Autor: Lukas

Beruflich Online-Redakteur, privat Comic-Blogger.

Daredevil #82-84: Black Widow & Assassin

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Daredevil #82-84 (Marvel)

Während Daredevil fast schon selbstmörderisch versucht, sich ohne sein geliebtes Stöckchen von Haus zu Haus zu schwingen (er hat es verloren in Daredevil #80-81), geht Black Widow (dem Spider-Man-Schurken) Scorpion in die Falle und wird von seinem (verzeiht die Zweideutigkeit) Schwanz ausgeknockt. Natashas Chauffeur bricht daraufhin in Matts Wohnung zusammen und überbringt dabei eine Nachricht: Wenn er Natashas Leben retten will, soll er in den Central Park kommen. Dort wartet Scorpion, der nicht nur weiß, dass Daredevil Matt Murdock ist, sondern der auch unter dem Einfluss von Mr. Kline bzw. Assassin steht, jenem bösen Androiden, der auch Foggy Nelson erpresst.

Foggy versucht derweil, Assassin zu ermorden, weil er die geforderte Summe nicht zahlen kann. Doch er scheitert. Der Schurke erklärt ihn zu seinem Handlanger.

Scorpion verschleppt Natasha auf die Baustelle des Word Trade Centers, Daredevil versucht, sie zu retten, Scorpion stürzt in die Tiefe, Natasha will ihn noch mit ihrem Netz auffangen, doch er stirbt. Ein Wachmann beschuldigt dann Natasha des Mordes.

Black Widow unter Mordverdacht

DD will sie überreden, sich der Polizei zu stellen, aber da sie vermutet, als Russin nicht fair behandelt zu werden, haut sie ab. DD fängt sie nach einer kleinen Rauferei wieder ein und verspricht ihr, im Büro des Staatsanwalts ein gutes Wort für sie einzulegen. Leider ist Foggy aber nicht auf ihrer Seite, sondern handelt im Sinne von Assassin.

Während des Prozesses jagt Mr. Hyde Scorpions Leiche in die Luft. Weil damit ein wichtiges Beweisstück fehlt, lässt Foggy die Anklage fallen. Natasha will sich daraufhin für eine Weile zurückziehen, um nachzudenken über einen Mann, den sie liebt – und das ist Daredevil. Der Weg ist frei: Obwohl Karen immer noch Matt anschmachtet, baut sie eine Beziehung mit ihrem Agenten auf. Offenbar hat das tragische Liebespaar es immer noch nicht geschafft, einander anzurufen und über alles zu reden. Nun wird also Natasha die Lücke in Matts Herzen füllen.

Finale in der Schweiz

Natasha macht zur Erholung Skiurlaub in der Schweiz und lernt einen gewissen Emil Borgdsky kennen, der sich ebenfalls als Sowjet ausgibt. Aber natürlich steckt hinter der Maske Assassin. Er erzählt ihr, dass er gewisse Formen der Blindheit heilen kann. Natasha zitiert Matt her und ohne Gründe zu erfahren, fliegt er sofort hin, was sofort zu einem innigen Begrüßungskuss führt – und auch anscheinend auch zu mehr, doch das bleibt der Fantasie der Leser überlassen.

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Matt Murdock und Natasha Romanoff kommen sich näher. (Marvel)

Kurz darauf schlüpft Matt ins Daredevilkostüm und findet Assassin, der im Auftrag eines gewissen Baal handelt. Die beiden stammen aus der fernen Zukunft und versuchen mit ihren sinistren Machenschaften, die Zerstörung der Welt in einigen Jahrtausenden aufzuhalten. Anscheinend hat ein Computer die Weltherrschaft erlangt und alles vernichtet. Die bisherigen Schurken, die sie geschickt haben (Scorpion, Hyde) waren bloß weitere Androiden. Wozu der ganze Aufwand konkret gut war, das wird trotz allem nicht klar.

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Schurken für den guten Zweck: Assassin und Baal. (Marvel)

Auch DD will den guten Zweck nicht richtig einsehen, wahrscheinlich auch weil er mit Laserstrahlen angegriffen wird. Und just als Natasha als Black Widow auftaucht, ist der Kampf leider vorbei, sodass sie nichts beitragen kann. Da kommen auch schon andere Androiden aus der noch ferneren Zukunft, um Assassin mitzunehmen. Hätten sie nicht früher kommen können? Klar, aber dann hätte es die Geschichte nicht gegeben.

