Marvel Knights (2000-2001)

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Marvel

Marvel Knights hieß die Initiative, mit der sich der insolvente Comicverlag einen Neustart verpasste. Eine Reihe von Serien startete mit neuer Nummer 1, darunter auch Daredevil mit Guardian Devil von Kevin Smith und Joe Quesada. Doch es gab auch ein neues Superheldenteam auf Street-Level-Ebene: Daredevil, Black Widow, Dagger, Shang-Chi und Punisher, später kommen auch Moon Knight und Luke Cage dazu.

Zu Beginn findet Frank Castle einen Haufen Leichen in Anzügen: Jemand hat es auf die russische Mafia abgesehen. Er bittet Daredevil um Hilfe, vielleicht kann dieser seine Superfreunde anrufen. Daredevil verständigt Black Widow, die gerade zufällig auf Dagger stößt, die Heldin mit dem lächerlichsten Kostüm im Marvel-Universum: einem tiefen Ausschnitt in Form eines Dolches. Gemeinsam untersuchen sie den Fall und steigen hinab in ein tiefes Loch im Boden. Der Übeltäter ist Ulik, der Troll, der ein altes Füllhorn wiederhaben will, doch der derzeitige Besitzer weigert sich, es rauszurücken, also erschüttert er die Fundamente des Hochhauses, in dem sich das Horn befindet.

Daredevils Team scheitert, bevor es anfängt

Gemeinsam mit dem Punisher kämpfen sich die Marvel Knights durch den Untergrund, nehmen es mit Horden von Trollen auf, bis Daredevil das gewünschte Horn besorgt und die Sache beendet. Das ist ziemlich bescheuert. Doch dann geht es erst richtig los, denn der Teufelskerl erklärt Punisher, ihn das nächste Mal aufzuhalten. Dazu rekrutiert er Moon Knight, der sie mit den nötigen Gadgets und einem Hauptquartier ausstattet.

Doch Daredevil will zwar das Team, ist aber nicht überzeugt von den neuen Möglichkeiten und Mitgliedern. Luke Cage kritisiert er etwa dafür, nur für Geld zu arbeiten. Und so zerfallen die Marvel Knights, die eigentlich gar keinen Namen kriegen, bereits bevor sie richtig abheben können.

Verlorener Fokus

Das liegt zum einen an den vielen unnötigen Nebenhandlungen, die nichts mit dem Team oder seiner ursprünglichen Mission zu tun haben: Dagger sucht ihren Bruder, der als Cloak sein Unwesen treibt, Shang-Chi kämpft gegen einen Attentäter seines Vaters (zweimal), der Punisher nimmt es mit einem Rieseninsekt auf, Black Widow und Dagger kämpfen gegen einen falschen Nick Fury (und ratet mal, wer sich dabei besonders dumm anstellt). Und als würde das alles nicht schon zu viel sein, gibt es noch Gastauftritte von Doctor Strange und den Fantastic Four.

Zum anderen liegt das Scheitern aber auch daran, dass das ursprüngliche Ziel, den Punisher zu fangen, verloren geht und in einem kurzen Showdown mit Daredevil verpufft. Ohne Kampf, dafür mit einer Selbstmorddrohung von Frank Castle. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Teufel gar kein Team braucht, sondern lieber alleine kämpft. Die anderen waren ohnehin anderweitig beschäftigt.

Abgesehen von der unfokussierten Erzählweise liefert Routinier Chuck Dixon (Batman) hier eine routinierte Actionserie ab, die von banalen Dialogzeilen nur so strotzt und selten pfiffig daherkommt. Immerhin liefert Eduardo Barretto mit seinen eleganten, kraftstrotzenden Astralkörpern für die nötigen Schauwerte, um 350 Seiten lang dranzubleiben.

Es sagt einiges aus, dass das unterhaltsamste Kapitel das ist, in dem Black Widow und Dagger einen Autodieb suchen und Frank Castle sich aus der Gefangenschaft trickst.

>> Chuck Dixon/Eduardo Barretto: Marvel Knights: Defenders of the Streets (#1-15), 2000-2001

>> Daredevil-Comics

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