Stan Lee

Fantastic Four No. 1: Panel by Panel

ff1-panel.jpg

Abrams & Chronicle Books

Vielleicht beschreibt die Aussage von Ben Grimm die Situation am besten: „I live in a world too small for me!“, sagt der unfömige Mann in Steingestalt, als er im Bekleidungsgeschäft steht. Er habe nichts in seiner Größe, beteuert der Verkäufer. Und so zieht sich Ben den Mantel aus, befreit sich von der engen Kleidung, scheitert dann aber am Türrahmen: „Why must they build doorways so narrow?“ In gewisser Weise ist die erste Ausgabe von Fantastic Four von 1961 ebenfalls größer als das Heft, in dem es erschien. Denn vor 60 Jahren brach mit Konventionen und löste eine Revolution aus. Superhelden wurden ganz neu gedacht: nämlich zuerst als Menschen, mit Schwächen und Problemen, ja sogar als Monster. Anders als die Justice League von Konkurrent DC, in der auch immer unter den Mitgliedern alles super war, sind die Fantastic Four eine dysfunktionale Familie – und funktionieren daher bei den Lesern umso besser. Die Geschichte ist bekannt: Stan Lee und Jack Kirby schufen damit einen neuen Comic-Prototypen und das „Marvel Age of Comic“ begann – gefolgt von Spider-Man, Hulk, Thor, Daredevil und Co. Weniger bekannt ist die Geschichte dahinter. Wie jeder Anfang ist auch dieser mythenumrankt und voller Widersprüche in den Äußerungen der Zeitzeugen. Auch wenn die Originale verschollen sind, muss vieles rätselhaft bleiben. Nun aber können Liebhaber dem Meilenstein selbst nachspüren – in einem prächtigen Bildband.

Originalseiten in extremen Nahaufnahmen

Fantastic Four No. 1: Panel by Panel präsentiert das, was der Titel verspricht: Ein Panel pro Seite oder Doppelseite – und zwar jeweils in voller Seitenbreite. Es scheint, als würde sich dieses Heft von einst damit ebenfalls von seiner ursprünglichen Enge befreien und sich endlich in wahrer Größe präsentieren, wie es sich für einen Klassiker dieses Ausmaßes gehört. Wir sehen den Comic hier nicht etwa digital restauriert und nachkoloriert, wie bei Reprints üblich, sondern als hochauflösende Fotografie einer FF#1-Originalausgabe. Man sieht jeden Farbpunkt des Rasterdrucks, jede Faser des billigen Originalmaterials, kann das Papier fast schon riechen, wäre da nicht der Hochglanzdruck. Näher kommt man als Laie diesem Comic nicht. Ausführliche Texte erzählen die Entstehungsgeschichte nach, analysieren die Seiten und das Cover und versuchen den Arbeitsprozess zu rekonstruieren. Damals entstand nämlich die Marvel-Methode: In der Regel haben Stan Lee und der Zeichner (in dem Fall Kirby) sich zusammen den Plot überlegt, dann hatte der Zeichner weitgehend freie Hand, Layout und Panels selbst zu gestalten. Bei FF #1 aber gab es noch eine Zwischenstufe in Form eines groben Treatments und im Laufe der Entstehung hat man offenbar noch Änderungen vorgenommen. Es wirkt so, als wäre der Origin des Teams erst nachträglich eingeschoben worden. Außerdem wurden manche Panels verkleinert, um neue hinzuzufügen. Allerdings muss vieles Spekulation bleiben, wie Kommentator und Marvel-Veteran Tom Brevoort zugibt. Klar ist nur: Auch am Cover wurde bis zuletzt noch gearbeitet, etwa um Passanten im Hintergrund einzufügen. Eine Marginalie – aber was das anging, war Stan Lee Perfektionist, um den maximalen Effekt aus den Comics hervorzubringen. Das Cover selbst erstreckt sich in dieser Ausgabe über den gesamten Schutzumschlag – aufgeteilt auf die vier Helden. Einen frühen Entwurf sieht man im Inneren. Es ist die einzige noch erhaltene Originalseite des Heftes.