Übrigens: Warum muss Natasha jedes Mal beim Umziehen und/oder Duschen gezeigt werden?

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Fantastic Four No. 1: Panel by Panel

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Abrams & Chronicle Books

Vielleicht beschreibt die Aussage von Ben Grimm die Situation am besten: „I live in a world too small for me!“, sagt der unfömige Mann in Steingestalt, als er im Bekleidungsgeschäft steht. Er habe nichts in seiner Größe, beteuert der Verkäufer. Und so zieht sich Ben den Mantel aus, befreit sich von der engen Kleidung, scheitert dann aber am Türrahmen: „Why must they build doorways so narrow?“ In gewisser Weise ist die erste Ausgabe von Fantastic Four von 1961 ebenfalls größer als das Heft, in dem es erschien. Denn vor 60 Jahren brach mit Konventionen und löste eine Revolution aus. Superhelden wurden ganz neu gedacht: nämlich zuerst als Menschen, mit Schwächen und Problemen, ja sogar als Monster. Anders als die Justice League von Konkurrent DC, in der auch immer unter den Mitgliedern alles super war, sind die Fantastic Four eine dysfunktionale Familie – und funktionieren daher bei den Lesern umso besser. Die Geschichte ist bekannt: Stan Lee und Jack Kirby schufen damit einen neuen Comic-Prototypen und das „Marvel Age of Comic“ begann – gefolgt von Spider-Man, Hulk, Thor, Daredevil und Co. Weniger bekannt ist die Geschichte dahinter. Wie jeder Anfang ist auch dieser mythenumrankt und voller Widersprüche in den Äußerungen der Zeitzeugen. Auch wenn die Originale verschollen sind, muss vieles rätselhaft bleiben. Nun aber können Liebhaber dem Meilenstein selbst nachspüren – in einem prächtigen Bildband.

Originalseiten in extremen Nahaufnahmen

Fantastic Four No. 1: Panel by Panel präsentiert das, was der Titel verspricht: Ein Panel pro Seite oder Doppelseite – und zwar jeweils in voller Seitenbreite. Es scheint, als würde sich dieses Heft von einst damit ebenfalls von seiner ursprünglichen Enge befreien und sich endlich in wahrer Größe präsentieren, wie es sich für einen Klassiker dieses Ausmaßes gehört. Wir sehen den Comic hier nicht etwa digital restauriert und nachkoloriert, wie bei Reprints üblich, sondern als hochauflösende Fotografie einer FF#1-Originalausgabe. Man sieht jeden Farbpunkt des Rasterdrucks, jede Faser des billigen Originalmaterials, kann das Papier fast schon riechen, wäre da nicht der Hochglanzdruck. Näher kommt man als Laie diesem Comic nicht. Ausführliche Texte erzählen die Entstehungsgeschichte nach, analysieren die Seiten und das Cover und versuchen den Arbeitsprozess zu rekonstruieren. Damals entstand nämlich die Marvel-Methode: In der Regel haben Stan Lee und der Zeichner (in dem Fall Kirby) sich zusammen den Plot überlegt, dann hatte der Zeichner weitgehend freie Hand, Layout und Panels selbst zu gestalten. Bei FF #1 aber gab es noch eine Zwischenstufe in Form eines groben Treatments und im Laufe der Entstehung hat man offenbar noch Änderungen vorgenommen. Es wirkt so, als wäre der Origin des Teams erst nachträglich eingeschoben worden. Außerdem wurden manche Panels verkleinert, um neue hinzuzufügen. Allerdings muss vieles Spekulation bleiben, wie Kommentator und Marvel-Veteran Tom Brevoort zugibt. Klar ist nur: Auch am Cover wurde bis zuletzt noch gearbeitet, etwa um Passanten im Hintergrund einzufügen. Eine Marginalie – aber was das anging, war Stan Lee Perfektionist, um den maximalen Effekt aus den Comics hervorzubringen. Das Cover selbst erstreckt sich in dieser Ausgabe über den gesamten Schutzumschlag – aufgeteilt auf die vier Helden. Einen frühen Entwurf sieht man im Inneren. Es ist die einzige noch erhaltene Originalseite des Heftes.

