Black Widow

Daredevil #105-107: Terrex

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Marvel

Nach seinem Kampf mit Kraven wird Daredevil plötzlich zu einem Ort unter Wasser gebracht: eine Festung mit seltsamen Pflanzen, darin eine glatzköpfige Frau mit spitzen Ohren und leichter Bekleidung. Sie stellt sich vor als Moon Dragon, Priesterin des Mondes Titan. Es folgt eine sehr lange Rückblende, die man so abkürzen kann: Oberschurke Thanos konrolliert angeblich San Francisco und sie hat was dagegen. Deshalb hat sie die vorigen Schurken Dark Messiah, Ramrod und Angar, the Screamer erschaffen und versammelt sie jetzt.

Doch dann taucht ihr Verbündeter auf: Kerwin J. Broderick, Anwalt und Senior-Partner von Matt Murdock! Er war die letzten Ausgaben über der Mann im Schatten (wobei man sich fragen kann, woher er all diese wissenschaftlichen Kenntnisse hatte, um die Schurken zu erschaffen). Broderick tötet Moon Dragon und beschwört ein Monster herauf: Terrex, eine Mischung aus Thing und Hulk und irgendwie auch Swamp Thing, denn dieses grüne Ding beherrscht die Lebenskraft der Welt schlechthin und kann sie jedem auch nehmen. Broderick verschmilzt mit Terrex und will zum König von San Francisco ausgerufen werden. Dark Messiah, Ramrod und Angar helfen bereitwillig dabei, Chaos zu stiften.

Also ein weiterer größenwahnsinniger mit Allmachtsfantasien. Seufz. Daredevil und Black Widow kämpfen also zuerst gegen die drei Handlanger, dann gegen Terrex selbst, gegen den sie aber nichts ausrichten können. (Terrex verschont seltsamerweise gerade Daredevil, den er vorher noch mehrfach töten lassen wollte.) Unterstützt werden sie von Captain Marvel, doch auch der kann nichts gegen die Übermacht ausrichten, außer mit einer Idee.

Da das Gegenteil von Leben „un-life“ ist, kann Angar mithilfe von Moon Dragon (die doch nicht tot ist) eine Illusion davon erzeugen und so den Schurken wieder zum normalen Menschen machen. Problem gelöst. Alle früheren Kämpfe erweisen sich als total unnötig. Und Daredevil als ziemlich nutzlos. Hier zeigt sich, dass diese kosmischen Kämpfe mit Superwesen von Avengers-Niveau einfach nicht zu der Figur passen. Nicht von ungefähr spricht man vom „Street-Level-Hero“. Daredevil braucht Schurken auf Augenhöhe.

Ach ja, zwischendrin bekommt DD zwischendrin auch seine Sehkraft zurück, aber nur kurz, denn sonst funktioniert sein Radarsinn nicht. Der ist offenbar leistungsfähiger als Augen. Daher zurück zum Status quo.

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Daredevil #104: Kraven, the Hunter

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Marvel

Matt und Natasha machen ein bisschen Workout zusammen, das werden sie auch nötig haben, denn als nächstes macht ihnen Spider-Man-Schurke Kraven, the Hunter, das Leben schwer. Leider ist Spidey wieder zurück in New York.

Kraven wird von demselben mysteriösen Mann beauftragt, der Dark Messiah, Angar und Ramrod erschaffen hat. Kraven soll ihn besiegen, eventuell sogar töten, jedenfalls ausschalten. Kraven macht es sogar für umsonst, denn er liebt bekanntlich die Herausforderung der Jagd.

Zuerst entführt er Black Widow und wirft sie in ein Elefantengehege in einem Zoo. Nach einer Prügelei mit Daredevil kann der Held seine Geliebte retten. Bei der Rückrunde an der Küste schlagen sich dann beide mit ihm herum, bis Kraven Natasha mit einem Giftpfeil betäubt und dann Daredevil über eine Klippe ins Meer wirft.

In der nächsten Ausgabe erfahren wir dann, wie die Geschichte ausgeht: Daredevil verschwindet auf wundersame Weise, bevor er auf Felsen oder Wasser aufschlagen kann. Natasha kann Kraven mit Hilfe der Polizei besiegen. Und wo DD gelandet ist? Das erfahren wir beim nächsten Mal – genauso wie die Auflösung, was das alles bisher sollte.