Beschnittene und fehlende Panels

All das zeigt, wie viel Arbeit in dieses Heft gesteckt wurde und wie sehr es auf die Details ankommt, auch bei etwas so vermeintlich Trivialem wie einem Superheldencomic. In Panel by Panel kann man nachvollziehen, dass auch ein Meilenstein nicht perfekt sein muss, vielleicht sogar seinen Reiz aus seinen kleinen Makeln bezieht. Größer sind leider die Schwächen des Bildbandes. Weil die Panels meist die gesamte Seiten ausfüllen sollen, wurden viele beschnitten. Manche werden auf der nächsten Seite fortgesetzt, andere aber nicht. Und in der oben beschriebenen Thing-Sequenz fehlen zwei ganze Panels. Das ist unverständlich, weil der ja Platz da war – aber da hat es Designer Chip Kidd mit der Nähe etwas übertrieben. Was bringt die extreme Nähe, wenn man die ganzen Panels nicht mehr sehen kann? (Stattdessen wurden sogar die Anzeigen nachgedruckt.) Zum Glück ist das ganze Heft in dem Band noch einmal seitenweise auf mattem Papier nachgedruckt, sodass man es auch im ursprünglichen Layout nachlesen kann. Aber dafür, dass so viel Aufwand betrieben wurde und so viel Geld verlangt wird (40 US-Dollar), sind diese Mängel ärgerlich und trüben den Lesegenuss sehr.

Fantastic Four #10 (1963): The Return of Doctor Doom

ff10-cover

Marvel

Was bei allem Zwischenmenschlichen der Fantastic Four auffällt, ist das, worüber sie nicht sprechen: Namor. Erinnern wir uns: Reed und Sue wurden in FF #1 als Verlobte eingeführt. Seitdem war davon nicht mehr die Rede. Stattdessen wird jedes Mal, wenn der Sub-Mariner auftaucht klar, dass Sue ihn liebt (FF #9). Aber Reed schweigt und experimentiert lieber mit ihren Kräften herum, versucht ein Foto von der Unsichtbaren zu machen. Erst als Alicia neben anderen Schurken eine Statue von Namor anfertigt, kommt der Fall wieder zur Sprache. Doch Sue weicht aus: „Not now! Not yet! I’m not even sure of my own feelings!“

ff10-lee-kirby.jpg

Stan Lee und Jack Kirby beim Brainstorming (Marvel)

Und dann nimmt die Geschichte eine kuriose Wendung. Noch kurioser als alles Bisherige. Plötzlich befinden wir uns im Büro der Schöpfer Stan Lee und Jack Kirby, wir sehen die beiden nur in der Rückansicht, während sie sich fragen, welcher der nächste Gegner für die FF sein könnte. Jack schlägt einen Kerl namens False-Face vor. Nicht schlecht, sagt Stan, aber ein wenig gewöhnlich. Die Fans erwarten spannendere Superschurken von ihnen. Leider ist Doctor Doom, der größte Schurke von allen, verloren im Weltall (siehe FF #6).

ff10-lee-kirby-doom.jpg

Doctor Doom im Büro von Marvel. (Marvel)

Doch da taucht Doom im Büro der beiden auf und kündigt an, ihnen eine Story zu bescheren. Doom zwingt Stan, Reed herzulocken. Stan ruft Mr. Fantastic an, um einen Plot mit ihm zu besprechen. Seltsam, denkt Reed, sie haben doch gerade erst gestern darüber gesprochen.

ff10-lee-kirby-doom2.jpg

Schreckliches Gesicht: Doom nimmt die Maske ab – und erschreckt vor sich selbst. (Marvel)

Damit entsteht eine komplexe Meta-Ebene: Wir wissen, dass es in der Welt der Fantastic Four Comics wie Strange Tales und Tales to Astonish gibt (FF #3). Johnny hat bereits aus einem Comic von Namor erfahren (FF #4) und auch Reed hat sich auf Superheldencomics bezogen (FF #9). Nun wird klar, dass die FF mit den Machern dieser Comics zusammenarbeiten, um sich mit ihnen Geschichten über sich auszudenken.

Die FF erhalten einen Platz in der „realen Welt“ und es stellt sich die Frage, ob das, was in der Serie erzählt wird, zumindest in der „fiktiven Welt“ wirklich passiert oder auch da bloß erfunden wird. Zugleich erweckt diese Geschichte den Eindruck, dass hier zum ersten Mal erzählt wird, wie eine Story nicht ausgedacht wurde, sondern sich tatsächlich so ereignet hat. Wir lesen ein Making-of eben dieser Story. Oder zugespitzt gesagt: Wir sehen der Story dabei zu, wie sie sich selbst schreibt.

Dr. Doom tauscht Körper mit Mr. Fantastic

Doom entführt also Reed, erklärt ihm, dass er von Aliens namens Ovoids aufgelesen wurde und von ihnen gelernt hat, wie man seinen Geist in einen anderen Körper steckt. Dann tauscht er die Körper mit Reed und gibt sich vor den anderen Helden als der echte aus, während er den falschen Doom einsperrt. Der falsche Reed erzählt den anderen, dass er sie schrumpfen will, um ihre Kräfte zu verstärken, sie glauben ihm den Unsinn, doch in Wahrheit will er sie im Nichts verschwinden lassen.

