geschichte.

Übrigens: Dies ist die erste Daredevil-Story, die Frank Miller zeichnen durfte.

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Moon Knight by Bendis and Maleev

Marvel

Mark Spector ist gerade dabei, in Los Angeles eine TV-Serie über seine Zeit als Moon Knight zu produzieren, da kriegt er Besuch von Captain America, Spider-Man und Wolverine. Sie bitten ihn um Hilfe. Ein neuer Kingpin soll an der Westküste sein Lager aufgeschlagen haben. Moon Knight wird also zum verdeckten Aushilfs-Avenger. Bei seinem ersten Einsatz vereitelt er den Verkauf eines abgeschalteten Ultron-Roboters, einer hochgefährlichen Waffe, die die Menschheit auslöschen könnte.

Zunächst kämpft er an der Seite der drei Kollegen, dann legt er sich eine Ausrüstung zu, die ihre Gadgets enthält: Spinnendüsen, Wolverineklauen und einen Captain-America-Schild. Hinzu kommt, dass die drei auch in ihrer Abwesenheit seine ständigen Begleiter bleiben, da Mark sehr gut darin ist, Stimmen zu hören, die gar nicht da sind. Mit dabei: Maya Lopez alias Echo, die wiederum gar nichts hören kann.

Brian Michael Bendis und Alex Maleev, die bereits für Daredevil Großes geleistet haben, verbünden sich hier erneut und lassen den zweitrangigen Helden gegen einen erstrangingen Schurken antreten: Count Nefaria und seine Tochter Madame Masque. Das geradlinige Abenteuer lebt von Bendis‘ leichtfüßigen Dialogen und Maleevs beeindruckender Zeichnungen. Er hat zwar einen sperrigen Stil, der alles finster, roh und schmutzig aussehen lässt, gleichzeitig aber ein Gespür für Dramatik, das einen stark einnimmt. Besonders seine Cover sind jedes Mal wahre Meisterwerke. Zusammen mit einer stimmungsvollen Kolorierung entsteht ein Pageturner, dessen Story vielleicht keinen allzu tiefen Eindruck hinterlässt, aber auf jeden Fall Spaß macht, auch wenn für meinen Geschmack der Titelheld durch die vielen Gaststars seiner Eigenständigkeit beraubt wird.

>> Moon Knight By Bendis & Maleev: The Complete Collection, Marvel 2022.

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Moon Knight #13 (1981): Daredevil

Marvel

Die erste Begegnung zwischen Daredevil und Moon Knight fand 1981 in Moon Knight #13 statt (geschrieben von Doug Moench und gezeichnet von Bill Sienkiewicz).

Der Jester wird aus der Haft entlassen – auf Bewährung. So auch sein Zellengenosse Ace Taggert, den Moon Knight verknacken ließ. Beide wollen sich an ihren Peinigern rächen: Ace an Moon Knight, Jester an dem Regisseur James Martin, dem er die Schuld dafür gibt, als Schauspieler versagt zu haben.

Zur Info: Der Jester (Jonathan Powers) wurde vom Publikum ausgebuht, später musste er sich von einem viertklassigen Comedian Torten ins Gesicht werfen lassen. Das muss ihn schwer getroffen haben, denn nun rächt er sich in der Verkleidung eines Hofnarren, auch wenn ihm das bisher nicht viel Glück beschert hat.

Daredevil ahnt bereits, dass sein alter Feind nichts Gutes im Schilde führt und hängt sich ihm ans Taxi (buchstäblich). Moon Knight wiederum folgt Taggert als Taxifahrer Jake Lockley. Unweigerlich kommen sich die beiden Helden in die Quere. Als Daredevil gerade Jester wegen eines tätlichen Angriffs festnehmen will, wird er von einer silbernen Mondsichel beworfen, die ihm die Leine durchtrennt. Verhält man sich so unter Kollegen?