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Daredevil #103: Ramrod & Spider-Man

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Marvel

Peter Parker kommt nach San Francisco, um Daredevil zu interviewen. Da bricht plötzlich ein neuer Schurke ins Haus von Natasha und Matt: Ramrod! Nein, kein Ladestock, wie der Name vermuten ließe, sondern eher ein Rammbock: ein Kerl mit Metallimplantaten an Kopf und Schultern. Er verlangt Papiere, auf die Daredevil aufpassen soll. Sie enthalten belastendes Material gegen einen Gangster. In Daredevil #100 waren sie fast aus der Redaktion des Rolling Stone gestohlen.

Ramrod will also die Papiere, randaliert im Haus und wird handgreiflich. DD und Black Widow kommen nicht gegen ihn an, Ramrod kommt mit den Papieren davon – da muss Spider-Man aushelfen. Er schnappt dem Schurken die Papiere weg, während DD und Widow Ramrod weiter bearbeiten. Ramrod wirft Natascha von einem Hochhaus, DD rettet sie. Spidey klettert eine Hauswand hoch, Ramrod hinterher, Spidey tritt ihn, er stürzt in die Tiefe und bricht durch den Asphalt. – Problem gelöst.

Doch wo kommt der Kerl überhaupt her? Eigentlich müsste uns das nicht interessieren, aber auch hinter Ramrods Entstehung steckt derselbe ominöse Mann im Schatten, der bereits den Dark Messiah und Angar, the Screamer erschaffen hat. Er wird begleitet von einer glatzköpfigen Frau. Davon aber später mehr.

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Daredevil #100-101 (1973): Angar, the Screamer

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Marvel

Ein Jubiläum: 100 Ausgaben Daredevil! Nach seinem Avengers-Abenteuer an der Ostküste fliegt Daredevil allein nach San Francisco zurück – mit einem Quinjet, den er selbst steuert, Radarsinn sei Dank. (Einen solchen Blindflug hat er bereits in Daredevil #2 hingelegt.) Kaum hat er wieder ein paar Gauner aufgemischt, trifft er auf Jann Wenner, den Chefredakteur des Rolling Stone und gibt ihm spontan ein Interview, in dem er für die neuen Leser noch einmal seinen Origin rekapituliert (auch wenn der Journalist nicht viel davon mitbekommt, weil Daredevil sich schweigend erinnert).

Doch das Interview wird gestört von Visionen, in denen DDs Schurken auftauchen: Jester, Leapfrog, Gladiator usw. Auch andere Menschen in der Stadt sind betroffen. Dann verschwindet plötzlich der Himmel und es taucht der Übeltäter auf, ein neuer Schurke, der sich Angar, the Screamer nennt.

Der Name ist Programm. Er sieht aus wie ein Hippie, wenn da nicht das Stirnband mit dem Hakenkreuz wäre, schreit herum und ändert die Wahrnehmung der Leute – wie ein wandelnder LSD-Trip. Da auch Daredevil „sieht“, was andere sehen, greift Angar das Hirn an, nicht die Augen.

Black Widow droht mit Mord

Doch was will Angar? Dass ihm die Welt zu Füßen liegt. Und er will eine neue, bessere Welt aufbauen. (Das Hakenkreuz ist wohl eher im ursprünglichen Sinn gemeint und hat hier mit Nazis nichts zu tun.) Einst träumte er von Liebe, Frieden und Freiheit, dann wurde er von der Polizeigewalt desillusioniert, mit der die Bewegung angegriffen wurde und zu Toten führte. Weil er sich am Establishment rächen wollte („Vengeance in the Sky with Diamonds“ lautet der schöne Titel dieser Story), verbündete er sich mit einem mysteriösen Mann aus dem Establishment, der ihm Superkräfte einbrachte – er hasst ihn trotzdem, kann ihm aber nichts tun, denn sein Gönner hat eine Vorsichtsmaßnahme getroffen.

Angar entführt später Matt Murdock, weil dieser bei Black Widow. Matt macht ihm klar, dass er, Angar, der Schurke sei, weil er fürs Establishment arbeitet. Nach wenigen Panels und Sprechblasen sieht Angar seinen Fehler und befreit Matt.

Da kommt auch schon Black Widow mit der Polizei vorbei. Angar schreit, verursacht Illusionen, Polizisten schießen aufeinander, Daredevil liefert sich einen Kampf mit ihm, schließlich kann ihn aber Natasha mit ihrem „Widow’s Sting“ davon überzeugen, mit dem Unsinn aufzuhören. Im Klartext: Sie droht ihm, ihn zu erschießen. Das gefällt DD gar nicht – es macht ihm Angst.

