Daredevil: Noir (2009)

daredevil-noir

Marvel

Von 2008 bis 2010 verpasste Marvel einigen seiner größten Helden einen Noir-Anstrich: Es begann mit Spider-Man, dann folgten Luke Cage, Iron Man, Wolverine, Punisher, die X-Men und auch Daredevil. Die Helden erlebten Abenteuer in der Prohibitionszeit.

Der Film Noir ist kein Genre, sondern ein Stil: Düster, geprägt von Schatten und Hell-Dunkel-Kontrasten, die sich am Expressionismus orientieren, aber auch von einer zynischen Haltung und abgebrühten, vom Leben gezeichneten Charakteren sowie skrupellosen Schurken.

Bei Daredevil: Noir kann man das schon auf dem Cover und den ersten Panels sehen: Tiefschwarz und schmutzig, von Schraffuren durchsetzt, wirkt jedes Bild so, als würde es auch drinnen ständig regnen. Daredevil trägt ein Kostüm mit freien Oberarmen und einer Maske, aus der die Hörner stark hervortreten und das Diabolische bzw. Dämonische betonen. Außerdem schreckt er vor Folter nicht zurück. Als Matt Murdock ist er nur der blinde Gehilfe von Foggy Nelson. Fürs Jurastudium hat es nach dem Tod des Vaters nicht gereicht. Matt verlor sein Augenlicht durch einen Schlag, vollführte danach als Kind gern akrobatische Sprünge und gab Bühnenshows in einem Teufelskostüm.

daredevil-noir-fisk.jpg

Noir, wie im Dauerregen: Daredevil gegen Wilson Fisk (Marvel)

Im New York der Gegenwart (d.h. den 30ern) treibt ein neuer Serienmörder sein Unwesen: der „Bull’s Eye Killer“ wird er genannt, doch niemand weiß, wer er ist. Dann taucht bei Foggy eine Frau namens Eliza auf. Sie sagt, sie sei die Freundin des Gangsters Orville Halloran, wolle aber aus der Beziehung ausbrechen und brauche Hilfe dabei. Orville will angeblich einen Krieg mit Wilson Fisk, dem Kingpin, anzetteln.

daredevil-noir-1.jpg

Daredevil: Noir #1 (Marvel)

Matt ist Eliza sofort verfallen. Doch wie man sich denken kann, ist sie eine Femme fatale mit ganz eigener Agenda. Dann erfährt Matt von Fisk, dass Halloran seinen Vater ermordet hat – und schon wittert Daredevil seine Chance für Rache.

Es ist eine einfache, aber im besten Sinne klassische Geschichte, die hier erzählt wird, mit einem überraschenden Twist, wenig Text und viel Raum für die visuelle Inszenierung eines finsteren New York voller Verbrechen, Korruption und Armut. Das bedrückende Leben wird in jedem Panel spürbar. Dennoch bleibt auch genug Tiefe für den Helden, der sich einbildet, dass ihm keiner mehr etwas vormachen kann und der dann eines Besseren belehrt wird. Daredevil wird schließlich fast verführt zum Mord, zweifelt mal wieder an sich selbst und bleibt zurück als ein einmal mehr gebrochener Mann.

Ein Comic, das Lust auf mehr macht und gerade deshalb sich selbst genug ist.

>> Alexander Irvine/Tomm Coker: Daredevil: Noir (#1-4), Marvel 2009

>> Daredevil-Comics

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s