The Amazing Spider-Man Annual #1 (1964)

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Erster Auftritt der Sinister Six: The Amazing Spider-Man Annual #1 (Marvel)

Doctor Octopus! The Vulture! Electro! Sandman! Mysterio! Und Kraven the Hunter! Alle großen Schurken in einem Heft, zum ersten Mal als Sinister Six – das alles und noch viel mehr bietet das erste Spider-Man-Annual. Ein Jahr habe es gedauert, diese 41 Seiten herzustellen, schreibt Stan Lee. Gelohnt hat sich die Arbeit auf jeden Fall.

Es beginnt mit Doc Ocs Ausbruch aus dem Knast. Seine mechanischen Arme wurden ihm abgenommen, aber er kann sie per Gedanken steuern. Dann trommelt er die übrigen fünf Schurken zusammen, um Spider-Man endlich zu besiegen. Manche wollen ihn gemeinsam schlagen, andere denken, sie werden auch allein mit ihm fertig, immerhin hätten sie es schon mal fast geschafft. Doch Octopus hat einen angeblich idiotensicheren Plan: Jeder zieht eine Nummer und dann darf jeder Mal der Reihe nach drankommen, jeweils an einem Ort, der zu den persönlichen Talenten passt. Damit wird die Idee der Gruppenbildung natürlich ad absurdum geführt. Aber es scheint nach dem Motto zu laufen: Einer muss mal Glück haben.

Immer schön der Reihe nach

Um Spider-Man anzulocken, entführen sie Betty Brant und Tante May, die Betty aufsucht, weil sie sich Sorgen um Peter macht. Peter aber verliert scheinbar seine Superkräfte. Als er an den Mord an Onkel Ben zurückdenkt und von Schuldgefühlen geplagt wird, stolpert er plötzlich und fällt. Nur mit Mühe kann er sich an einer Fahnenstange festhalten. Er denkt nicht mal, seine Netze zu benutzen. Dennoch nimmt er die Herausforderung an, Betty und May zu befreien. Während des Abenteuers kehren die Kräfte von selbst zurück – alles reine Kopfsache also.

Es folgt eine Schnitzeljagd von einem Schurken zum anderen. Jeder hat eine Karte mit dem Aufenthaltsort des nächsten. Jedes Mal wird der Held in klassischer Schurkenmanier begrüßt: „So we meet again!“ (Electro, Kraven) „I’ve waited a long time for this moment …. and now at last it’s here!!“ (Sandman) Und ganz groß: „I’ve been expecting you!“ (Doctor Octopus)

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Geheime Botschafterin? J. Jonah Jameson hält Zwiesprache mit einer Spinne. (Marvel)

Electro empfängt ihn in einem Kraftwerk, Kraven hetzt zwei Raubkatzen auf ihn, the Vulture bringt ihn dazu, die Netzkartuschen abzulegen – und seltsamerweise spielt Spider-Man mit, obwohl er mit den Netzen die meisten Schurken sofort besiegen könnte, was er aber erst am Ende tut, als er mit Doc Oc in ein Aquarium steigt, da dieser ihn wie ein echter Octopus besiegen will (obwohl auch er unter Wasser nicht atmen kann). Jeder Kampf findet seinen Höhepunkt in einer gloriosen Splash Page.

Während Betty und May von Otto Octavius Tee serviert bekommen, trifft Spider-Man auch auf so ziemlich alle Helden des Marvel-Verlages: Thor, Iron Man, Captain America, Giant Man, die Fantastic Four, sogar die X-Men, die vom Illusionskünstler Mysterio scheinbar herbeigezaubert werden und gegen Spidey kämpfen. Ganz nebenbei macht Stan Lee auch dreist Werbung für die jeweiligen Serien der aneren Helden.

Es ist ein Gipfeltreffen, ein Battle Royale, eine Wundertüte, die hier geboten wird. Auf jeder Seite eine Überraschung oder zumindest ein Hingucker. Mein persönliches Highlight: J. Jonah James spricht mit einer Spinne – und wird für verrückt gehalten.

Einblicke in Spider-Mans Kräfte und Leben

Nach dieser grandiosen Geschichte folgen 31 weitere Seiten. Zunächst werden alle Schurken (auch die, die nicht in der Story vorkommen) noch einmal in einem großen Who-is-Who vorgestellt (sogar der namenlose Räuber, der Ben erschoss), dann werden Spider-Mans Kostüm und Kräfte erklärt und sogar ins Verhältnis gesetzt zu denen der Fantastic Four. Wir erfahren: Spidey könnte The Thing und Human Torch mit seinen Netzen fesseln, nur gegen Mr. Fantastic kommen sie nicht ganz an.

Außerdem gibt es einen Grundkurs in Sachen Spider-Man-Comic-Semiotik: Die unerfahrenen Leser lernen, Spider-Mans Spinnensinn zu deuten sowie die Panels, in denen Peter Parker zur Hälfte Spider-Mans Maske trägt.

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„Naturally, we do not imply that other characters in the story see them … Any more than we imply that other characters see the thought balloons which appear over people’s heads!“

Weitere Splash Pages sind dem Daily Bugle, Peters Schulkameraden, Peters Haus gewidmet, führen ein in seine Lebenswelt und schmücken sie weiter aus. Eine Seite versammelt Spider-Man mit den Fantastic Four und Hulk, was Stan Lee als künftiges Sammlerstück anpreist, da diese fünf Helden in dem „somewhat different Ditko style“ gezeichnet seien. (Normalerweise zeichnet Jack Kirby die Helden.)

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Einblick in den Bullpen: Stan Lee und Steve Ditko. (Marvel)

Zum Schluss geben und Lee und Dikto einen dreiseitigen Einblick in ihre Arbeit. Lee erscheint belagert von den zig Figuren, die er sich ausgedacht hat, Dikto schläft am Schreibtisch. Den Grund dafür erfahren wir sogleich: Lee bekommt nachts die besten Einfälle und nervt Dikto damit, bürdet ihm viel Arbeit auf, sodass er kaum zum Schlafen kommt. Später machen sie gegenseitig ihre Arbeit runter. Am Ende wird alles nur als Spaß erklärt. Doch es ist etwas Wahres dran: Lee und Ditko kamen schlecht miteinander aus, was auch der Grund für Ditkos plötzlichen Weggang gewesen sein dürfte.

Dieses Special aber steckt noch so sehr voller Freude an der Figur und Ideenreichtum, dass es wirkt wie eine All-Star-Show mit einer Parade von Zugaben. Es ist Fan-Service im besten Sinne – aber es befördert auch das Fantum, indem es die Welt von Spider-Man ausschmückt und geradezu auf allen Ebenen anschaulicher und geradezu greifbar macht.

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