Moon Knight gegen Daredevil. (Marvel)

DD kann sich zum Glück vor dem Sturz retten. Moon Knight stößt ihn in eine Spielhalle, deren Flipperautomaten seinen Radarsinn behindern, und prügelt auf ihn ein. Da freut sich der Jester als lachender Dritte, der weiter seinen Plan verfolgen kann. Nachdem sie die Sinnlosigkeit ihres Kampfes und die Gefahr für Zivilisten eingesehen haben, stellen sie einander vor, erklären sich und verbünden sich zum Team Rot-Weiß.

Kämpfen mit Einschränkungen: Daredevil gegen Moon Knight. (Marvel)

Der Showdown findet natürlich auf einer Bühne statt: Der Jester sabotiert gerade eine Vorstellung seines verhassten Regisseurs, indem er Murmeln hinwirft und seine Jester-Roboter ausschickt, um das Publikum einzuschüchtern, sie zum Applaus zu zwingen und sie ihrer Wertgegenstände zu berauben. Als die Helden zur Hilfe eilen, wird es noch alberner: Der Jester setzt explodierendes Popcorn und Miniaturflugzeuge ein.

Eigentlich leichtes Spiel für die Helden, trotzdem kann der Jester entkommen und stürmt aufs Dach zum Fluchthelikopter. DD will hinterher, da hält ihn Moon Knight zurück – denn der hat seinen Kumpel Frenchie den Helikopter fliegen lassen, der den Schurken direkt bei der Polizei absetzt. Die Helden haben am Ende gut Lachen, dabei haben sie sich eigentlich hier am dämlichsten angestellt und es scheint ihnen nicht mal peinlich zu sein.

Wer zuletzt lacht: Moon Knight und Daredevil. (Marvel)

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Daredevil #159-161: Bullseye

Marvel

Ein gewisser Poindexter setzt ein Kopfgeld auf Daredevil aus: (nur) eine halbe Million Dollar. Der Gangster Eric Slaughter und seine Männer nehmen das Angebot gerne an, locken Daredevil in eine Falle und gehen auf ihn los – doch, o Wunder, sie scheitern. Da wird Mr. Poindexter wohl selbst die Sache erledigen müssen. Wie gut, dass er Bullseye ist, der Mann, der (fast) nie verfehlt.

Warum nicht gleich so? Sonst gäbe es das mysteriöse Setup nicht. So ist es spannender. Bullseye entführt Black Widow. Daredevil vermöbelt zwischendurch ein paar Gangster, bis die Spur zum Vergnügungspark in Coney Island führt. Auf einer Achterbahn hat Bullseye Black Widow gefesselt. Daredevil stürzt sich ins Kampfgetümmel und in den Kugelhagel, doch dann stellt sich heraus, dass da nur eine Widow-Puppe hing.

DD wusste das längst, klar. Nur wieso hat er dann sein Leben dafür riskiert? Egal. Showdown im Zirkus mit Messerwerfer. Auch hier lässt Bullseye lieber machen als selbst zu werfen. Doch Natasha wartet nicht, bis sie gerettet wird, sondern befreit sich selbst. Da eilt auch schon Daredevil herbei, um Bullseye zu vermöbeln. Da kann der Schurke noch so viele Bälle nach ihm werfen, der Teufel triumphiert.

Als Bullseye dann die Gelegenheit hat, seinen Gegner zu erschießen, tut er es nicht. Der Mann ohne Furcht schüchtert ihn zu sehr ein. Und auch sein Schießbefehl an Slaughter und seine Jungs wird nicht erhört. DD hat sich Respekt in der Unterwelt verdient. Der große Bullseye schrumpft auf Kleinformat, was sich auch in Frank Millers Panels bemerkbar macht.