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Daredevil #99 (1973): Hawkeye & Avengers

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Daredevil #99 & Avengers #111 (Marvel)

Kaum kommen Daredevil und Black Widow vom Kampf gegen den Dark Messiah nach Hause, steht ein alter Bekannter vor der Tür: Hawkeye – Natashas Ex! Er ist extra den weiten Weg an die Westküste gekommen, um ihr zu sagen, was sie ihm bedeutet. Sie will ihn abweisen, da grapscht er sie an. Als DD ihm Manieren beibringen will, kommt es zum Streit. Natasha ist dann sauer auf beide, sie will selbst entscheiden, mit wem sie wohin geht. Doch auch sie offenbart, immer noch eine Schwäche für Clint Barton zu haben …

Da hat DD genug, er greift ein und fängt sich einen Haken von Hawkeye ein. Es beginnt ein völlig sinnloser, aber amüsanter Kampf. DD rammt Hawkeye den Bogen in den Rasen und klemmt ihn so fest. Hawkeye wickelt ihn mit einem Seil ein und blendet ihn – DD kann zwar nicht geblendet werden, spielt aber das Spiel mit. Später bei der Revanche zerbricht ihm DD den Bogen.

Daredevil als Avenger gegen Magneto

Dann kommen die Avengers (oder was von dem versprengten Haufen übrig ist) und bitten Hawkeye um Hilfe gegen Magneto, weil der nicht will, rekrutieren sie schließlich Daredevil und Black Widow. Der Schurke hat Captain America, Iron Man, Cyclops und andere in seiner Gewalt (wegen des Eisens in ihrem Blut kontrolliert er ihre Gehirne).

Beim Kampf gegen Magneto hat DD nicht viel zu tun. Er hängt zuerst sich an Magnetos Raumschiff, holt sich einen Stromschlag und fällt in die Tiefe – bis ihm Natasha wieder das Leben rettet. Doch er wäre auch allein zurecht gekommen, versichert er ihr. Später im Endkampf jeder gegen jeden verpasst er Cyclops einen Haken (der Blinde gegen den Einäugigen), was aber nicht entscheidend ist, denn Vision beendet das Ganze, indem er Magneto aus dem Hinterhalt ausknockt.

Schließtlich fragt Cap dann Daredevil und Black Widow, ob sie Avengers werden wollen, aber DD sagt für beide ab, denn er arbeitet lieber allein (Gruppen irritieren seinen Radarsinn). Natasha aber sagt zu und erinnert ihren Freund, dass er sie nicht besitzt. So trennen sich ihre Wege vorerst und Natasha kann über ihre Beziehung nachdenken, die zuletzt ohnehin nicht sehr innig gewesen zu sein scheint.

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Daredevil #95-96 (1972): Man-Bull

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Bull Taurus will sich an Daredevil rächen, weil er ihm die Schuld dafür gibt, einst zum Hybridwesen Man-Bull gemacht worden zu sein. Was tut er also? Er lässt sich erneut zu Man-Bull machen, bricht aus dem Knast aus und reist nach San Francisco, wo sich DD durch die Gegend schwingt und wo Matt Murdock seinen neuen Job als Anwalt bei Partner Jason Sloan beginnt.

Doch schon am ersten Tag kommt Matt nicht zum Arbeiten, denn da braust ein fahrerloses Auto durch die Straßen. In Sekundenschnelle zieht er sich um, springt drauf und leitet es ins Wasser. Dahinter stecken Man-Bull und sein Handlanger Itch. Der Sinn dieser Aktion erschließt sich nicht wirklich. Woher haben sie gewusst, dass DD in der Nähe sein wird?

Egal. Später wird wild drauflosgeprügelt. Ein Stierkampf mit Black Widow, die ihren Mantel als rotes Tuch schwingt, dann eine Prügelei mit DD, der von Itch beendet wird, indem er dem Feind eine Kugel in den Kopf jagt. Black Widow schwört Rache, gibt Man-Bull Saures, bringt dann aber ihren Freund zunächst ins Krankenhaus. Mit Rücksicht auf seine Geheimidentität sind die Chirurgen so nett, ihn in Maske zu operieren.

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Datenschutz geht vor Gesundheit: Daredevils Maske wird bei der OP verschont. (Marvel)

Derweil verseuchen Man-Bull (plötzlich lila gefärbt) und Itch das Trinkwasser, um andere Menschen zu Halbwesen zu machen. Damit will er sich an den Leuten rächen, die sehr gemein zu ihm gewesen ist. Daher will er auch das Gegenmittel vernichten, das der Wissenschaftler hergestellt hat, um es gegen Lösegeld herauszugeben. Bevor Man-Bull den Mann töten kann, springt DD zur Hilfe und da er immer noch von der Operation angeschlagen ist, schafft er es nur, den Schurken an einen Anker zu binden und im Meer zu versenken.