Beschnittene und fehlende Panels

All das zeigt, wie viel Arbeit in dieses Heft gesteckt wurde und wie sehr es auf die Details ankommt, auch bei etwas so vermeintlich Trivialem wie einem Superheldencomic. In Panel by Panel kann man nachvollziehen, dass auch ein Meilenstein nicht perfekt sein muss, vielleicht sogar seinen Reiz aus seinen kleinen Makeln bezieht. Größer sind leider die Schwächen des Bildbandes. Weil die Panels meist die gesamte Seiten ausfüllen sollen, wurden viele beschnitten. Manche werden auf der nächsten Seite fortgesetzt, andere aber nicht. Und in der oben beschriebenen Thing-Sequenz fehlen zwei ganze Panels. Das ist unverständlich, weil der ja Platz da war – aber da hat es Designer Chip Kidd mit der Nähe etwas übertrieben. Was bringt die extreme Nähe, wenn man die ganzen Panels nicht mehr sehen kann? (Stattdessen wurden sogar die Anzeigen nachgedruckt.) Zum Glück ist das ganze Heft in dem Band noch einmal seitenweise auf mattem Papier nachgedruckt, sodass man es auch im ursprünglichen Layout nachlesen kann. Aber dafür, dass so viel Aufwand betrieben wurde und so viel Geld verlangt wird (40 US-Dollar), sind diese Mängel ärgerlich und trüben den Lesegenuss sehr.

Daredevil #80-81 (1971): Owl und Black Widow

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Marvel

The Owl ist wieder da! Und zum ersten Mal taucht auch Black Widow bei Daredevil auf. Wobei Tauchen wörtlich gemeint ist, wie man am Cover sehen kann. Überhaupt: die Cover! Nebeneinander bilden sie eine schöne Symmetrie: hier stürzt Daredevil von der Leiter des Hubschraubers, im Hintergrund der Übeltäter Owl, da liegt der Held am Meeresgrund, im Hintergrund seine Retterin in der Not. Aber noch mal ganz von vorn.

Owl arbeitet diesmal im Auftrag des ominösen Mr. Kline, dessen Identität unbekannt ist und der bereits Staatsanwalt Foggy Nelson erpresst (siehe Dardevil #79).Kline wiederum dient einem höheren Meister.

Der Plan: Daredevil schnappen. Eine Bande von Owl-Handlangern in Eulenmasken kommen mit dem Owl-Hubschrauber und rauben ein Kaufhaus aus. Dabei versprühen sie Betäubungsgas. Daredevil schlägt sich mehr schlecht als recht da durch. Aus der Ferne sehen Owl und auch Karen zu. Der Held bekommt eine Kugel an den Kopf, die ihn aber nur schrammt. Dann springt er auf den Helikopter, liefert sich einen Kampf mit Owl und stürzt dabei ins Wasser.

Während Owl wegfliegt, rettet Natasha Romanoff (Romanova) alias Black Widow, die zufällig in der Gegend ist, Daredevil vor dem Ertrinken. Er bekommt zunächst nicht mit, wer sie ist, weil sie sich, als er wieder das Bewusstsein erlangt, seltsamerweise versteckt. Beim nächsten Überfall von Owl und Co. verhindern sie dann gemeinsam das Schlimmste. Mr. Kline offenbart sich als Android, der dann von seinem Meister zu „Assassin“ umgetauft wird.

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Mister Kline wird zum „Assassin“ befördert. (Marvel)

Eine banale Story, wäre da nicht das Melodrama mit Karen und Matt, die sich aus der Ferne immer bloß anschmachten und sich zum x-ten Mal hinterfragen. Die Handlung kommt aber durch all das nicht in Gang, die beiden haben sich zuletzt in Daredevil #67 gesehen – also vor über einem Comicjahr. (Karen findet Trost bei ihrem Manager.)

Nahezu unerträglich wird das Ganze mit der Erzählstimme in den Captions, in denen ein junger Gerry Conway versucht, einer Mischung von Superhelden-Pulp und Daily-Soap einen Anstrich von literarischem Anspruch zu geben und dabei in unsäglichen Kitsch abdriftet.