Übrigens: Währenddessen findet Reporter Ben Urich heraus, dass Daredevil Matt Murdock ist …

Mehr über Bullseye:

Daredevil #141/146: Bullseye (1977)

Marvel

Foggy lebt gefährlich. Weil er einem Immobilienhai namens Maxwell Glenn auf der Spur ist, schickt dieser Attentäter auf ihn los. Einer erwischt ihn in einer Telefonzelle, doch Foggy trägt eine schusssichere Weste – zu Glück hat der Attentäter nicht auf seinen Kopf gezielt.

Doch später fährt ein Auto am Storefront-Büro von Nelson & Murdock vorbei und jemand ballert von dort aus wieder los. Matt kann Foggy rechtzeitig in Deckung bringen, dann verfolgt er den Wagen als Daredevil und sieht, wie Bullseye hinausspringt, bevor das Auto im Wasser landet.

Der Mann, der niemals verfehlt, hat also verfehlt – und er verfehlt auch, als er auf Daredevil schießt. Beim Kampf landen beide im Wasser. Als DD herauskommt und wartet, dass auch sein Gegner auftaucht, wirft Bullseye einen Papierflieger und knockt ihn damit aus. Wo er das Papier herhat, wie er es geschafft hat, mit nassen Händen den zu falten und zielsicher zu werfen – all das bleibt ebenso rätselhaft, wie warum DD dem Flieger nicht einfach ausweicht, sobald er ihn bemerkt. In der Zeit, in der er sich denkt „A paper plane?! Coming right at me! Can’t duck in –“ hätte er sich längst ducken können.

Bullseye knockt Daredevil mit einem Papierflieger aus. (Marvel)

Aber egal, dann gäbe es diese ganzseitige Papierfliegersequenz nicht und das, was dann folgt: Bullseye spannt Daredevil auf den riesigen Pfeil einer riesigen Armbrust und schießt ihn in Richtung einer steilen Felswand. Einfach nur erschießen wäre ja auch zu einfach gewesen. „I never mix business with pleasure“, sagt er. Aber DD töten muss dann doch „in style“ geschehen.

Leider hat er dabei vergessen, Daredevil seinen Stab wegzunehmen. Also kann der seinen Haken auswerfen in der Hoffnung, dass er zufällig eine Boje im Wasser erwischt, was er dann auch tut und seinen Flug ins Wasser lenkt. Dann zerbricht er den dicken Holzstamm mit schierer Muskelkraft und schwimmt an die Oberfläche. Müsste das Holz nicht von selbst nach oben treiben? Egal. Da kommt auch schon Nova vorbeigeflogen und holt ihn aus dem Wasser.

Duell im Fernsehstudio

Fünf Ausgaben später hört Daredevil zufällig Bullseyes Puls aus einer Menschenmenge heraus und folgt ihm als Matt Murdock in einen Waffenladen. Dort kann er im letzten Augenblick einen Überfall verhindern, den Bullseye mit einem falschen Golfball durchführen wollte. Den bekommt er dann an den Kopf geworfen.

Später kapert Bullseye ein Fernsehstudio, nimmt drei Geiseln gefangen und fordert Daredevil öffentlich zum Duell heraus – in sieben Minuten. Man kann nur hoffen, dass DD gerade fernsieht. In einer Stadt wie New York dauert es wahrscheinlich sieben Minuten, bis man mit dem Aufzug nach unten gefahren ist. Aber DD erscheint rechtzeitig.

Es folgen neun Seiten Werferei und Prügelei. Die meisten Prügel steckt Bullseye ein, da holt er in seiner Verzweiflung eine Pistole heraus, schießt und trifft DD in die Brust, aber nicht tödlich, da dieser ausweichen kann. Schließlich kann Daredevil verhindern, dass Bullseye eine Geisel tötet. Bullseye schießt auf einen Faden, an dem ein Messer hängt. Später fragt er sich, warum er nicht gleich die Geisel erschossen hat. Warum überhaupt die Messer? Damit hätte er jemandem höchstens am Kopf gekratzt.

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