Ob Man-Bull ertrinkt oder wieder mal davonkommt, scheint keinen zu kümmern. Ich werde ihn jedenfalls nicht vermissen, denn er hat auch hier nichts Interessantes zu sagen gehabt.

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Wer sagt, dass Marvel nicht zu seinen Fehlern steht? Daredevil vor dem echten Coit Tower. (Marvel)

Übrigens: In Daredevil #87 kämpfte DD gegen Electro im Coit Tower, der aber überhaupt nicht so aussah wie der in San Francisco. Den Fehler korrigiert Gene Colan hier mit einem Augenzwinkern.

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Daredevil #93-94: Indestructible Man (1972)

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Marvel

Da war noch eine Rechnung offen. Eigentlich hatten Matt Murdock und Natasha zuletzt Zoff gehabt, dann kam die Sache mit Damon Dran dazwischen. Natasha wurde entführt und Matt kämpfte als Daredevil gegen den Attentäter Blue Talon. Doch jetzt wird abgerechnet – und zwar mit handfesten Argumenten.

Plötzlich fällt Black Widow von hinten über Daredevil her. Seltsamerweise merkt er zunächst nicht, wer sich auf ihn stürzt. Sein Radarsinn spinnt gerade. Doch was ist mit dem Geruch? Selten kommt Daredevil auf die Idee, seine Nase zu benutzen. Die müsste auch ohne Supersinne ganz nützlich für einen Blinden sein …

Wie dem auch sei: Natasha greift ihn an. Sie wurde hypnotisiert. Lösung: Matt hält ihr die Augen zu, da fällt sie ihn Ohnmacht. Schnell noch die tickende Bombe an ihrem Gürtel weggeworfen und er kann sie nach Hause bringen. Kaum erwacht sie, will sie ihn wieder töten – und wird wieder ohnmächtig. Dank eines Schlammflecks am Stiefel (der Trick wird niemals alt) kann er herausfinden, wo ihr Entführer steckt.

Randale in San Francisco

In der Zwischenzeit findet Damon Dran die „Project Four“-Bombe und macht sich mit ihr zum Superschurken Indectructible Man, der Energiestrahlen schießt und zum Riesen heranwächst. Als solcher geht er randalierend auf San Francisco los. Die Polizei ist machtlos, auch das Militär kann ihm mit schwerer Artillerie nichts anhaben, also stürzen sich unsere Helden auf ihn, um ihn mit Seilen einzuwickeln und mit weiteren Schüssen zu pieksen. Bringt erwartungsgemäß auch nicht viel. Eigentlich ist das ein Fall für die Avengers.

Aber da kommt Danny Dran (Natashas alter Weggefährte beim Diebstahl von „Project Four“) und besiegt den Riesen mit einem einzigen Lanzenwurf. Weil er eine empfindliche Stelle trifft, schwinden dem Indectructible Man die Kräfte, er schrumpft auf Daredevil-Format, sodass der Titelheld ihn mit einem einzigen Tritt ausknocken kann.

Ach, ja: Danny stirbt den Heldentod. Die einzige, die das interessieren dürfte, ist Natasha. Wir können nur froh sein, dass diese überdehnte Storyline endlich beendet ist.

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Daredevil #92: On the Eve of the Talon (1972)

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Marvel

Seit elf Ausgaben wirkt Black Widow bei Daredevil mit, ist sogar Matt Murdocks neue Herzallerliebste. Nun steht ihr Name auch auf dem Cover, ganz groß, direkt unter Daredevil, der – wahrscheinlich aus Platzgründen – nur noch unten „Man Without Fear“ genannt wird. Doch leider hat Widow hier noch nicht viel zu tun.

Zuletzt gab es Beziehungsstreit, weil Natasha sich nicht gleichberechtigt fühlte (Daredevil #91). Jetzt hat sie ihn verlassen. Matt ist außer sich, zerstört einen Spiegel. Kann er ja eh nix mit anfangen. Doch er hat Symbolkraft: Ihm gehe es nur um sein Ego, belehrt ihn Chauffeur Ivan. Wenn es Matt wirklich um Natasha ginge, würde er nach ihr suchen. Psychiater hätte Ivan werden sollen.