Da liest man dann Sätze wie: „Confusion — everywhere, chaos and disorder — everywhere, insanity so blatant, even the sane are mad—! What can he do? He does what he has to — he fights!“ Oder so ein aufgeblasenes Geschwätz wie: „Even in those movements which seem so simple, so uncluttered with complexity—When good battles evil on the most obvious of terms — Even in these– the questions must be asked — the questions that determine the higher moral motive — and in this case— Who can say what true motive moves Matt Murdock? Why, Daredevil? Why did you fight so hard?“

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Karen trauert um den vermeintlich toten Matt. (Marvel)

Gefolgt von vier weiteren Captions mit vier weiteren Fragen, statt uns einfach zu sagen, was Matts Grund ist. Aber nein, dann wird Daredevil selbst zum Antworten aufgefordert. Ein Gefallen, den er uns nicht tun kann, weil er die Erzählstimme bekanntlich nicht hört. Aber Conway hört einfach nicht auf, weiterzulabern. Bei Karen stecken die Panels dann voller vor Pathos triefender Captions, die den Leser ansprechen. Besonders peinlich ist es, dass Daredevil einen Handlanger fragt „Who does your dialogue –? Jane Austin?“ und dabei Jane Austen auch noch falsch geschrieben ist.

Conway erweist sich damit nicht nur als Schwätzer, sondern auch als inkonsistenter Erzähler. Sein Stil schwankt von Ausgabe zu Ausgabe. Hier ist er nahezu unerträglich. Ich vermisse die 60er, in denen noch der gute alte Stan Lee die Texte schrieb, der hatte auch Humor. Aber hoffentlich ändert sich das bald, wenn Black Widow eine größere Rolle spielt.

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Daredevil #78-79 (1971): Man-Bull

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Marvel

Die 70er waren das Jahrzehnt der Monster und Chimären mit vorangestelltem „Man“: Man-Bat, Man-Wolf, Man-Thing und dann kam Gerry Conway noch mit „Man-Bull“ um die Ecke. Ein Minotaurus. Aber ihn so zu nennen, hätte wohl entlarvt, woher die Anleihe stammt. Und natürlich lässt auch Dr. Moreau grüßen, aber das nur nebenbei. Die Autoren legen nur bei Zitaten aus Casablanca und Blood, Sweat and Tears ihre Quellen offen.

Auf dem ersten Cover ist aber noch kein Minotaurus zu sehen, sondern Daredevil, der sich einen Gauner packt, mit ihm durch eine Gasse schwingt (wie schon vor ihm Spider-Man und Batman) und ihm mit dem Tod bedroht, wenn er ihm nicht sagt, wer Mr. Kline sei. Das Kuriose: Die Szene kommt nicht einmal im Ansatz im Heft vor. Mr. Kline ist lediglich eine Graue Eminenz, die Staatsanwalt Foggy Nelson um Geld erpresst. Foggy kann nicht zahlen. Identität und Hintergründe bleiben unklar. Daredevil weiß nichts davon.

Matt Murdock hat nur eines im Kopf: Karen. Ihr erster Film, „Tender Affair“, läuft gerade im Kino, sie selbst ist nach New York zurückgekehrt. Schluss mit Hollywood, zurück zu Matt.

Doch der hat anderes zu tun: Als Daredevil rettet er ein Hippie-Pärchen vor einer Bande Kleinganoven. Einer von denen heißt Taurus und nennt sich The Bull – und dreimal dürft ihr raten, wie es mit ihm weiter geht. Da die Hippies als Versuchskaninchen nicht verfügbar sind (und andere Hippies offenbar nicht aufzutreiben waren), verabreicht ein verrückter Wissenschaftler unserem Mr. Taurus eine experimentelle Spritze, die ihm Hörner und Fell wachsen lässt. Ehrlich gesagt sieht er mit seinem Maul, den Klauen und den Reißzähnen nicht wirklich wie ein Stier aus. Nicht mal die Hörner erinnern ein irgendein Rindvieh. Egal: Es kommt zum unvermeidlichen Kampf, wie immer wunderschön inszeniert von Meister Gene Colan.

Doch zuvor lässt DD das Hippie-Pärchen bei sich wohnen. Als Karen anruft, geht die Frau dran und das Melodrama mündet in ein Missverständnis: Matt hat eine andere! Dann schnappen sich die Ganoven doch noch das Paar und Matt befreit sie. Keilerei Nummer zwei – und schon ist’s mit Man-Bull wieder vorbei.

Es stellt sich heraus: Der Mann, der bei dem Experiment im Hintergrund die Fäden zieht, ist zufällig auch unser mysteriöser Mr. Kline. Wer das ist, das erfahrt ihr beim nächsten Mal. Kleiner Hinweis: Es ist ein alter Bekannter.