Nachdem der wahre Reed aus seinem Gefängnis entkommt und sich Sue, Ben und Johnny stellt, merken sie, dass mit diesem scheinbaren Doom etwas nicht stimmt. Die Fantastic Four entdecken sich als Familie, die zusammenhält, wenn es drauf ankommt. Da kommt Jonny eine Idee, um jeglichen Zweifel auszuräumen. Er bringt eine Stange Dynamit her, der falsche Reed verdrückt sich vor Angst, während der falsche Doom sein Leben opfert. Damit ist klar, was läuft. Entlarvt tauscht Doom die Körper per Geisteskraft zurück und verschwindet dank Verkleinerungsstrahl im Nichts.

Jedenfalls bis zum nächsten Mal.

Fantastic Four #9 (1962): The End of the Fantastic Four

ff9-cover

Marvel

Was muss Namor da sehen, als er seine Glotze in seinem Unterwasserhaus einschaltet? Die Fantastic Four sind erledigt. Schon in Ausgabe 9 am Ende, besiegt vom wahren Herrscher der Welt: dem Geld. Reed Richards hat das gesamte Vermögen der Truppe (das er seinen Patentverkäufen zu verdanken hat) an der Börse verspekuliert. Nun melden sich die Gläubiger und verlangen ihr Geld zurück. Reed beschwichtigt sie, ihnen noch ein paar Tage zu gewähren. Derweil wird schon mal die Rakete auseinandergenommen – verkauft. Thing kriegt nicht mal mehr ein Taxi, weil er nicht kreditwürdig ist.

Da kommt eine Anfrage aus Hollywood gerade recht: S.M. Studios bietet ihnen eine Million Dollar an, wenn sie in einem Film mitspielen. Auf geht’s! – Per Anhalter. Und wer steckt hinter S.M.? Namor, der Sub-Mariner! Er hat mal eben (dank seiner gesammelten Unterwasserschätze) ein Filmstudio aus dem Boden gestampft und will einen Film produzieren. Geld gibt’s vorab auf die Hand. Johnny kauft sich erst mal ein neues Auto.

Die FF drehen einen Film

Doch die Dreharbeiten gestalten sich dubios: Ein Drehbuch gibt es nicht. Alles soll möglichst authentisch sein. Reed soll auf einer einsamen Insel gegen einen mechanischen Zyklopen kämpfen – der sich dann als echt und feindselig herausstellt. Johnny wird im Afrikanischen Dschungel von Eingeborenen gefangen genommen, die immun gegen Feuer sind. Namor verprügelt Thing am Strand.

Und wozu das Ganze? Um Sue einen Heiratsantrag zu machen. Als Meister über die FF soll Sue nun beeindruckt sein – niemand steht mehr zwischen ihnen. Sie ist aber gar nicht angetan. Hätte er sie nicht getäuscht, hätte sie vielleicht Ja gesagt, aber so – wird sie einfach unsichtbar und bewirft ihn mit Büchern.

Namor kann sie dank seines Radarsinns trotzdem sehen und fängt sie ein. Widerstand gefällt ihm, Sue erweist sich dadurch seiner als würdig. Bevor es zur Vergewaltigung kommt, treffen die anderen drei ein. Doch Sue verteidigt den Übergriffigen: Drei gegen einen ist unfair, er lebe halt nach anderen Regeln und habe es aus Liebe gemacht. Aus heutiger Sicht schreit diese Rechtfertigungsrede zum Himmel – erst recht aus Sues Mund.

Das überzeugendste Argument ist nur das geschäftliche: Man habe eine Abmachung mit ihm. Namor willigt ein, den Film fertig zu machen und verschwindet im Ozean. Doch obwohl nur drei Szenen im Kasten sind, wird Wochen später Premiere gefeiert. Die FF im Rampenlicht. Leider war ihnen das im wahren Leben nicht vergönnt. Ihre Filme waren allesamt Reinfälle.

>> Wie alles begann: Fantastic Four #1

Fantastic Four #8 (1962): Prisoners of the Puppet Master

ff8-cover

Marvel

Es gibt mal wieder Beef im Baxter Building. Reed arbeitet im Geheimen an etwas, das er Ben nicht verraten will. Weil aber Johnny und Sue offenbar eingeweiht sind, fühlt sich Ben ausgeschlossen und wird sauer. Nach der obligatorischen Eskalation mit Human Torch haut Ben ab, Sue läuft ihm hinterher. Von der Straße aus sehen sie einen Mann auf der Brücke stehen, der offenbar springen will. Die Fackel rettet ihn.

