Daredevil #1 (1964): The Origin of Daredevil

Marvel Comics

Wie aus dem Nichts kommt Daredevil auf seinem ersten Cover ins Bild gesprungen, über die Köpfe von Gaunern mit Pistolen hinweg, sodass einem sogar der Hut wegfliegt. Und doch wird klargestellt, dass der neue Held nicht ganz aus dem Nichts kommt. Denn er wird in eine „Marvel Tradition“ gestellt, die zwar noch sehr jung ist, gerade mal drei Jahre, aber schon viele Superhelden erfolgreich eingeführt hat wie Spider-Man (1962) und die Fantastic Four (1961) – und beide werden auf dem Cover gezeigt, um deutlich zu machrn, in welch guter Gesellschaft sich der neue Held bewegt.

Dennoch ist er, so wird behauptet, anders als andere Verbrechensbekämpfer – nein, Matt Murdock gilt sogar als „the most unusual hero of all“. Und auf Seite eins wird auch der Sammlergeist der Leser angesprochen: Daredevil #1 soll bald so wertvoll werden wie The Amazing Spider-Man #1, in dem er auf die Fantastic Four traf.

Kostümierter Clown in gelb und rot

Zu Beginn ist Daredevil noch gelb, schwarz, rot – und wird auch nicht ganz ernst genommen. Als er bei vier Gangstern in Fogwell’s Gym auftaucht, um mit ihrem Boss, dem Fixer, abzurechnen, hält ihn einer für einen Wrestler, einer will ihm einen Job anbieten, aber ein dritter macht sich über sein Kostüm lustig. Daredevil gilt als „costumed clown“, sie wollen ihn verprügeln, doch er beweist auf den nächsten zwei Seiten, dass er ein ernst zu nehmener Gegner ist. Mit akrobatischen Tricks überwältigt er die vier, zudem schlägt er einem mit seinem Knüppel ein Gewehr aus der Hand. Am Ende sind alle überwältigt, ohne dass der Held auch nur einen Gegenschlag kassiert hat – erst dann stellt er sich vor: „Daredevil“.

Dann wird in einer Rückblende erzählt, wie er entstanden ist: Matthew „Matt“ Murdock wächst ohne Mutter als Sohn des Boxers Battling Murdock auf. Als Achtjähriger würde er gerne mit anderen Kindern Baseball spielen, aber sein Vater will, dass er für die Schule lernt. Aus dem Jungen soll mal was werden, das hat der Vater einst der Mutter versprochen. Matt soll nicht als abgehängter Boxer enden. Und so lernt er, statt mit anderen Jungs Sport zu treiben, er wird verspottet als „Daredevil“. Aber als er seine Kraft erkennt, macht er seine Leibesübungen heimlich: Er stemmt Gewichte, springt Seil, übt Boxen und Rudern.

Zwei Tragödien: Unfall und Mord

Matt erleidet einen Rückschlag, als er einen blinden Mann davor bewahrt, von einem Lastwagen überfahren zu werden. Der Lkw transportiert radioaktives Material, ein Fass löst sich und kontaminiert Matt. Er wird blind, aber nimmt es mit Fassung: Es könnte schlimmer sein, immerhin sei er am Leben, sagt er seinem Vater. Er will weiterlernen, denn Bücher gibt es zum Glück auch in Braille-Schrift. Und er setzt auch sein körperliches Training fort. Dank seiner geschärften Sinne (wahrscheinlich eine Begleiterscheinung der Radioaktivität) kann er seine Blindheit kompensieren. Er kann Herzschläge hören, Menschen am Geruch erkennen und eine Art Radarsinn macht sogar einen Blindenstock überflüssig.

Der Vater will seinen Sohn durchs College bringen, bekommt aber keine Kämpfe mehr, also nimmt er das Angebot des zwielichtigen Managers namens Fixer an, gewinnt ein paar Duelle, aber es stellt sich hinterher heraus, dass sie nur getürkt waren, um seinen Ruf aufzubauen. Beim nächsten Mal soll er auf Kommando umkippen. Doch weil sein Sohn zuschaut und er ihn als Vorbild nicht enttäuschen will, gibt er nicht klein bei und gewinnt. Daraufhin lässt in der Fixer von seinem Handlanger Slade erschießen.

Matt rächt seinen Vater

Matt macht seinen Abschluss, macht zusammen mit seinem Freund Foggy Nelson eine Anwaltskanzlei auf, lernt die Sekretärin Karen Page kennen. Dann will er den Mörder seines Vaters rächen. Doch er findet sich in einem moralischen Dilemma wieder: Er musste seinem Vater versprechen, niemals ein Kämpfer zu werden. Die Lösung: eine Doppelidentität als Daredevil. Er näht sich ein Kostüm, macht seinen Blindenstock zu einer Waffe. Das Zeichen seiner vermeintlichen Schwäche wird zu seiner Stärke.

Als er später den Fixer und Slade konfrontiert, will er ihn zu einem Geständnis bringen. Der Fixer bestreitet den Mord. Slade stürzt Daredevil aus dem Fenster, der schwingt sich aber wieder hoch. Später verstaucht er sich die Hand, nachdem ihm der Fixer den Teppich unter den Füßen weggezogen hat. Daredevil verfolgt die beiden anhand des Zigarrenrauchs; weil er in zivil auftritt, erkennen ihn die beiden nicht. Schließlich überwältigt er (wieder umgezogen als Daredevil) den Fixer in einer U-Bahn-Station, der stirbt an einem Herzinfarkt. Dann bringt er Slade mit einem Bluff zu einem Geständnis und die Polizei nimmt den Mörder fest.

Am Ende sagt Foggy Matt, dass Slade sie um rechtlichen Beistand gebeten habe, aber Foggy habe ihn abgewiesen, weil er ihn für schuldig halte. Matt macht das nichts aus. Stolz steht er im letzten Panel da, die Hände mit dem Stock auf dem Rücken und schaut die Stadt hinaus, während die Silhouette von Daredevil seinen Schatten bildet. Stan Lee kündigt an: „This is just the beginning! We’ve only scratched the surface!“

In der nächsten Ausgabe trifft Daredevil auf seinen ersten Superschurken: Electro.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s