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Daredevil #77 (1971): And So Enters the Amazing Spider-Man

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Marvel

„There goes the luckiest guy in the world“, denkt sich Spider-Man, als er Daredevil an sich vorbeischwingen sieht. Keine inneren Qualen, keine Sorgen, keine Furcht – im Gegensatz zu ihm, der mal wieder – oder immer noch – Ärger mit Gwen Stacy hat. Tja, wenn Spider-Man nur wüsste! Denn auch Daredevils Kopf ist voller Frauen. Einerseits die verflossene Karen Page, andererseits eine Frau namens Christine, die ihn sitzengelassen hat – egal, sie war ohnehin nur ein Ersatz für die eigentlich Geliebte …

Und dann taucht in New York einen großes tränenförmiges Etwas auf, das leuchtet und um ein Wort mit Namor bittet. Der Sub-Mariner steht zufällig in der Menschenmenge, zieht Mantel und Hut aus und versucht gerade, die Sache zu klären, da springt Daredevil herbei und bittet ihn rüde, sich zu verdrücken. Der Gehörnte scheint auf Krawall gebürstet zu sein (vielleicht wegen schlechter Vorerfahrungen, siehe Daredevil #7). Das lässt sich Namor nicht bieten und es kommt zu einem sinnlosen Kampf.

Damit die Angelegenheit noch interessanter wird, springt Spider-Man herbei, der ebenfalls sofort drauflosprügelt und Namor in sein Netz einwickelt wie einen Fisch. Doch dann erscheint aus der leuchtenden Träne eine Frau, die Namor und Spider-Man bittet, mitzukommen. Das tun sie auch, ohne dass sie wissen, worum es geht. Und ich habe auch keine Ahnung, denn die Story wird in der nächsten Sub-Mariner-Ausgabe fortgesetzt. Dieser zweifelhafte Dreikampf sollte wohl bloß die Verkaufszahlen für Daredevil ankurbeln.

Doch neben der Action passiert auch etwas Wichtiges: Foggy wird entführt und Karen kehrt nach New York zurück. Sie ruft Matt an, aber der geht zu spät ans Telefon, sodass sie sich verpassen. Wie tragisch! Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal.

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Daredevil #75-76 (1971): El Condor

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Marvel

Matt Murdock ist mit Staatsanwalt Foggy Nelson in dem lateinamerikanischen Land Delvadia unterwegs. Er vereitelt die Entführung eines US-Botschafters, der aber verletzt wird. Als ein Krankenwagen auftaucht, stellt sich heraus, dass darin ebenfalls Schurken stecken. Sie handeln im Auftrag von El Condor, einem maskierten Rebellen, der sich als mythischer Held ausgibt, der in einer Statue verewigt ist. Als dann auch noch ein weiterer US-Vertreter entführt wird, zieht Daredevil los, um ihn und den Botschafter zu retten. El Condor will derweil die Hauptstadt mit Kampfhubschraubern erobern.

Es ist jedes Mal seltsam, wenn Daredevil nicht in der Großstadt (sprich: New York) unterwegs ist. Er braucht nicht unbedingt Hochhäuser zum Herumschwingen, aber vor allem im Ausland wirkt er deplaziert. Gerade weil hier selten persönliche Konflikte zu erwarten sind. Mit dem plakativen Schurken „El Condor“ verbindet weder Matt noch die Leser etwas.

Gewissensbisse und Selbstvorwürfe

Autor Gerry Conway versucht den Mangel auszugleichen, indem er DD in Gewissensnöte bringt: Matt lügt Foggy zunächst an, dann knockt er ihn mit einem Schlag auf den Hinterkopf aus, um in Ruhe den Helden spielen zu können. Dabei rechtfertigt der Erzähler, dass solche Konflikte und das Prinzip Der-Zweck-heiligt-die-Mittel Helden und Märtyrer ausmachen. Dick aufgetragen? Oh ja. Die Erzählstimme nervt nicht nur, sie schwankt auch mal zwischen der Er- und der Du-Form, was noch mehr nervt.

Und dann gibt es noch Matts innere Monologe, in denen er seine Versäumnisse rekapituliert, vor allem die mit Karen. Er gibt sich die Schuld am Scheitern ihrer Beziehung und Beinahe-Ehe, weil er lieber Daredevil spielt. Das ist zwar schön und gut, aber wir haben das schon oft gelesen. Leider kommt die Karen-Handlung seit vielen Ausgaben nicht mehr vom Fleck, weil DD ständig anderweitig beschäftigt ist und in der Weltgeschichte herumturnt. Höchste Zeit, die Sache mit Karen weiterzubringen oder zu beenden.

