Daredevil #18-19 (1966): Gladiator

Daredevil vs. Gladiator

Marvel Comics

Von allen Ideen ist das wohl die dümmste: Da Karen aus irgendeinem Grund glaubt, Foggy Nelson sei Daredevil, will er sie davon endgültig überzeugen, damit sie ihn endlich heiratet. (Keine Ahnung, wie so einer das Jura-Examen geschafft hat, aber der Mensch kann Kompetenzen eben nur schwer auf andere Felder übertragen.) Also sucht Foggy einen Kostümladen mit Superheldenschwerpunkt auf, um sich wie Daredevil zu kleiden. Der Inhaber ist ein etwas seltsamer Glatzkopf, dem zufriedene Kunden nicht wichtig zu sein scheinen. Trotzdem passt er ein Daredevil-Kostüm an Foggys Leibesfülle an.

Doch kaum hat der Kunde den Laden verlassen, offenbart sich der Inhaber als Schurke mit sinistrem Plan: Da er Superhelden für Blender hält, die ohne ihre Kostüme gar nichts wären, will er seine These beweisen, indem er selbst zum kostümierten Schurken wird: dem Gladiator! Viel Arbeit hat er in seinen Anzug gesteckt, er trägt einen superharten Helm mit Sauerstoffversorgung und rotierende Sägeblättern an den Handgelenken (mit denen er sogar ein wenig fliegen kann). Warum die Arme als Schwachstellen frei bleiben, muss man nicht verstehen.

Foggy Nelson als Daredevil

Der Gladiator überzeugt Foggy davon, eine Show als Daredevil abziehen zu können, indem er gegen einen würdigen Schurken kämpft, allerdings nur inszeniert. Foggy bringt also Karen bei Nacht und Nebel in eine zwielichtige Gegend und als er den Gladiator sieht, zieht er sich um. Das dauert nicht nur länger als gedacht, er weiß am Ende auch nicht, wohin mit seinem teuren Anzug. Und kaum rennt Foggy, gepresst in seinen roten Strampelanzug, auf den Gladiator zu, wird er durch einen Hieb ausgeknockt. Selbst der Gegner ist enttäuscht von dieser miesen Performance. Andererseits: Was hat er anderes von diesem Trampel erwartet?

Aber wie gut, dass der echte Daredevil den Freunden gefolgt ist. Er ist ein würdiger Gegner für den Gladiator. Der Kampf endet im Wasser: Daredevil scheint zu ertrinken. Aber seit seiner Begegnung mit Namor, dem Sub-Mariner, hat er Yoga-Atemtechniken erlernt, die ihm jetzt das Leben retten. Schließlich kann er aus dem Wasser hopsen und den Gladiator besiegen.

Doch was muss er dann mitansehen: Nachdem Foggy wieder zu sich kommt, hält er vor eintreffenden Polizisten immer noch die Lüge aufrecht, er selbst sei Daredevil! Wie kann man nur so bescheuert sein? Und wie kann das irgendjemand ernsthaft glauben? Aber in der Marvel-Welt läuft alles nach eigenen Gesetzen – daher glauben es alle …

Der Masked Marauder kehrt zurück

Die Folge ist klar: Foggys Enthüllung macht Schlagzeilen und damit bringt er sich in Gefahr, denn naturgemäß können jetzt alle Schurken mit ihm abrechnen. Als Daredevil seinen Freund zur Vernunft bringen will, sieht der es immer noch nicht ein. Offenbar würde er lieber sterben, als vor Karen gedemütigt zu werden.

Die Feinde lassen nicht lange auf sich warten: Kein Geringerer als der Masked Marauder lässt den Gladiator aus der Haft befreien, um gemeinsam Foggy zu töten. Hier wird es völlig absurd, denn der Gladiator weiß doch, dass Foggy nicht Daredevil sein kann. Aber Logik ist hier völlig fehl am Platze, denn das Team-up der beiden Schurken wirkt auch ziemlich weit hergeholt. Der Gladiator hat gar keine Lust, dem Masked Marauder zu dienen, der will ihn aber zwingen. Aber wozu? Egal, es kommt zum Kampf.

Währenddessen rettet Daredevil Foggy vor den mörderischen Handlangern. Dabei kann sich Foggy sogar nützlich machen, indem er Daredevil vor Kugeln bewahrt. Ja, liebe Kinder, man muss kein Superheld sein, um Mut zu beweisen. So die Moral der Geschichte.

Superhelden als Show von Neurotikern

Am Ende erklärt Daredevil Foggy das Geheimnis seines Erfolges so: „That’s part of the superhero mystique, fella! You’ve got to put on a good show, or you might lose your audience to some other costumed clown!“ Aus Lesersicht hat er auf jeden Fall Recht. Kein Wunder, dass später Foggy Superhelden als einen Haufen Neurotiker bezeichnet.

Und was ist mit Karen, nachdem sie erfährt, dass Foggy nicht Daredevil ist? Kein Problem, sie ist sogar froh drum, will auch gar nicht wissen, warum er das getan hat, er werde schon seine Gründe haben, sagt sie. Ein Küsschen auf die Wange gibt’s obendrauf. Wieder macht sich Foggy Hoffnungen, er habe noch eine Chance bei ihr … Aber nur bis sie ihm sagt, dass Matt der wunderbarste Mann auf Erden ist. Und wie gut, dass in solchen Momenten immer Matt in der Nähe ist, damit er lauschen kann.

Wie Stan Lee selbst zugibt, ist das allerbestes B-Movie-Material …

Nächstes Mal: The Owl kehrt zurück!

(Übrigens: In Daredevil #18 durfte erstmals Dennis O’Neil Stan Lee als Autor vertreten.)

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