Daredevil: Yellow

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Marvel

Einen Comic Daredevil: Yellow zu nennen, dazu braucht es Mut. Denn es bezieht sich nicht nur auf Daredevils erste Abenteuer, in der sein Kostüm noch von einem knalligen Gelb gepägt war, es trägt auch die Doppelbedeutung von „feige“ mit sich – und das ist eine steile These für einen „Man Without Fear“.

Jeph Loeb und Tim Sale haben es für ihren Sechsteiler von 2001 gewagt und dabei etwas ganz Besonderes geschaffen. Wie schon in den 90ern mit Batman (Haunted Knight, The Long Halloween, Dark Victory) ergänzen sie sich auch hier als Dreamteam, indem sie Daredevils Anfänge empathisch nacherzählen.

Die Erzählung ist zugleich eine Liebeserklärung der Macher an Daredevil wie auch eine Reihe Liebesbriefen von Matt an Karen. Er rekapituliert das, was in den ersten fünf Ausgaben der Serie passiert: Matt verliert seinen Vater als er schon erwachsen ist, wird nach dem Studium zu Daredevil, rächt ihn, gründet seine Kanzlei mit Foggy, lernt Karen kennen und rettet sie vor Owl und Killgrave.

Ausgesparter Origin

Die Details der Handlung sowie hanebüchensten Aspekte dieser frühen Geschichten werden weitgehend ausgespart, wenn auch Owl immer noch unerklärlicherweise fliegen kann. Karen gibt Daredevil nicht nur den Beinamen „Man Without Fear“, sie regt auch am Ende an, das Kostüm rot werden zu lassen, da es besser zu einem Teufel passe. Matt gesteht Karen in seinem letzten Brief, seine größte Angst sei es, in einer Welt ohne sie zu leben – was auch, zum Zeitpunkt der Niederschrift, bereits geschehen ist.

Was Daredevil: Yellow interessanterweise nicht erzählt, ist der Origin: Uninformierte Leser erfahren nicht, wie Matt Murdock blind wurde und wie er seine Superkräfte bekam. Entweder setzt man das voraus oder es ist hier nicht wichtig. Dafür wird man entlohnt mit einigen neuen Nuancen: Nachdem Daredevil gegen Electro gekämpft hat, wohnt er der Hinrichtung des Mörders seines Vaters bei (Slade), der auf dem elektrischen Stuhl getötet wird. Er bringt Pistazien mit, wie sie Slade einst gern gegessen hat, doch ihm vergeht der Appetit – spätestens wenn er durch die Wand hindurch den Geruch des Hingerichteten wahrnimmt. Solche Szenen verleihen der Story auch Abgründe, die Matt umso menschlicher erscheinen lassen.

Tim Sale bringt Daredevil mit seinem dynamischen wie atmosphärischen Zeichenstil zur vollen Geltung. Die Panels bekommen viel Raum, versinken oft in großen Schatten, der Wasserfarbeneffekt verleiht der Kolorierung eine organische Anmutung. Das Gelb wird dabei dezent eingesetzt: Von den Boxershorts von Jack Murdock und seiner Robe bis hin zum Schriftzug über dem Trainingscamp, das Matt am Ende gründet. Aber auch Karens blonde Haare erscheinen hier leuchtend gelb. Es wird zur Farbe der Liebe.

>> Jeph Loeb/Tim Sale: Daredevil – Yellow (#1-6), 2001.

In der Reihe erschienen ebenfalls: Spider-Man: Blue, Hulk: Gray und Captain America: White.

>> Daredevil-Comics

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