Das tut er dann auch. Doch Natasha wurde mit Danny French von einem Bonzen namens Damon Dran entführt und in eine Art Trance oder Wachkoma versetzt. Jetzt will Dran aus French herausquetschen, wo sich die Bombe namens „Project Four“ befindet. Da bekommt er im Fernsehen mit, dass Reporter bereits eins und eins zusammengezählt und geschlossen haben: Matt Murdock ist Daredevil!

Alter Freund rettet Geheimidentität

Dran schickt einen Attentäter und Martial-Artist namens Yamura, den Blue Talon, los, um DD zu töten. Damit will er endlich Danny zum Reden bringen. Danny will aber nicht reden. Es kommt zum Kampf zwischen Daredevil und Blue Talon, der Klingen an den Händen trägt. Doch nach drei Seiten schlägt Blue Talon dabei eine Gasleitung kaputt und befördert sich ins Jenseits. Auch eine bequeme Lösung.

Doch was ist mit der Entlarvung von Matt Murdock? Der taucht beim Kampf vor Polizei und Kameras auf und behauptet, Daredevil sei sein Bruder Mike gewesen, nun habe ein anderer das Kostüm angezogen, dessen Identität er aber nicht offenbaren könne. Das stimmt sogar: Denn um die Täuschung perfekt zu machen, hat DD seinen Kumpel T’Challa alias Black Panther gebeten, die Rolle zu übernehmen. Zum Glück hatte der König von Wakanda gerade nichts Besseres zu tun, als an die Westküste zu fliegen, Theater zu spielen und seinen Kopf hinzuhalten. Was tut man nicht alles für alte Freunde?

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Daredevil #90-91: Mr. Fear (1972)

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Marvel

Daredevil und Black Widow schwingen sich durch San Francisco, da bekommt Natasha plötzlich Angst und fällt in die Tiefe. DD kann sie gerade noch auffangen. Woher kommt diese Panikattacke? Später ereilt auch DD das Problem. Nur mit Not kann er sich vor einem tödlichen Sturz bewahren. Doch trotz dieser Erfahrungen schwigt er sich (lebensmüde?) weiter mit Natasha durch die Stadt – diesmal muss sie ihn retten …

Eigentlich gibt es dafür nur eine Erklärung: Mr. Fear ist wieder da! Doch darauf kommt niemand, denn der (Zoltan Drago bzw. sein Nachfolger Starr Saxon) ist bekanntlich tot. Außerdem hat Natasha einen anderen im Verdacht: Danny French. Mit ihm hat sie mal Spionage betrieben und seit sie in San Francisco ist, stalkt er sie. Verbunden sind sie durch das ominöse „Project Four“. Endlich erzählt sie, was es damit auf sich hat: Sie haben einst einen Sprengkörper gestohlen, der stärker ist als ein Dutzend Wasserstoffbomben.

Die Rache des Anwalts

Doch dann findet Natasha heraus, dass Danny mittlerweile ganz andere Geschäfte treibt, die Bombe wertlos ist und er nichts mit den Panikattacken zu tun hat. Und so kommen wir wieder zurück zur naheliegenden Lösung: Mr. Fear ist wieder da. Beim Showdown auf einem Dach wird klar, wer hinter der Maske steckt: ein gewisser Anwalt namens Larry Cranston, den Matt von früher kennt. Er hatte Matt einen Job in seiner Kanzlei mit Partner Jason Sloan angeboten. Nun will er Rache: Cranston verabscheut Sloan, weil er die Lorbeeren einheimst, während er, Cranston, die ganze Arbeit macht. Und er verabscheut auch Matt Murdock, weil er ihm in der Schule offenbar die Show gestohlen hat.

Ob das als ein Mordmotiv reicht, sei mal dahingestellt. Aber warum als Mr. Fear? Beim Mord an Drago ist Cranston zufällig in der Nähe gewesen und hat von ihm Kostüm und Ausrüstung abgestaubt. Aber wie gut, dass Daredevil immer ein Anti-Angst-Mittel dabei hat (vielleicht auch daher „Man Without Fear?“). Nach der Demaskierung fehlt Mr. Fear offenbar die Kraft, weiterzukämpfen und er stürzt sich vom Dach. Sterben will er zwar nicht, er droht mit Revanche, aber offenbar hat er vergessen, dass er seinen Jetpack noch nicht angeschnallt hat und stürzt in den Tod.