Dahinter steckt keine Lebensmüdigkeit, sondern der Puppet Master. Der Schurke formt aus radioaktivem Lehm Figuren, die er wie Voodoo-Puppen kontrollieren kann. Er lebt zusammen mit seiner blinden Stieftochter Alice, hält aber nicht viel von ihr, weshalb er betont, sie sei nur adoptiert. Er bringt The Thing per Zauber zu sich, Sue folgt ihm unsichtbar, Alice spürt sie, der Schurke betäubt das Invisible Girl und verkleidet Alice als Sue.

Alice liebt Ben Grimm

Zusammen mit Thing schickt er sie zurück ins Baxter Building, wo Thing alles zerlegt. Per Zufall fällt er in Reeds Experiment hinein und nimmt wieder für kurze Zeit menschliche Gestalt an. Das war es, woran Reed gearbeitet hat. Er habe Ben nichts erzählt, um ihn nicht zu enttäuschen. Und tatsächlich hält die Wirkung nicht lange an. Es zeichnet sich aber ab, dass Alice ihn auch so mag.

In der Zwischenzeit befreit Puppet Master die Insassen eines Gefängnisses, die FF schlagen den Aufstand nieder, nachdem sie einen Riesenroboter besiegt und Sue befreit haben. Der Puppet Master will natürlich nichts Geringeres werden als König der Welt, er hat bereits eine Puppe dafür vorbereitet. Die FF sollen ihm dienen. Alice will das verhindern, will ihn zur Vernunft bringen. Sie nimmt ihm die Puppe ab, fällt hin, er will nach der Puppe greifen, stolpert und stürzt aus dem Fenster in den Tod.

Ab jetzt sind die Fantastic Four zu fünft: Alice (Masters) wird Teil der Familie.

Fantastic Four #7 (1962): Prisoners of Kurrgo, Master of Planet X

ff7-cover

Marvel

Die Fantastischen Vier bekommen mal wieder Ärger aus dem Weltall: Kurrgo, Herrscher von Planet X, hat ein Problem: Ein Asteroid rast auf seinen Planeten zu und droht, bald alle fünf Milliarden Bewohner auszulöschen. Man hat zwar eine hochentwickelte Raumfahrttechnik, aber nur zwei Raumschiffe, die nicht ausreichen, um alle zu retten. Bisher fand man das Weltall nicht uninteressant, aber immerhin interessant genug, um die FF auf der Erde zu beobachten. Also fliegt Kurrgo zur Erde, um die Helden dazu zu zwingen, ihnen zu helfen.

ff7-kurrgo.jpg

Kurrgo hat die FF ganz genau beobachtet. (Marvel)

Die FF schlagen sich mit einem ganz anderen Problem herum: Sie sind eingeladen zu einem Abendessen bei der Regierung in Washington D.C. Trotz der hohen Ehre haben die vier absolut keine Lust dazu. Johnny hat keinen Hunger, Sue nichts zum Anziehen und Ben hält’s für blanke Zeitverschwendung. Im Grunde alles Ausreden, denn die drei befürchten, als Freaks bloßgestellt zu werden und sich zu blamieren.

ff7-dinner.jpg

Der Preis des Ruhms: Dinnerpartys für die FF (Marvel)

Anführer Reed ruft zur Ordnung: Eine solche Einladung schlägt man nicht aus. Also auf in die Hauptstadt. Doch kaum sind sie da und lassen sich ehren, taucht das Ufo von Planet X auf und ein Roboter dreht seinen „hostility ray“ auf, der die Menschen feindselig werden lässt. Plötzlich kippt die Stimmung, die FF werden angefeindet und vom Militär angegriffen – sie fliehen.

Zurück im Baxter Building erklärt ihnen der Roboter, was er von ihnen will. Entweder sie kommen mit oder es droht ihnen ewige Flucht und Gefangenschaft durch die Menschen auf Erden. Freundlich um Hilfe zu bitten scheint keine Option. Also fliegt man zum Planeten X, allein schon aus Neugier. Widerstand erweist sich als zwecklos. Die Zeit drängt. Also stellt Reed in Windeseile ein Schrumpfgas her, mit dem alle Planetenbewohner in die Raumschiffe passen, um sich einen neuen Planeten zu suchen. Ein Vergrößerungsgas soll sie alle wieder herstellen können.

Kurrgo wittert seine Chance: Seine Untertanen sollen winzig bleiben, während er nur sich selbst vergößern will. Doch dann bleibt er allein auf dem Planeten zurück, weil er sich zu sehr an die Gaskartusche klammert. Am Ende, als die Helden im Raumschiff zurück zur Erde fliegen, erklärt Reed, es habe nie ein Vergrößerungsgas gegeben. Im All sei Größe ohnehin relativ – und das trifft auch auf unsere bescheidenen FF zu, die das Rampenlicht scheuen.