Nächstes Mal ist wieder Spider-Man mit dabei – und Namor, der Sub-Mariner.

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Daredevil #74 (1971): In the Country of the Blind

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Marvel

Unter den Blinden ist der Einäugige König, heißt es. Daredevil ist als Blinder häufig einer, der mehr sieht als andere – das ist seine Superkraft. Doch was wäre, wenn tatsächlich einmal die Menschen um ihn herum erblinden?

Die Geschichte beginnt damit, dass Daredevil zunächst wieder zum Sehenden wird. Er mischt ein paar Einbrecher auf, einer verpasst ihm einen Schlag auf den Kopf und damit erhält er sein Augenlicht zurück. Doch kurz darauf wird die Welt um Matt wieder dunkel – er erwacht aus einem Traum.

So fühlt er sich oft: „Your whole life — a grasping dream, searching–always groping for the sight you’ll never have —even this Daredevil kick! Isn’t it only just another way to escape — escape your blindness?“

Da taucht Foggy Nelson bei ihm auf und sagt ihm, er könne nichts sehen. So geht es auch anderen in der Stadt. Nur drei Männer scheinen davon nicht betroffen zu sein und gehen nachts beim Juwelier shoppen, ohne zu bezahlen. Daredevil stürzt sich auf sie, wird aber übel zusammengeschlagen – man hat den Teufel schon in besserer Form gesehen.

Daredevil im Bunde mit Blinden

Ein Blinder namens Slate liest DD von der Straße auf und bringt ihn zu einem Blindenclub. Eine von ihnen weiß, dass die drei Gauner das Trinkwasser vergiftet haben, um New York erblinden zu lassen. Wie ein brillianter Chemiker sieht der Anführer der Bande zwar nicht aus (und warum er sich nicht anderweitig nützlich macht, bleibt ein Rätsel), aber sei’s drum. Gemeinsam mit den anderen Blinden kann Daredevil die drei Gauner besiegen. Eine Frau trifft sogar nach Gehör mit einer Zwille – das grenzt schon fast an Radarsinn.

Und was ist mit den blinden New Yorkern? Die sind einen Tag später wieder ganz die Alten. Daredevil aber ist um eine Erkenntnis reicher: „Maybe being Daredevil is an escape, but with the right people behind you — you can make anything work!“

Das ist ja alles schön und gut, aber was ist eigentlich mit Karen? Die ist in letzter Zeit ein blinder Fleck …

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Daredevil #73 (1971): Iron Man

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Marvel

Das erste Team-up zwischen Daredevil und Iron Man fühlt sich so gar nicht wie ein Team-up an. Die Geschichte beginnt in Iron Man #35 und wer die Ausgaben davor nicht verfolgt hat, fühlt sich ziemlich verloren. Wir geraten mitten in eine Fehde zwischen Iron Man und einem Schurken namens Spymaster, der den SHIELD-Agenten Jasper Sitwell lebensgefährlich verwundet hat. Die Schurkin Madame Masque ist in ihn verliebt, agiert hier aber als Heldin.

Spymaster verbündet sich mit der Horoskop-Bande Zodiac, die es auf Daredevil abgesehen haben. (Er kennt sie schon aus Avengers #82.) Sie nehmen ihn mit Madame Masque gefangen, dann auch Iron Man und Nick Fury. Weil aber Fury mit einem riesigen goldenen Schlüssel (einem Ankh), der Superkräfte hat, herumhantiert, kann er sie befreien.

Daredevil kämpt gegen den Schurken Capricorn (Steinbock), der den Gehörnten auf die Hörner nimmt. Und nach einer großen Keilerei ist der ganze Spuk vorbei.

Eine richtige Chemie zwischen den beiden Titelhelden entwickelt sich hier nicht. Tony Stark scheint hier mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein. Schade eigentlich.

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Daredevil in Avengers #82 (1970)

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Marvel

Daredevil bei den Avengers? Ja, das gab es zuerst einmal ganz kurz: In Avengers #60 war der Teufel in einem Panel im Hintergrund zu sehen. Aber eine tragende Rolle spielt er erst in Avengers #82. Da werden die Helden Captain America, Thor, Iron Man und Quicksilver von den Horoskop-Schurken Zodiac auf einen Schlag ausgeschaltet und allein Daredevil und Black Panther müssen sie retten.