Ein selten dämlicher Tod. Doch Matt hat andere Sorgen: Beziehungsstreit mit Natasha. Sie ist genervt von ihm, weil er sich nie bei ihr bedankt (obwohl sie ihm mehrfach das Leben gerettet hat) und sie nicht als eigenständige Person behandelt. Sie will nicht nur seine Partnerin sein, sondern eine Beziehung auf Augenhöhe. Ivan bestätigt es ihm später: Das war’s dann wohl mit Natasha …

Aber natürlich nur bis zur nächsten Ausgabe.

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Marvel Knights (2000-2001)

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Marvel

Marvel Knights hieß die Initiative, mit der sich der insolvente Comicverlag einen Neustart verpasste. Eine Reihe von Serien startete mit neuer Nummer 1, darunter auch Daredevil mit Guardian Devil von Kevin Smith und Joe Quesada. Doch es gab auch ein neues Superheldenteam auf Street-Level-Ebene: Daredevil, Black Widow, Dagger, Shang-Chi und Punisher, später kommen auch Moon Knight und Luke Cage dazu.

Zu Beginn findet Frank Castle einen Haufen Leichen in Anzügen: Jemand hat es auf die russische Mafia abgesehen. Er bittet Daredevil um Hilfe, vielleicht kann dieser seine Superfreunde anrufen. Daredevil verständigt Black Widow, die gerade zufällig auf Dagger stößt, die Heldin mit dem lächerlichsten Kostüm im Marvel-Universum: einem tiefen Ausschnitt in Form eines Dolches. Gemeinsam untersuchen sie den Fall und steigen hinab in ein tiefes Loch im Boden. Der Übeltäter ist Ulik, der Troll, der ein altes Füllhorn wiederhaben will, doch der derzeitige Besitzer weigert sich, es rauszurücken, also erschüttert er die Fundamente des Hochhauses, in dem sich das Horn befindet.

Daredevils Team scheitert, bevor es anfängt

Gemeinsam mit dem Punisher kämpfen sich die Marvel Knights durch den Untergrund, nehmen es mit Horden von Trollen auf, bis Daredevil das gewünschte Horn besorgt und die Sache beendet. Das ist ziemlich bescheuert. Doch dann geht es erst richtig los, denn der Teufelskerl erklärt Punisher, ihn das nächste Mal aufzuhalten. Dazu rekrutiert er Moon Knight, der sie mit den nötigen Gadgets und einem Hauptquartier ausstattet.

Doch Daredevil will zwar das Team, ist aber nicht überzeugt von den neuen Möglichkeiten und Mitgliedern. Luke Cage kritisiert er etwa dafür, nur für Geld zu arbeiten. Und so zerfallen die Marvel Knights, die eigentlich gar keinen Namen kriegen, bereits bevor sie richtig abheben können.

Verlorener Fokus

Das liegt zum einen an den vielen unnötigen Nebenhandlungen, die nichts mit dem Team oder seiner ursprünglichen Mission zu tun haben: Dagger sucht ihren Bruder, der als Cloak sein Unwesen treibt, Shang-Chi kämpft gegen einen Attentäter seines Vaters (zweimal), der Punisher nimmt es mit einem Rieseninsekt auf, Black Widow und Dagger kämpfen gegen einen falschen Nick Fury (und ratet mal, wer sich dabei besonders dumm anstellt). Und als würde das alles nicht schon zu viel sein, gibt es noch Gastauftritte von Doctor Strange und den Fantastic Four.

Zum anderen liegt das Scheitern aber auch daran, dass das ursprüngliche Ziel, den Punisher zu fangen, verloren geht und in einem kurzen Showdown mit Daredevil verpufft. Ohne Kampf, dafür mit einer Selbstmorddrohung von Frank Castle. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Teufel gar kein Team braucht, sondern lieber alleine kämpft. Die anderen waren ohnehin anderweitig beschäftigt.

Abgesehen von der unfokussierten Erzählweise liefert Routinier Chuck Dixon (Batman) hier eine routinierte Actionserie ab, die von banalen Dialogzeilen nur so strotzt und selten pfiffig daherkommt. Immerhin liefert Eduardo Barretto mit seinen eleganten, kraftstrotzenden Astralkörpern für die nötigen Schauwerte, um 350 Seiten lang dranzubleiben.

Es sagt einiges aus, dass das unterhaltsamste Kapitel das ist, in dem Black Widow und Dagger einen Autodieb suchen und Frank Castle sich aus der Gefangenschaft trickst.

>> Chuck Dixon/Eduardo Barretto: Marvel Knights: Defenders of the Streets (#1-15), 2000-2001

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