Fantastic Four #6 (1962): Captives of the Deadly Duo

ff6-cover

Marvel

Das Hauptquartier der Fantastic Four erhält endlich seinen Namen: Baxter Building. Und es bekommt auch einen präzisen Ort: oberhalb des 33. Stockwerks nimmt es vier Etagen und eine Dachterrasse ein. Außerdem ist es nicht mehr geheim. Gleich zu Beginn, als Bauarbeiter die Fackel durch die Luft fliegen sehen, wissen sie, dass er zum Hauptquartier will. Auch andere Passanten spielen das alte Superman-Spiel „Look, up in the sky!“ Zwei Seiten lang sehen wir die Menschen in New York auf der Straße stehen und staunen. Manche haben Zweifel, einer hält die FF für Einbildung der Massenhysterie, bis ihn Invisible Girl umrempelt und vor seinen Augen erscheint.

Susan läuft ins Baxter Building, nimmt den Expressaufzug. Woher sie kommt, warum sie zu Fuß unterwegs ist, erfahren wir nicht. Sie ist gespannt, ob ihr Bruder etwas Neues zu Dr. Doom herausgefunden hat. Sie ist in Eile, wirkt besorgt. Reed hingegen geht die Fanpost durch, liest von einem Jungen im Krankenhaus, besucht ihn und beantwortet ihm die Frage, wie sein Kostüm sich mit ihm denen könne. Hier beantwortet auch Stan Lee sicher eine Frage, die manch Leser beschäftigt.

ff6-doom-namor.jpg

Doom besucht Namor unter Wasser. (Marvel)

Dr. Doom sucht Namor, den Sub-Mariner, auf, der gerade unbekümmert mit Delfinen durch die Gegend hüpft, als wäre nichts geschehen, und sich auch wieder ein nettes Heim unter Wasser eingerichtet hat. Doom erinnert ihn wieder an den alten Racheplan. Namor hielt sich bislang zurück, um es sich nicht mit seiner angebeteten Sue zu verhageln. Nun will er Doom helfen. Sagt er zumindest.

ff6-sue.jpg

Johnny stellt Susan wegen Namor zur Rede. (Marvel)

In der Zwischenzeit findet Johnny, dass Sue zwischen Büchern ein Bild von Namor versteckt hat, verbrennt es und verrät es Reed und Thing – so viel zum Thema Geschwisterliebe. Da steht plötzlich der Feind in der Tür. Ehe er sich erklären kann, geht Johnny auf ihn los. Doch Sub-Mariner kommt in Frieden. Er will Freunde gewinnen.

ff6-baxter.jpg

Das Baxter Building hebt ab. (Marvel)

In diesem Moment hebt das Baxter Building ab. Doom lässt es mit einem Magnetdingsbums schweben und zieht es mit einem Düsenjet ins Weltall. Wie gut, dass die vier Astronauten Helme dabeihaben. Leider vergisst Hitzkopf Johnny, dass er im Vakuum nicht brennen kann, Reed muss ihn retten, scheitert aber auch daran, Dooms Schiff aufzuhalten.

Schließlich rettet Namor die FF. Er dringt in Dooms Schiff ein, leitet elektrische Ladung aus seinem Körper um wie ein Aal, Doom verlässt das Schiff und treibt auf einem Meteoriten davon. Die FF kehren samt Hauptquartier zurück nach New York, der Sub-Mariner zurück ins Meer. Eines Tages, wenn ihn die Trauer nicht mehr plagt, will er zurückkehren – das passiert schneller als gedacht, in Ausgabe 9.

Die Wende mit Namor überrascht. Die Figur bekommt eine ungeahnte Tiefe durch diese Entwicklung. Die FF haben also in einem Feind einen Verbündeten gefunden. Doch die Sache mit Susan kommt nicht mehr zur Sprache. Das Team ist nicht gerade sehr gut in Konfliktlösung.