Warum gerade die beiden? Zodiac überrumpelt Manhattan und schottet die Insel von außen durch ein Kraftfeld ab, dazu werden noch Brücken zerstört, der Bürgermeister gefangen genommen, als eine von Millionen Geiseln. Dann verlangt Anführer Aries (Widder) Lösegeld: eine Milliarde Dollar! Die andere Hälfte der Avengers (Vision, Scarlet Witch, Goliath) ist gerade an der Westküste unterwegs, die Fantastic Four haben anderes zu tun, und Spider-Man bleibt lieber bei Tante May und sagt ihr nichts von der Invasion, um sie nicht aufzuregen.

Daredevil mahnt zur Zusammenarbeit

Black Panther holt Daredevil ab (der gerade als Matt Murdock von den Schurken abgeführt werden soll) und sie eilen los, um die Avengers zu befreien. Doch der Aufenthaltsort stellt sich als falsche Fährte heraus, eine Falle, um auch die anderen zu schnappen. Aries ballert mit einem riesigen goldenen Schlüssel (Ankh) um sich, die beiden Helden fliehen. Dann beschließt er, die vier gefangenen Avengers hinzurichten – vor Publikum im Madison Square Garden.

Matt mischt sich verkleidet mit blonder Perücke und Mike-Sonnenbrille unters Volk, probt den Aufstand und inspiriert so das Volk, sich gegen die Schurken aufzulehnen. Im allgemeinen Tumult steckt er seinen Stock in die Maschine, die die Avengers gefangenhält und befreit so die Helden. Mit vereinten Kräften ist Zodiac innerhalb kürzester Zeit besiegt. Thor jagt Aries zum Teufel.

Zum Schluss analysieren die Avengers ihre Fehler. Daredevil hält ihnen eine Standpauke: „We were all too hung up over our own special interests to see the big picture!“ Ihn erinnere die Situation an die Fabel von den drei blinden Männern, die versuchen, einen Elefanten zu beschreiben. Niemand wurde schlau aus den Einzelteilen, die sie befühlten, bis sie zusammenarbeiteten.

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Daredevil #72: Lo! The Lord of the Leopards (1971)

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Marvel

Ein unbekannter Dieb stiehlt einen Rembrandt aus einem Museum. Die Polizei kriegt ihn nicht zu fassen, katzenhaft haut er über die Dächer der Stadt ab. Selbst Daredevil kommt nicht hinterher. Katzenhaft? Das erinnert unseren Helden an die jüngste Begegnung mit einer Gestalt in Katzenmaske namens Tagak, dem „Lord of Leopards“, der auf der Straße einen Leoparden auf einen Polizisten losgelassen hat. Daredevil selbst bekam die Zähne der Raubkatze spüren, bevor Tagak sie zurückrief. Seltsamerweise ließen ihn Polizei und Daredevil einfach laufen.

Frustriert über die Niederlage zerschlug Matt einen Spiegel – ihm entging die Ironie nicht, dass ein Blinder ohnehin nicht viel damit anfangen kann. Aber dann führt ihn die Spur zu einem Spiegel, der ihn in eine andere Dimension führt. Daredevil trifft dort Tagak wieder und der erklärt ihm, er stamme aus einer anderen Welt, sei der Gute und verfolge einen Dieb namens Quothar. (Außerdem ist er selbst blind und kann dank Gedankenübertragung mit seinem Leoparden sehen.) Man verbündet sich, um den wahren Schurken zu fassen.

Da wir uns aber schon auf Seite 18 befinden, geht die Geschichte relativ fix zu Ende. Im Museum werden zwischendurch noch Tagak und Leopard vom Wachmann angeschossen, Daredevil wirft sich auf Quothar und der Fall ist erledigt. Da die Raubkatze tot ist, erblindet Tagak völlig. Tagak bietet DD an, in seine Welt zu kommen, doch der winkt ab. Tagak ruft ihm noch nach: „In this country of the blind … you are a king!“ Doch DD ist nicht überzeugt.

Autor Gerry Conway bekleckert sich mit dieser Story nicht gerade mit Ruhm. Er muss sich offenbar noch warmlaufen. Vielleicht gelingt es ihm beim nächsten Mal – mit Iron Man.

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