Wie alles begann: 

Fantastic Four #5 (1962): Prisoners of Doctor Doom

ff5-doom

Marvel

Die Fantastic Four sind in New York angekommen. Erstmals wird die Stadt als Sitz ihres Hauptquartiers genannt (vorher waren sie in „Central City“). Nur das Gebäude hat noch keinen Namen, das kommt später. Dafür lernen sie ihren größten Gegner kennen.

ff5-hulk.jpg

Johnny Storm liest Hulk – und erkennt The Thing im Comic. (Marvel)

Im HQ liest Johny Storm gerade die erste Ausgabe von The Incredible Hulk und fühlt sich bei dem Monster sehr an The Thing erinnert. Ben findet das gar nicht witzig, nimmt ihm das Comicheft weg, aber Johnny lässt es in Flammen aufgehen. Diese spontane Bücherverbrennung, vor allem wenn es sich um eine wertvolle Erstausgabe handelt, finden wir gar nicht lustig. Aber die Sequenz trieft natürlich vor Selbstironie: The Hulk ist Marvels Versuch, das Konzept vom Helden als Monster weiter auszuschlachten. (Zunächst ohne Erfolg, aber davon später mal mehr.)

Reed mahnt an, sich nicht gegenseitig zu bekriegen. Und da kommt auch schon die nächste Herausforderung: Doctor Doom, dem Mann mit der eisernen Maske! Mit einem Hubschrauber wirft er ein Netz über das Hochhaus und nimmt die FF gefangen. Ausbruch unmöglich. Doom nimmt Sue als Geisel.

ff5-doom1.jpg

Doom sieht die Fantastischen Vier als seine Schachfiguren. Leider sind die Figuren zu groß und das Brett hat zu viele Felder. (Marvel)

Reed erkennt seinen alten Kommilitonen Victor von Doom wieder, der nicht nur ein brillanter Wissenschaftler gewesen ist, sondern sich auch für Zauberei und schwarze Magie interessiert hat. Bei einem fehlgeschlagenen Experiment wurde sein Gesicht entstellt. Er wurde exmatrikuliert und ging nach Tibet, um sich weiter der Magie zu widmen.

Zeitreise als Piraten

Nun nimmt Doom die FF gefangen, bringt sie auf sein Schloss und schickt die drei Helden in die Vergangenheit. Nicht etwa, um ihn an dem Experiment zu hindern, das ihn entstellt hat, sondern ins (schätze ich mal) 18. Jahrhundert, um den Schatz von Blackbeard zu besorgen. Der Schatz hat einst Merlin gehört und soll den Besitzer unbesiegbar machen. Plan: Weltherrschaft.

ff5-pirates.jpg

Die fantastischen Drei als Piraten (Marvel)

Reed, Ben und Johnny werden also zu Piraten. The Thing kriegt eine Augenklappe und einen falschen Bart verpasst und ein Getränk später werden sie in Tiefschlaf versetzt und an Bord eines Piratenschiffes gebracht. Sie kämpfen gegen die Crew, dann gegen ein feindliches Schiff, sirgen und finden einen Schatz. Dann wird The Thing zum Anführer Blackbeard erklärt. Damit dürfte klar sein, dass der Schatz der richtige ist.

The Thing geht in seiner Rolle auf, er fühl sich akzeptiert und will nicht mehr zurück. Dann lässt er Johnny und Reed fesseln und mit einem Rettungsboot über Bord gehen. Ein Wirbelsturm verhindert das und dann schickt sie auch schon Doom zurück. Doch die FF haben den Schatz auf dem Meeresboden verteilt und Ketten in die Truhe gelegt. Zur Strafe sperrt sie Doom in eine Vakuum-Kammer, um sie ersticken zu lassen. Sue wird unsichtbar, schließt Dooms Maschinerie kurz, lässt sie explodieren und befreit die anderen.

Dooms Schloss geht in Flammen auf. Der Schurke entkommt. Doch der Schatz liegt noch immer auf dem Meeresboden und damit im Reich des Sub-Mariners …

Wie alles begann: 

Fantastic Four #4 (1962): The Coming of Sub-Mariner

ff4-cover

Marvel

Seit Human Torch aufgehört hat (siehe FF #3), sind die Fantastic Four nicht mehr vollzählig. Und weil zwei von ihnen immer noch Kostüme mit einer Vier auf der Brust tragen, machen sich die Verbliebenen auf, um nach dem verlorenen Sohn zu suchen. Wie gut, dass sich das Fantasticar in vier Teile auflösen kann. Ben Grimm (der nur noch Unterhose und Schuhe trägt) hält zwar nicht viel von Johnny, aber schließlich macht er mit bei der Suche.

ff4-thing-car.jpg

Die älteste Superheldentradition: mit Autos um sich werfen. (DC/Marvel)

Die gestaltet sich etwas seltsam. Schwester Sue geht erst mal eine Limo trinken, aber unsichtbar, so jagt sie einem Gast Angst ein. Wie sie das Getränk bestellt und ob sie dafür bezahlt, bleibt offen. Reed schnappt sich irgendeinen Motorradfahrer mitten in der Fahrt und fragt ihn aus – auch nicht gerade nett und schon gar nicht gut fürs Motorrad, aber der Fahrer sieht es hinterher als Ehre, von Mr. Fantastic hochgehoben worden zu sein. The Thing findet Johnny schließlich in einer Werkstatt und demoliert erst mal Wand und Einrichtung. In alter Superman-Tradition wirft er mit einem Auto um sich, aber die Motivation bleibt fragwürdig.

Die Rückkehr des Sub-Mariners

Johnny flieht in ein „Männerhotel“, das eher eine Absteige für Obdachlose zu sein scheint. Dort liest er in einem Comic aus den 40ern vom Sub-Mariner und dann entdeckt er ihn zufällig unter den Obdachlosen: Namor trägt Bart, lange Haare und hat vergessen, wer er ist. Als einer Streit mit ihm anfängt, vermöbelt er alle Angreifer, dann verpasst ihm Johnny mit dem brennenden Finger eine Rasur, die Namor stoisch über sich ergehen lässt (als ob ihm Flammen im Gesicht nichts ausmachten) und da ist er: der Sub-Mariner!

ff4-namor.jpg

Nach Human Torchs Brandrasur kommt Namor zum Vorschein. (Marvel)

Zurück im Wasser erinnert Namor sich wieder – und er ist verdammt sauer, denn seine Heimat unter Wasser wurde von Atomraketen vernichtet. Statt sich bei Johnny zu bedanken, droht er der Menschheit mit Rache: Alle sollen sterben! Also trötet er in sein Wunderhorn und ruft ein Unterwassermonster herbei, das die Stadt vernichtet.

The Thing schnallt sich eine Atomrakete um und macht den Jona, Invisible Girl klaut Namor das Horn, mit dem er weitere Monster herbeirufen kann, doch da schnappt er sich Sue, ist sofort verliebt und will sie heiraten. Die Rache will er trotzdem. Sue will sich für die Menschheit opfern, aber Namor will alles auf einmal. Das finden die übrigen Fantastischen Drei nicht so toll, doch Namor kann es mit ihnen auf einmal aufnehmen. Da rettet wieder Human Torch den Tag: ein Tornado und Namor ist samt Horn und Monstern weggeblasen – was würden sie nur ohne Johnny machen? Der Sub-Mariner verspricht wiederzukommen.

Doch zunächst ist Doctor Doom dran …

Was bisher geschah:

Fantastic Four #3 (1962): The Menace of the Miracle Man

ff3-1962

Marvel

Schon mit der dritten Ausgabe erklärt sich Fantastic Four zum „Greatest Comic Magazine in the World“ – mit zwei Ausrufezeichen. Es ist das Heft, mit dem die FF ihr ikonisches Aussehen, ihr Gefährt und ihr Zuhause bekommen. Aber der Reihe nach.

ff3-1962-miracleman

Der Mann, der alles kann: Miracle Man (Marvel)

Unsere Helden besuchen zunächst die Vorstellung eines Zauberers: Miracle Man kann in der Luft schweben, es heißt, er könne sogar alles tun. Als er die vier Prominenten im Publikum erblickt, fordert er sie heraus, um zu beweisen, dass er mächtiger ist als sie. Miracle Man wächst zu einem Riesen heran, verwandelt sich in eine Gaswolke, schießt Blitze, zerlegt einen Baumstamm mit einem Finger – und blamiert damit Ben Grimm alias The Thing.

ff3-hq.jpg

Bitte aufbewahren: Das neue Hauptquartier der Fantastic Four. (Marvel)

Die FF fliegen in ihrem Fantasticar nach Hause, ihr Hauptquartier, das versteckt in einem Hochhaus liegt. Darin enthalten: ein Flugzeug, ein Fantasticopter, eine Rakete, ein Obervatorium, Laboratorien und Quartiere. Wie sie sich das alles leisten können, bleibt unklar. Außerdem bekommen die Helden endlich Kostüme, oder besser gesagt: Uniformen, die sie als Team erscheinen lassen. Susan hat die blauen Overalls mit dem 4-Symbol auf der Brust entworfen. The Thing bekommt sogar einen Helm – er ist nicht erfreut und zerreißt es vier Seiten später, um sich besser bewegen zu können. Nur die Hose bleibt übrig.

ff3-thing.jpg

The Thing entledigt sich seines neuen Kostüms. (Marvel)

Als Miracle Man das übergroße Modell eines Filmmonsters lebendig werden lässt und es in der Stadt herumwütet, eilen die FF zur Rettung. Reed hält es für eine Weile auf, bis er von MM einen Stein  ins Gesicht geschleudert bekommt, Johnny fackelt es schließlich ab, bis er von MM gelöscht wird. Thing versinkt im Boden, Susan folgt dem Schurken unbemerkt, indem sie sich auf seinen Laster schleicht.

Miracle Man erkennt sie dank eines Spürhundes, hypnotisiert sie und lässt die anderen herbeikommen. Nach einem Kampf mit Maschinengewehr und einer Fahrt in einem Oldtimer blendet Human Torch den Zauberer und es stellt sich heraus: Er ist machtlos, denn er kann gar nicht zaubern, sondern bloß hypnotisieren, sodass es allen nur so scheint, als wäre er allmächtig.

Am Ende zerstreiten sich Reed, Thing und Johnny, Johnny hat es satt und verlässt die Truppe plötzlich. Als Human Torch sieht er seit dieser Ausgabe so aus wie sein Vorgänger aus dem Golden Age: nicht mehr ein Schweif aus Flammen, sondern wie ein brennender Mensch, wie man bereits auf dem Cover erkennen kann. Damit ging Zeichner Jack Kirby auf den Wunsch von Fans ein. Marvel hört auf seine Leser.

Wie alles begann: Fantastic Four #1, Fantastic Four #2

Fantastic Four #2 (1962): The Skrulls from Outer Space

ff2-1962.jpg

Marvel

The Thing zerstört eine Ölbohrplattform, Invisible Girl stiehlt einen Zehn-Millionen-Dollar-Diamanten, Human Torch lässt eine Marmorstatue schmelzen (geht das überhaupt?) und Mr. Fantastic lässt die Stadt in Dunkelheit versinken, indem er ihr den Strom abschaltet. Natürlich sind es nicht die Fantastic Four, die all diese Schäden anrichten, sondern böse grüne Außerirdische mit spitzen Ohren: Skrulls, die mit ihren Formwandlerkräften den Ruf der Helden zerstören wollen, damit die Menschen sie jagen und die Skrulls die Erde übernehmen können.

Die FF müssen ihren Ruf wieder herstellen, doch zunächst werden sie in ihrem Waldhüttenversteck vom Militär umstellt und lassen sich gefangen nehmen. Das allerdings nur kurz, denn jeder findet eine Möglichkeit, schnell zu entkommen.

Der Plan: Sie wollen den Start einer neuen Rakete sabotieren, damit die Skrulls Johnny Storm für einen von sich halten und die Helden zu sich führen. Klingt verrückt, geht aber auf. Obwohl die Skrulls nichts von der geplanten Sabotage wissen, sind sie zufällig vor Ort, allerdings nur mit zwei Leuten, die wie Reed und Susan aussehen, und nehmen Johny im Fluchtfahrzeug mit. Johnny sendet mit einer Leuchtpistole ein Signal aus und die Teamgefährten eilen herbei, um die Skrulls aufzumischen.

Betrug an Betrügern

Doch wie verhindert man die Invasion? Ganz einfach: Die FF fliegen im Skrullsschiff zum Mutterschiff, das im Orbit treibt, geben sich als Skrulls aus (ohne Masken oder Kostüme), niemand schöpft Verdacht, dass sie nicht in ihrer grünen Form erscheinen. Dann erzählen sie dem Anführer, dass eine Invasion unmöglich ist, da die Welt voller Ungeheuer steckt.

ff2-1962-strange-tales.jpg

Comic im Comic: Auch die Fantastic Four lesen „Strange Tales“ und „Journey Into Mystery“. (Marvel)

Zum Beweis zeigt Reed Bilder von Monstern, die er aus Strange Tales und Journey Into Mystery ausgeschnitten hat – zwei Comic-Serien aus dem Hause Marvel! Damit bricht nicht nur die Realität in die Comicwelt ein, sondern auch die Comicwelt in die Realität. Es wird klar: Die Fantastischen Vier sind Teil dieser Welt. Die Skrulls fallen drauf rein und hauen ab.

Zurück auf der Erde verwandelt sich The Thing für kurze Zeit wieder in Ben Grimm zurück. Die Polizei nimmt die FF gefangen, doch auf dem Polizeirevier werden sie von Monstern überrascht: einer Riesenschlange, einem Steinwesen und einem großen Greifvogel – alles Skrulls. Als sie auffliegen, ist das Vertrauen in die Helden wiederhergestellt. „My boy, after what I’ve seen today, I’d trust you four with anything!“, sagt der Police Chief am Ende.

Und was wird aus den drei verbliebenen Skrulls? Sie werden hypnotisiert und in Kühe verwandelt. Inklusiver artgerechter Haltung auf einer Weide, versteht sich.

>> Wie alles begann: Fantastic Four #1 (1961)